entvatern

Das ist doch nett von der Bundesjustizminsterin, dass sie demnächst einen Gesetzentwurf vorstellen möchte, „der ein vereinfachtes Verfahren zur Festlegung der biologischen Vaterschaft anbietet.“  Rein wortistisch sind wir sehr gespannt, ob in diesem Gesetzentwurf auch ein vereinfachter Begriff für die Nichtvaterschaft enthalten sein wird. Denn bislang ist nicht mehr als dieses bürokratische Wortmonster im Angebot.

Vermutlich wird es jedoch, wie bei Gesetzentwürfen üblich, eher zu einer weiteren Verkomplexierung der Wortwahl kommen. Denn der Gesetzgeber möchte bzw. muss dann eine Unterscheidung treffen zwischen der biologischen und der juristischen Vaterschaft – und natürlich auch der biologischen und juristischen Nichtvaterschaft. Dann viel Vergnügen bei der Wortschöpfung.

An dieser Stelle möchten wir dieses so hoch emotionale Thema zwar nicht entsubstantiieren, aber doch zumindest entsubstantivieren. Denn während in Gesetzentwürfen üblicherweise die Substantivierung zur Durchführung der Bürokratisierung und der Entmenschlichung der Verallgemeinerung von Sachverhaltungen (oder so ähnlich) verwendet wird, sind wir hier große Freunde der Ververbung der deutschen Sprache. Und das Verb für die Beschreibung des Sachverhalts der Feststellung der Nichtvaterschaft heißt natürlich entvatern.

Und zwar sowohl aktiv: Ich entvatere mich (auf gesetzesdeutsch: Ich führe einen Vaterschaftstest durch und stelle dabei die biologische Nichtvaterschaft fest) als auch passiv: Ich werde entvatert (Mutter, Kind oder Nebenbuhler führen eben jenen Vaterschaftstest durch oder enthüllen in einer Brüll-Talkshow, wer wirklich der biologische Vater ist).

Die sich anbietende Parallelform „entmuttern“ ist dagegen zwar wortistisch einfach, biologisch aber schwierig. Sie sollte weiterhin Schrauben vorbehalten bleiben.

Kommentare (5)

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  1. Das Kind wird ja eher nicht entvatert, sondern umgevatert…

  2. Wer wird nun entvatert – der Vater oder das Kind? Und wem wird was vererbt, um es mal ververbt auszudrücken?

  3. .. aber, Vorsicht und Empathie (oder altdeutsch: Gnade!) – bitte: Abgetriebene Kinderchen müssen nicht erst entvatert oder entmuttert werden, sondern verdrängt.

    Das bleibt Beziehungsmüll.
    :roll:‘

    (Die Roste, Schmaottsteine und die Abgasschächte in den Tierkörperbeseitigungsanstalten wissen nichts davon. Alles entfettert.)

  4. Entkindern. Klingt logisch. Wie abkindern. Das gab es ja schonmal. Ich wurde auch zum abkindern benutzt. Wie meine Schwester.

  5. Leider ist diese Form nicht ganz eindeutig: Es könnte sich doch auch das Kind entvatern, indem es einen Test in Auftrag gibt. Das Kind nimmt sich selbst den ‚Vater‘, es entvatert sich. Warum also gerade entvatern und nicht entkinden? Da muss noch für Klarheit gesorgt werden 😉