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vonDetlef Guertler 09.02.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Ein wunderhübsches Wort, bei der Riesenmaschine gefunden. Es gewinnt eben nicht immer nur der stärkste, größte, fieseste, sondern manchmal auch der netteste. Verwendet wurde dort der Begriff Nettbewerb für eine Erklärung, warum es Altruismus im Tierreich gibt. Wie kann es sein, dass Verhaltensweisen, die nicht einem selbst, sondern nur anderen einen Nutzen bringen, nicht längst von der Evolution ausgemendelt wurden? Weil der Altruist durch sein freigiebiges Verschenken von Ressourcen seine Findigkeit und Nützlichkeit demonstriere, und dadurch um Kooperationspartner werbe, sagt die Royal Society. Dafür ist das Wort „Nettbewerb“ denn auch wirklich angebracht.

Allerdings wurde bei der Riesenmaschine als optischer und textlicher Beleg dafür der gänzlich unpassende Pfau angeführt. Der verhält sich nämlich nun wirklich nicht altruistisch, wenn er sich ein so großes, unpraktisches und damit in freier Wildbahn gefährliches Rad zulegt, sondern geht damit auf Damenfang. Außerdem ist der Pfau in keiner Weise nett, sondern biestig und dumm wie Brot.

Aber auch jenseits verhaltens- und evolutionsbiologischer Fachkreise, also im normalen Leben, ist der Nettbewerb vielfältig einsetzbar.  Zum Beispiel  als einfühlsam-softe Alternative zum so harten „Pitch“ oder als Kundengewinnungs- und -bindungsstrategie in Dienstleistungsbranchen.  Manager stehen im Wettbewerb –  und Dienstleister eben im Nettbewerb.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2007/02/09/nettbewerb/

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kommentare

  • Nettbewerb…

    oder warum es sich lohnen kann, mit Handycaps zu prahlen, erklärt uns Kai Schreiber von der Riesenmaschine. (via Wortistik)

    ……

  • Danke für die Erweiterung meines Wortschatzes. Das Wort gefällt mir, Nettbewerb. Etwas freundliche Menschlichkeit tut der Globalisierung auch not. In manchen Bereichen hat man ja schon längst die Disposition des Menschen zur Unfreundlichkeit erkannt und setzt ganz auf die Kraft der Maschinen. Im Call-Center oder in der Bank trifft man doch kaum noch auf Menschen. Wie schön, wenn sich der Nettbewerb als Programmschlaufe fassen läßt. Da bekommt der Beruf des digitalen Kreditberaters doch endlich den entscheidenden Vorteil – macht keinen Urlaub und bleibt freundlich im Nettbewerb.

    Ist das Wort eigentlich geschützt? Oder kann ich es im Rahmen der GPL auch für meine Texte verwenden?

    In diesem Sinne

    kopflast, um diese Zeit schlaftrunken…

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