Es braucht offensichtlich einen Experten für Migrationslinguistik, um herauszufinden, dass die deutsche Sprache immer türkischer wird. Der als solchartiger Experte bezeichnete Berliner Professor Norbert Dittmar hat das jetzt zwar nicht untersucht, aber doch behauptet: “Deutsche Jugendliche übernehmen vermehrt die Aussprache und Satzbildung ausländischer Jugendlicher und benutzen auch häufig Worte aus dem Türkischen oder Arabischen”, so wie das türkische “Lan” oder das arabische “Yalla”.
Beim allen Denglizismen abholden Verein der Deutschen Sprache wird deshalb jetzt heftig diskutiert, ob man auch solche Turzismen bekämpfen soll. Diskutant Jupp plädiert für Gelassenheit. Anders als Migrationslinguistikprofessor Dittmar glaubt er nämlich nicht, dass “die Jugendlichen diese Sprache verinnerlichen und auch als Erwachsene sprechen werden”, sondern sieht darin eher die x-te Variante eines Jugend-Slangs: “Spätestens, wenn die “angetürkten” Jugendlichen ins Berufsleben einsteigen, werden sie rasch schnallen, dass sie mit ihrem Türkischsprech nicht weit kommen. Schließlich können hernach nicht alle in Dönerbuden unterkommen.”… weiter lesen
Archive for Februar, 2007
Der (autokratische) Monarch des Wortreichs hat lobende Worte für ein Wort des (demokratischen) Bürger-Herolds gefunden. Letzterer hat sich nämlich Gedanken darüber gemacht, wie man all die Hobby- und Handy-Fotografen nennen soll, die den altgedienten Paparazzi das Leben und das Geldverdienen so schwer machen, weil eben immer, wenn irgendeinem Semi-Star etwas passiert, einer dieser Typen mit dem Handy draufhält und das Ergebnis für halbteuer Geld an Bild, RTL oder eine Fotoagentur verkauft. Die Lösung des Bürger-Herolds: Man nenne diese Leute Paparazzini.
So putzig das klingt: Ich melde Bedenken an. Gerade weil es so putzig klingt. Schon mir als nicht mal Semisemisemipromi wird bei dem Gedanken schwummrig, dass jeder, JEDER Passant sich als Bildergeier entpuppen könnte, bzw. entpuppen wird, wenn nur irgend etwas passiert.
Bisher standen solche Leute, wenn etwas passiert war, nur dumm rum, um die Rettungsarbeiten zu behindern. Gaffer eben. In Zukunft werden sie sich noch… weiter lesen
von Christian Dombrowski
Mit der kleinen Miriam geht es wie immer sehr philosophisch zu. Kaum zur Tür herein, fragt sie: „Wer hat eigentlich die Welt gemacht?!“ Und dann: „Aber wie können Muslims und Christen beide aus Affen kommen?“ Ich habe meinen Spaß mit ihr, erfinde kleine Geschichten für sie. Sie lacht sich scheckig: „Du bist ein Veräppelmann, du redest Funkeln!“ Sie hat sich in einen Jungen verliebt aus ihrer Spielgruppe und sagt weise zu Tamara: „Liebe ist schon schön – aber auch ein bisschen komisch.“ Dann kommt sie wieder auf Himmelsangelegenheiten: „Wenn ich an Jesus denke, dann kribbelt mein Herz so. Wenn ich im Himmel bin, lauf ich gleich zu Jesus hin, dann will ich kuscheln!“ Sie besinnt sich: „Aber ob Jesus auch mit mir kuscheln will?“ In dieser Hinsicht beruhigen wir sie völlig… Sie denkt wieder nach und sagt: „Aber kann man denn auch kuscheln, wenn man bloß… weiter lesen
Darf man wirklich sagen, dass durch das Glühbirnenverbot die Talibanisierung der Energiepolitik voranschreitet, wie es Dirk Maxeiner auf der Achse des Guten sagt? Natürlich darf ohnehin jeder sagen und schreiben, was er will (alles Nähere regelt ein Bundesgesetz), und in diesem Kontext sowieso, da sich Maxeiner auf einen Cartoon bezieht, und Cartoonisten dürfen ja noch viel mehr sagen und schreiben als Publizisten. Aber ist es wortistisch korrekt, für das ebenso pseudoökologische wie symbolpolitische Glühbirnenverbot die Taliban-Keule aus dem Arsenal zu holen?
Bei den Taliban handelte (und handelt) es sich um eine Gruppe von fundamentalistischen Sektierern, die sich im Besitz der allein selig machenden Wahrheit wähnen und alle Menschen, über die sie Macht ausüben, auf den Weg zu eben dieser Wahrheit zwingen. Und bist du nicht willig, so brauch ich Staatsgewalt, und wenn sie dabei auch reihenweise Menschenrechte und Kulturdenkmäler pulverisieren, so ist das so lange kein… weiter lesen
von Christian Dombrowski:
Nachts hat es nachgeschneit, ich muss wieder schippen, uff! – Ein klarer, schneeschöner Tag entwickelt sich, mit malerisch weißen Bäumen, aus denen es während des Vormittags tropft und taut und Flocken streut. Ein Schneefall aus zweiter Hand sozusagen, der aus den Zweigen stäubt und die Luft zwischen den Bäumen hell und unruhig macht.
schneeschön = voller Schnee und deshalb schön anzusehen
Eine wunderbare neue Diät, die Beda M. Stadler in der aktuellen Weltwoche vorschlägt (und gleich nochmal bei der Achse des Guten): “Wir sollten nichts essen, was unsere Grossmutter in ihrer Jugend nicht als Lebensmittel erkannt hätte: Bei einem Sack M&M’s, einem Überraschungs-Ei, einer Büchse Red Bull oder einem Plastikbecher mit der Aufschrift LC1 hätte sie sich wohl gefragt, ob das nun ein Spielzeug oder ein Mittel sei, um den Holzboden zu bohnern. Auf die Idee, den Inhalt in den Mund zu stecken, wäre sie kaum gekommen.”
Dass Stadler diese Diät anglisierend “Granny Food” nennt, wollte ich ihm erst verübeln. Aber dann musste ich zugeben: Recht hat er. Welche dumpfbräsige Frauenzeitschrift würde eine “Oma-Diät” propagieren? Welcher Haushalt nach ihr kochen? Allenfalls “Manufactum-Diät” würde die deutschen Slowfoodisten möglicherweise ansprechen, aber jede Zwiebel im Katalog einkaufen macht ja auch keinen Spaß.
Also sollten wir unseren Landsleuten erst einmal das… weiter lesen
Halbgemütliches Abendessen im Familienkreis. Lucie (8) ist müde, findet ihr Hausaufgabenheft nicht mehr und will ihre Spaghetti nicht aufessen. Darauf die Weisung des weisen Vaters: “Nur wenn du deinen Teller leer isst, helfe ich dir nachher das Hausaufgabenheft zu suchen.” Lucie stiert weiter teilnahmslos vor sich hin. Darauf Leonie (11): “Los Lucie, aufessen – sonst hilft dir Papa nicht beim Suchen!”
Natürlich benehmen sich die älteren Geschwister nur selten so direkt als Echo-Eltern. Allerdings würden sich die meisten Eltern sehr deutlich wiedererkennen, wenn sie ihren Kindern bei Rollenspielen über die Schulter schauen könnten. Auch wenn die älteren als Babysitter für die jüngeren Geschwister antreten, würden die Eltern ein deutliches Echo vernehmen können, wenn sie zuhause wären, was sie aber per definitionem nicht sind, weil sie sonst ja keinen Babysitter bräuchten. Aber irgendwann haben die meisten doch dieses einschneidende Erlebnis, ihr eigenes Verhalten von den Kindern gespiegelt zu bekommen.
Ach… weiter lesen
Was Zwillinge sind, glauben wir zu wissen: Zwei Menschen eben, die am gleichen Tag von der gleichen Mutter geboren wurden. Aber in den meisten Fällen müssen wir noch ein Adjektiv dazugeben, um so richtig klar zu machen, um welche Sorte Zwillinge es sich handelt – schließlich ist es ein gewaltiger Unterschied, ob diese zwei Menschen eineiige oder zweieiige Zwillinge sind.
In anderen Sprachen gibt es für diese zwei verschiedenen Sorten Zwillinge auch zwei unterschiedliche Wörter. Der Spanier redet von “gemelos”, wenn er eineiige Zwillinge meint (oder alles, was so gleich aussieht wie Zwillinge), und von “mellizos”, wenn es um zweieiige Zwillinge geht.
Wenn wir uns auch ein Neuwort für Zwillinge gönnen wollen, sollten wir eines für die zweieiigen Zwillinge suchen, da die Assoziation von “Zwilling” mit “ununterscheidbar ähnlich” extrem stark ist, so dass dieses Wort für die Eineiigen bestehen bleiben sollte. Mein Vorschlag für die anderen: Zweiling, also die Kombination… weiter lesen
Wissenmanagement ist gemeingefährlicher Blödsinn: Mein Kopf gehört mir, und wer immer das darin befindliche Wissen managen will, wird von mir als Usurpator und Straßenräuber standrechtlich beschimpft. Aber mit Informationen sieht das schon anders aus. Die kann man managen, verwalten, organisieren, kaufen, verkaufen, vernetzen und versenden und und und. Und nicht mal ich habe was dagegen.
Und damit keiner mehr auf die Idee kommt, den Umgang mit dem immateriellen Gut Information mit dem Umgang mit der menschlichen Eigenschaft Wissen zu verwechseln, führen wir dafür am besten ein neues Wort ein. Es heißt Infonomie, meint den ökonomischen (also haushälterischen) Umgang mit Information, und wird von der demnächst entstehenden Expertenspezies der Infonomen betrieben – die sicherlich innerhalb weniger Jahre auch die Ab- bzw. Unart des Chefinfonomen hervorbringen wird.
Eine (leider nur auf spanisch verfügbare) Einführung in diesen Begriff gibt es bei weiter lesen
Komisch eigentlich, dass noch niemand dem Promi (nenten) den Primi (tiven) zur Seite gestellt hat. Obwohl es doch schon seit mindestens 15 Jahren Brüll-Talkshows gibt, die den Abschaum der deutschen Gesellschaft mit und ohne Migrationshintergrund vor und hinter der Kamera versammeln. Man redet von Asis oder Prolls, von Trash oder Tittitainment, aber von Primis hörte ich das erste Mal heute morgen von Gerda aus Köln, die sich vor dem Karneval zu uns nach Marbella geflüchtet hat.
Ich war sofort begeistert. Man kann von Primi-Shows oder gleich Primi-TV reden, man kann den Primi-Faktor einsetzen und sogar genau wie bei den Promis zwischen A-Primis, B-Primis, C-Primis und D-Primis unterscheiden. Wobei die Kategorie der A-Primis natürlich den D-Promis wie Kader Loth oder Pinkelprinz Frederic von Anhalt vorbehalten bleibt.
Und die Siegerin von “You can dance” ist dann natürlich die Primi-Ballerina…