Infonomie

Wissenmanagement ist gemeingefährlicher Blödsinn: Mein Kopf gehört mir, und wer immer das darin befindliche Wissen managen will, wird von mir als Usurpator und Straßenräuber standrechtlich beschimpft. Aber mit Informationen sieht das schon anders aus. Die kann man managen, verwalten, organisieren, kaufen, verkaufen, vernetzen und versenden und und und. Und nicht mal ich habe was dagegen.
Und damit keiner mehr auf die Idee kommt, den Umgang mit dem immateriellen Gut Information mit dem Umgang mit der menschlichen Eigenschaft Wissen zu verwechseln, führen wir dafür am besten ein neues Wort ein. Es heißt Infonomie, meint den ökonomischen (also haushälterischen) Umgang mit Information, und wird von der demnächst entstehenden Expertenspezies der Infonomen betrieben – die sicherlich innerhalb weniger Jahre auch die Ab- bzw. Unart des Chefinfonomen hervorbringen wird.
Eine (leider nur auf spanisch verfügbare) Einführung in diesen Begriff gibt es bei Infonomía, ein von dem spanischen Physiker Alfons Cornella gegründetes Unternehmen, das sich genau dieser Dienstleistung verschrieben hat.

Kommentare (-37)

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  1. Gibt es in der Infonomie auch ein Schublade für
    Drostonomisches, Schubfach: Wiglafsches?

  2. Wissen als Eigenschaft? Nun ja, es gibt keine klare Definition, aber Wissen muss nicht zwangsläufig eine Eigenschaft einer Person sein.

    Wenn man bspw. regelbasierte Systeme betrachtet, kann man aus einzelnen Informationen und deren Regeln „Wissen“ generieren. Ein einfaches Beispiel:
    Information:
    – Alice ist die Schwester von Bob
    – Charlie ist der Sohn von Bob
    Regel:
    – Eine Schwester eines Vaters ist die Tante des Vater-Kindes
    – Schluß des Systemes:
    Alice ist die Tante von Charlie

    Das Wissen das die Mitarbeiter im Kopf ist nett und wichtig, aber nicht alles. Mit wissensbasierten Systemen lassen sich Probleme der Informatik angehen, die rein imperativ-algorithmische Programme nie lösen können.

    An unserer Uni gibt es ein Projekt um in einem Video Objekte zu identifizieren und zu verfolgen — sowas wäre mit herkömmlichen Methoden nicht implementierbar. Daß das System zweifelsohne zur Überwachung gedacht ist, steht auf einem anderen Blatt, das nicht von der Ingenieurwissenschaft beschrieben wird.

    Außerdem sind diese Arten von System die Grundlagen der künstlischen Intelligenz – und heutzutage in gewissem Maße schon in jedem besseren Bremsassistenten oder einer Waschmaschine (Fuzzy-Logic) enthalten.

    Das dieses Wissen gemanagt werden muss, liegt auf der Hand. Die reine Informatik kümmert sich zwar um die technischen Grundlagen der Informationsverarbeitung — Suchen und Sortieren als großes Hauptziel, Datenbanken etc.pp. als „Unterziele“ – nicht aber um das Management von Wissen. Und das wird in Zukunft immer wichtiger. Insbesondere die extreme Spezialisierung von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren zwingt sie zu einem Tunnelblick, der nur durchbrochen werden kann, wenn Systeme zu Verfügung stehen um Wissen zu suchen und zu finden. Wikipedia ist da ja ein netter Anfang, aber definitiv nicht der Weisheit letzter Schluß.

    Inwiefern eine Infonomie notwendig ist, entzieht sich bisher meiner Kenntniss, ich denke aber das sich dies als Teilgebiet der Wirtschaftsinformatik etablieren könnten. Managementverfahren sind traditionelles Fachgebiet der Wirtschaftswissenschaft, Informationsverarbeitung Ziel der Informatik und der verwandten Elektrotechnik-Gebiete. Von daher ist es eine Bindestrichwissenschaft, die sicherlich noch etwas Philosophie vertragen kann.

    Zum Abschluß noch ein Zitat von Werner Heisenberg (dem Unscharfen)

    Nur wenige wissen,
    wie viel man wissen muss,
    um zu wissen,
    wie wenig man weiß.