Engleutsch

In der Wortwarte auf dieses interessante Wörtchen gestoßen, das dort offensichtlich als Synonym für Denglisch verwendet wird. Dabei ist das doch furchtbar unökonomisch: Da gönnen wir uns gleich zwei Wörter für die Verwendung englischer Ausdrücke in der deutschen Sprache, und haben kein einziges für die Verwendung deutscher Ausdrücke in der englischen Sprache. Wäre dafür Engleutsch nicht besser eingesetzt?

Im Forum des Vereins Deutsche Sprache wurde dieses Problem kürzlich ebenfalls diskutiert. Anlass waren die Werbefilmchen von VW für den US-Markt, in denen Sprüche wie „Rock ze Autobahn“ oder „I am schwitzing“  verwendet werden. Dort wurde Engleutsch ebenfalls als Begriff für dieses Phänomen vorgeschlagen, aber dann verworfen, weil es ja schon anderweitig besetzt sei. Als Alternative wurde Germlish ins Gespräch gebracht – das Wort sollte ja für die Amis sein.

Das ist, mit Verlaub, ein saublödes Argument. Wie der Yankee es nennt, wenn seine Sprache aufgedeutscht wird, ist völlig nebensächlich: WIR brauchen ein Wort dafür. Denn tatsächlich ist dieses Ereignis immer häufiger zu beobachten – im Easyjet-Magazin entdeckte ich beispielsweise die wunderschöne Formulierung „being strafed by German machine gun fire“ sowie in einem Artikel über die bayerische Starkbiersaison gleich ein ganzes Dutzend deutscher Wörter: Stammwürze, Schluck, Doppelbock, Bock, Keller, derblecken, Weißwurst, Sauerkraut, Spätzle, Hauptbahnhof, Mass, Eisbock.

Und jetzt mal ehrlich: Wollen WIR das Germlish nennen? Sicher nicht. Braucht Denglisch ein Synonym? Genausowenig. Also sei hiermit beschlossen, dass auf deutsch die Verwendung deutscher Begriffe in der englischen Sprache Engleutsch heißt.

Kommentare (6)

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  1. Die Überdeutschung des englischen, die praktisch nicht erfolgt, könnte, wenn überhaupt, Denglisch genannt werden, weil das Adjektiv vor dem Nomen steht: deutsches Englisch, also Verdeutschung im Englischen.
    Verenglischung des Deutschen dagegen müsste nach dieser sinnträchtigen Regel Engleutsch heißen, da eben die deutsche Sprache verenglischt wird.
    „Highlight“ z.B. ist gewiss nicht deutsches Englisch, sondern englisches Deutsch (und somit Engleutsch), wenn man es als „deutsch“ akzeptieren wollte.
    Eigentlich ist es eher nichtssagend 😉

    Ich glaube, „Denglisch“ wurde als nett klingender Begriff eingeführt – von denjenigen, die es betreiben: Dem Schau-, Medien- und Werbungsgeschäft, um Akzeptanz zu erzielen, eben im Rahmen der Verkaufspsychiologie. „Engleutsch“ dagegen, von den Kritikern der Verengleutschung unserer Sprache so genannt, hört sich wesentlich unfreundlicher an. So etwas wird manipulativ eingesetzt. Wer mal „1984“ gelesen hat oder „Die Kriegssprachen von Pao“ weiß Bescheid.

    „Denglisch“ reizt eben zum unbedachten Lächeln – wie niedlich …
    Engleutsch ist einfach nur abstoßend und daher auf den Prozess des Verlernens unserer eigenen Sprache zutreffender.

  2. Warum nicht Eng -deutsch? In Denglisch ist ja auch ein komplettes Englisch. Eng-Leutsch?. Da trennt sich die Hefe vom Weizen. Die Wurst weiß gar nichts mehr und das Kraut ist eh sauer. Ich weiß nicht, woran es liegt; aber wenn ich eines dieser engleutschen Wörter aus einem amerikanischen Munde höre, so kommt mir das eher als eine Parodie denn als eine Adaption vor. I think it`s comedy isn`t it?

  3. Ja ja, I speak Engman auch!

  4. @Matze:
    Wenn Voraussetzung für einen Trend wäre, dass es sich um ein neues Phänomen handelt, gäbe es praktisch keine Trends. Beim Trend wird in der Regel ein bereits bekanntes Ereignis/Verhalten/Produkt häufiger als bislang üblich verwendet – oder Journalisten behaupten einfach, dass es so sei und versuchen dadurch, den Trend überhaupt erst zu schaffen. In diesem Fall handelt es sich eindeutig um letzteres: Ich habe das Gefühl, dass Deutschland und Deutsch bei den Angelsachsen „in“ sind (warum sonst kaufen sich Brangelina ein Dachgeschoss in Berlin?) und behaupte frech, dass sich das auch in der Sprache niederschlägt.
    Das Wort Engleutsch wird natürlich völlig unabhängig davon benötigt, ob hier gerade ein Trend durchs Dorf läuft oder nicht. Blitzkrieg, Heimat und Mittelstand waren schon immer Engleutsch.

  5. Ökonomisch und elegant gedacht! Noch besser fänd ich’s, wenn man die Bezeichungen umgekehrt werwenden würde, denn „Denglisch” klang für mich schon immer nach einer Varietät des Englischen während „Engleutsch“ nach einer Spielart der deutschen Sprache klingt.

    Aber was ich viel wichtiger finde: wie bezeichnen wir die weitverbreitete und selten kritiserte Verwendung lateinischer Lehnwörter im Deutchen? Deutein? Oder Latsch?

  6. Naja, das Phänomen ist ja nicht neu. Es gibt halt sehr viele Deutsche Wörter in der Englischen Sprache und noch viel mehr, die im Englischen mitbenutzt werden. Dazu zählen bspw. auch Gemütlichkeit und Blitzkrieg.

    Das wort Engleutsch find ich persönlich aber auch sehr passen.