vonDetlef Guertler 28.02.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

Mehr über diesen Blog

Es braucht offensichtlich einen Experten für Migrationslinguistik, um herauszufinden, dass die deutsche Sprache immer türkischer wird. Der als solchartiger Experte bezeichnete Berliner Professor Norbert Dittmar hat das jetzt zwar nicht untersucht, aber doch behauptet: „Deutsche Jugendliche übernehmen vermehrt die Aussprache und Satzbildung ausländischer Jugendlicher und benutzen auch häufig Worte aus dem Türkischen oder Arabischen“, so wie das türkische „Lan“ oder das arabische „Yalla“.
Beim allen Denglizismen abholden Verein der Deutschen Sprache wird deshalb jetzt heftig diskutiert, ob man auch solche Turzismen bekämpfen soll. Diskutant Jupp plädiert für Gelassenheit. Anders als Migrationslinguistikprofessor Dittmar glaubt er nämlich nicht, dass „die Jugendlichen diese Sprache verinnerlichen und auch als Erwachsene sprechen werden“, sondern sieht darin eher die x-te Variante eines Jugend-Slangs:  „Spätestens, wenn die „angetürkten“ Jugendlichen ins Berufsleben einsteigen, werden sie rasch schnallen, dass sie mit ihrem Türkischsprech nicht weit kommen. Schließlich können hernach nicht alle in Dönerbuden unterkommen.“

Ich bin nicht nur geneigt, Jupps Argument für plausibel zu halten, ich finde auch sein Verb „antürken“ äußerst charmant. Es handelt sich beim Erkan-und-Stefan-Sprech schließlich um keinen türkischen Akzent und auch nicht wirklich um eine Türkisierung der deutschen Sprache, sondern allenfalls um eine Prise Türkisch in einem altersgemäß ohnehin grottenschlechten Deutsch.

Und, mal ehrlich: Wenn sich neben Kaffee und Kebab noch ein paar mehr Worte aus dem Türkischen ins Deutsche einbürgern sollten, tut uns das doch eher gut als weh.

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

http://blogs.taz.de/wortistik/2007/02/28/antuerken/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • […] zu verfolgenden Gerichtsverfahren um die Frage, ob eine Moderatorin von TV-Gewinnspielen “Animöse” genannt werden dürfe, ließ sich Dittmar als Gutachter des Beklagten unter anderem zufolgendem Statement hinreißen: “Das Wort [Animeuse] ist eine spontane Entlehnung aus dem Französischen ins Deutsche. Dabei wird der Verbstamm {anim-} des französischen Verbs animer („beleben”) mit dem das Femininum markierenden Suffix {-euse} zur Substantivderivation {Animeuse} („Beleberin”) amalgamiert.” […]

  • […] Die deutsche Sprache ist angezählt angetürkt. Nicht nur mehr Anglizismen soll der Kampf angesagt werden, sondern auch Turzismen. Deutsche Jugendliche sprechen sich mit dem türkischen Lan (Ey, Mann!) und dem arabischen Yalla (Los geht`s!) an, ganz zu schweigen von dem immer endungsloser werdenden Deutschlan. Migrationslinguistik, interessant! Gefunden bei >>>Detlef Guertlers Wortistik von der taz. […]

  • „Eschek! – Du!“

    – Eschek passt lautlich, dauerhaft kurz, frech-frei auch gut – auf Türken, Deutsche – auf Alle- Mann! (Egal aus welchen Migrationsbewegungen: ob aus Ostpolen, Westlitauen oder Hie-Niederschlesien!

    Die anschmiegsamen und stur unverwüstlichen Westfalen (westlich der Ostfalen-Fall-Gruben am Teuto…) unter den Ruhris haben sich bei den „Escheks“ und „irgendwatt anners gebildeten „Eseln“ schon angecheckt.

    Lexika-aha-lisch:

    … so angetürkt lässt sich das töfte an- oder nachlesen:
    http://www.ruhrgebietssprache.de/lexikon/eschek.html

    *

    Oder, hier schon auf Uni-Kohlen- und Kaffee-Klau-Niwau:

    http://www.uni-protokolle.de/foren/viewtopic.php?t=98191&start=30

  • […] [Nachtrag: Ich sehe gerade, dass der Wortistiker ebenfalls zur sprachlichen Gelassenheit rät: „Wenn sich neben Kaffee und Kebab noch ein paar mehr Worte aus dem Türkischen ins Deutsche einbürgern sollten, tut uns das doch eher gut als weh“. Eben.] […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.