Finanzkamikaze

von Detlef Guertler

Ein hübsches Wort, das der Kölner Stadtanzeiger in seine Überschrift zum Bericht über Takafumi Horie gesetzt hat. Leider nur klanglich hübsch, denn dem Gründer und Aufpuster des Internet-Unternehmchens Livedoor fehlt ein zentrales Element, das den Kamikaze schon immer ausgezeichnet hat: der Selbstmord. Wie alle hiesigen Feld-, Wald- und Aktionärsbetrüger hierzulande hat Horie zwar gemeinsam mit dem Vermögen vieler Aktionäre auch sein Unternehmen vernichtet, aber für ihn persönlich kann von Vernichtung keine Rede sein – kaum einer dieser charismatischen Börsenstars ist so dumm, nicht rechtzeitig vor dem Platzen der selbsterzeugten Blase ein Sicherheitspolster anzulegen.

Also, lieber Stadtanzeiger: das nächste Mal, wenn ihr euren Lesern erklären wollt, dass ein Bericht von einem Japaner handelt, schreibt einfach “Japaner” in die Überschrift.


2 Kommentare zu "Finanzkamikaze"

  1. Die Übermütigen sind nicht von Dauer, sie gleichen dem Traum in einer Frühlingsnacht.
    Die Mächtigen vergehen zuletzt, sie sind wie Staub im Winde

    Wahrschau vor Fremdwörtern die man nicht versteht:

    Kamikaze (神風) ist wörtlich “der göttlich Wind” und bezeichnet ursprünglich nichts anderes als die beiden Taifune die Kubilai Khans Invasionsflotte 1274 versenkt haben. Kamikaze wurden auch ein Zerstörer und damit die Zerstörerklasse genannt.

    Wenn man einem Japaner etwas von den Kampffliegern erzählen will, muss man von Shimpû Tokubetsu Kôgekitai (神風特別攻撃隊) sprechen.

    Den ehrenvollen Tod durch das höchste militärische Opfer der Selbstaufgabe als simplen “Selbstmord” zu verungflimpfen, ist ebenso daneben wie von Finanzkamikaze zu sprechen. Zumal der Begriff Selbstmord an sich schon antagonistisch ist. Niemand kann sich selbst ermorden.

  2. Der Wortist wird hoffentlich nicht Seppuku begehen, werter Kaishaku-Nin? Ich hoffe, dass richtig ist, was ich bei Wikipedia gelesen habe.

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