Netzpest

Ich gebe zu, ich war zu hart. Zu hart zu den Kollegen von der Aktion Lebendiges Deutsch und ihrem Versuch, eine Eindeutschung für Spam zu finden. Der eigentliche Zweck dieser Suche ist zwar erwartbar misslungen: E-Müll ist uncharmant und klanglich sperrig, chancenlos gegen das schlängelnd-zischende Spam. Insoweit kann ich mich also mit meiner letztmonatigen Einschätzung bestätigt fühlen: „Es gibt keinen Grund, hier irgendeinen Änderungsbedarf zu sehen.“

Aber: Bei den von den Aktionisten genannten weiteren Vorschlägen war einer, der mir ganz ausnehmend gut gefallen hat: Netzpest. Das passt zwar nicht wirklich zum Spam (der ist ja nicht ansteckend), würde sich aber ganz hervorragend eignen, um alles und jeden abzuqualifizieren, der/die/das sich im Internet breit macht und das besser bleiben lassen sollte. Stefan Niggemeier könnte Frank Huber als Netzpest bezeichnen, und Peter Turi macht das gleiche mit Don Alphonso (und natürlich umgekehrt).

Und bitte nicht gleich darüber aufregen, wenn missliebige Menschen mit ansteckenden Krankheiten gleichgesetzt werden. Da die Pest in unseren Breiten schon seit langem nicht mehr wütet, hat sich ihr wortistischer Gebrauch von der realen Krankheit weit entfernt. Wie mir schon mein verehrter Journalismus-Lehrer Wolf Schneider (der von der Aktion Lebendiges Deutsch) vor 18 Jahren einbläute: „Ausreden sind die Pest!“ Da wird doch wohl noch die eine oder andere Netzpest-Beschimpfung erlaubt sein…

1 Kommentar

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  1. Digimist ist aber auch ganz niedlich.

    Werter Netzaktivist, bin ich eigentlich mit schlechten Augen gesegnet oder kann es sein, daß sich die Aktion hauptsächlich gegen Worte aus der englischen Sprache wendet. Wir hier in Köln leiden ja ganz besonders unter den Einflüssen aus Französistan.
    Auch Brocken aus dem Niederländischen, das hier gerne Holländisch genannt wird, fallen einem schon einmal vor die Ohren.
    Bei den aktuellen Bildungsaussichten, sollten wir vielleicht auch froh sein, wenn die Masse überhaupt noch Worte kennt und nicht schon vollständig auf SMS-Kürzel umgestiegen ist.
    Die Sprache ist so lebendig, wie das Volk das sie spricht. Und wenn mir mein Döner schmeckt, kann ich doch auch mal radebrech auf Türkisch Danke sagen. Also in Köln geht das. Hier gibt es aber auch eine Akademie für uns kölsche Sproch. So als offenes Bildungsangebot.

    Herr Guertler, das haben Sie wieder fein aus dem netz gefischt. Ihre Kolumne werde ich noch lange nicht zur Quälmail schmeißen.
    Kennen Sie eigentlich Frau Sibylle Berg? Die schickt nämlich regelmäßig wunderbare Mails an jeden der sie bekommen möchte. Also es gibt sie noch, die E-Post, auf die man sich freuen kann.

    Mit den allerbesten Empfehlungen

    kopflast ( Herzkabalist )