Todeszylinder

von Detlef Guertler

Ein bemerkenswertes Beispiel für wortistische und grammatische Kreativität hat “Mehr Kaffee bitte” bei spiegel.de entdeckt. Nämlich die Überschrift “USA beschuldigen Iran als Lieferant für Todeszylinder”. Nun kenne ich mich in grammatischen Fragen weniger gut aus als der bei spiegel.de hauptberuflich dilettierende Bastian Sick, aber “beschuldigen als” klingt mir ziemlich undeutsch (und selbst wenn es deutsch wäre, müsste es dann nicht “als Lieferanten” heißen?).

Wortistisch hingegen ist der “Todeszylinder” ein echte Neuerung. Allerdings, wie die meisten Mutationen in der Biologie, keine besonders lebensfähige. Da steht ein kompaktes Metalldingsbums am irakischen Straßenrand, und wenn ein US-Fahrzeug vorbeikommt, wird es per Fernsteuerung zur Explosion gebracht. Dieses Dingsbums hat wohl tatsächlich einen eigenen Namen verdient, aber doch nicht Todeszylinder! Funkmine vielleicht, oder Fernbombe, aber den putzigen Zylinder mit dem allgemeinen Tod zu verknüpfen, und dabei keines der beiden Hauptcharakteristika dieser Waffe zu erwähnen, nämlich die explosive Wirkung und die ferngesteuerte Ursache, ist wortschöpferisch voll daneben.


3 Kommentare zu "Todeszylinder"

  1. Sie gehen davon aus, dass der Autor sagen wollte
    USA beschuldigen (Iran) (als Lieferant für Todeszylinder), also „…beschuldigen den Iran, Lieferant der Todeszylinder zu sein”. Das wäre wirklich eine sehr ungewöhnliche grammatische Struktur für das Verb beschuldigen, und der Kasus wäre auch falsch.

    Möglicherweise meinte der Autor aber USA beschuldigen (Iran als Lieferant für Todeszylinder), also „… beschuldigen den Iran in dessen Funktion als Lieferant für Todeszylinder, irgendetwas nicht näher genanntes getan zu haben”. Das würde die Präposition und den Kasus erklären, die grammatische Struktur des Satzes wäre fehlerfrei.

    Der Autor kennt nämlich den richtigen Kasus für als. Im Artikel sagt er: „Ein Geheimbericht … benenne explizit die iranischen Revolutionsgarden als Lieferanten für die Sprengfallen.”

  2. Ein guter Einwand. So könnte tatsächlich der Gedankengang des betreffenden SPON-Redakteurs gewesen sein. Zu dumm nur, dass Überschriften so selten Platz haben, um einen Nebensatz unterzubringen. Und nur mit diesem Nebensatz klappt es mit der grammatikalischen Konstruktion.

  3. Mit der Bezeichnun “Minen” muss man aufpassen. Die sind nämlich verboten. Also nennt man die Mine dann “versteckte Ladung”, wenn man sie selber anbringt. Die sind ja dann nicht verboten. Minen bringt immer nur der Feind an. Weil das ist ja dann verboten. Ist schon eine klasse Sache, mit den Benamselungen im Krieg — äh, Verteidigungsfall.

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