Powerdeutsch
von Detlef GuertlerDie für ein Wirtschaftsblatt erstaunlich viel Humor praktizierende Financial Times Deutschland gönnt sich seit einigen Tagen in ihrer Satire-Rubrik “Das letzte” die Serie Powerdeutsch. Es handelt sich dabei um mal mehr, mal weniger treffende Bemerkungen über den Umgang von Managern mit Menschen und Worten, wobei es dem Wortisten hier gar nicht so sehr um eine Rezension dieser Serie geht, sondern eher um die noch verborgenen Potenziale dieses Wortes: Powerdeutsch!
Wäre das nicht eine wunderbare Alternative zum Allerweltsenglisch? Die Deutschen sind ja weltberühmt für ihren traditionellen Willen zur Macht, und keine Sprache der Welt eignet sich besser für die Hundedressur als das zackig-preußische Deutsch. Wird in Zukunft jeder globalisierte Manager, der etwas auf sich hält, ein paar deutsche Begriffe in seine Redebeiträge einflechten müssen, um hip zu sein – mal “zack-zack”, mal “Problemlösungskompetenz”, je nach Anlass?
Wäre ich das Goethe-Institut, würde ich ja sofort einen Wettbewerb für Powerdeutsch-Beobachtungen starten. Als Wortist kann ich nur höflich darum bitten, mir weitere geeignete Wort-Kandidaten für die Verwendung als Powerdeutsch zu nennen. Und wenn wir fünf richtige zusammen haben, dürfen wir damit Bullshit-Bingo spielen…
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Ja, kraftvoll, ohne Erlahmung – immer den Powerpoint erwischen: mit Benedikt-Deutsch.
Da muss man gut „positioniert“ sein, z.B. von Roma aus:
http://www.zenit.org
streiche: Powerdeutsch
setze: Kraftgermanisch
damit könnten auch Rammstein prima Musik machen.
Worin liegt denn die Power von “Powerdeutsch” oder worin soll sie liegen? Ich fürchte, ich habe noch nicht ganz verstanden, was “Powerdeutsch” überhaupt ist?
@Christian Dombrowski:
Ich stelle mir das in etwa so vor: Irgendwo in Chicago, Chabarowsk oder Cochabamba sitzt ein kleiner Manager, der gerne ein großer Manager wäre, und überlegt sich, wie er das anstellt. Da fällt ihm ein kleines Büchlein vom Himmel (oder aus dem Regal): “Powerdeutsch – Karriere machen wie der Exportweltmeister”, selbstverständlich in seine eigene Sprache übersetzt. In diesem Büchlein findet er eine ganze Reihe von original deutschen Wörtern, Sprichworten, Fach- und Kraftausdrücken, mit deren Verwendung er demonstrieren kann, dass er zu den Gewinnern der Globalisierung gehört, denen, die sich am “Vorbild Deutschland” orientieren.
http://www.amazon.de/Vorbild-Deutschland-Detlef-G%C3%BCrtler/dp/3821839961/ref=sr_1_7/303-0817833-4267456?ie=UTF8&s=books&qid=1174139348&sr=8-7
Zu meinen persönlichen Favoriten hierbei gehören “Sitzen Machen” aus Billy Wilders “Eins Zwei Drei”, Robert Gernhardts “Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche” und natürlich “Schaffe, schaffe, Häusle baue”.
Wir alten deutschen Jammerlappen können uns natürlich nicht vorstellen, dass irgendjemand draußen in der Welt auf die Idee kommen könnte, sich mit der Anlehnung an Deutsches einen Siegerstatus zu verleihen. Die da draußen in der Welt können sich hingegen nicht vorstellen, dass wir uns das nicht vorstellen können.
Es ist wirklich niedlich, heute die Anmerkungen der Leser zum gelinkten Buch von 2003 zu lesen. Sabine Christiansen (das sprechende Skalpell (Frotz Eckenga))und HO Henkel ist es scheinbar nicht gelungen, Deutschland kaputt zu reden. Oder war es genau umgekehrt? Haben die nur eine besondere (deutsche) Art des Gesundbetens angewendet? HOH wird die zweite Version besser gefallen.
@Detlef Gürtler: Vielen Dank für die Aufklärung und den Lesetipp. Klingt vielversprechend!
Powerdeutsch – da muss ich doch glatt daran denken: »Deutsch ist easy!«
Das behauptet zumindest der Hueber-Verlag (978-3-19-001869-7)
Was die Jammerlappigkeit betrifft, so stehen wir nicht alleine da. Ist zumindest meine Erfahrung: Lässt man einen Menschen aus Warschau oder Sarajevo etwas reden, so fängt er auch damit an. Zu diesem Zeitpunkt sind wir aber schon mit der Lösung beschäftigt, es sei denn, der Jammerlappen (oder sollte ich sagen: »Laberlappen«?) hat seinen Zweitwohnsitz bei Sabine Christiansen. Dafür eignen sich wiederum Themen, bei denen es überhaupt kein Problem gibt (Klimaschutz, Tierschutz, Globalisierung, …). Aber lassen wir das, es soll nicht unser Problem sein, denn:
Die Bennennung eines Problems ist schon die halbe Lösung. Also stelle ich die Frage, wie bringe ich das den Leuten bei? Falls sie das überhaupt wollen: Leben wie die Japaner – arbeiten wie die Polen – hmmm, das würde den Menschen in Warschau ganz gut gefallen und dann doch wieder nicht. Plan B: Ich übersetze es halt auf Polnisch. Äh, was heißt nochmal…
Kurz vor Silvester habe ich einem Dänen versucht zu erklären, wie denn protagonistisches Streiten funktioniert und warum der Konsens und alles Friede-Freude-Eierkuchen-mäßige nicht funktionieren kann. “»protagonistisch« – verstehe ich nicht.” Etwas verzweifelt frage ich daher, wie man da etwas verbessern kann.
Gruß aus dem Allgäu, W. Wilhelm
PS: Am Ende sagte mir der Däne, dass er über so etwas nicht nachgedacht hat. Andererseits denken wir manchmal auch einfach zu viel. Ich, für meinen Teil, habe diesen Konflikt so gelöst: Bei guten Büchern oder Kolumnen denke ich deutsch, bei Empörungsmedien eher polnisch, also gar nicht.
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Späte Ernte:
“Psychopädagogie”, wird in Rom Priestern angetan, die sich in die Seele von Knaben verirren möchten:
“Der Geistliche [Monsignore Tommaso Stenico] hatte nach seinen Studien der Theologie auch ein Diplom in Psychopädagogie abgeschlossen und (…)”
Das ist auch globale Wirtschafts-Sprache; der “Männe” wurde in einer Kneipe erwischt…:
http://www.taz.de/index.php?id=891&art=6106&&tx_skpagecomments_pi1showComments=1&&tx_skpagecomments_pi1showForm=1&cHash=b7c8e579a0
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