Bahndeutsch 1: Raxi

Vor einiger Zeit hatten wir an dieser Stelle dem VW-Konzern ein wenig Nachhilfeunterricht in der Ent-Anglisierung technischer Begriffe gegeben (Folge 1, 2, 3, 4). Doch ansonsten ist der Wortist im großen und ganzen mit der Verwendung der deutschen Sprache im Weltreich von Ferdinand dem Legastheniker zufrieden: Auch in spanischen VW-Anzeigen heißt beispielsweise der Slogan unübersetzt „Aus Liebe zum Automobil“. Das geht schon sehr in Richtung „Powerdeutsch“.

Much ungermaniger ist die Performance des Marketing Departments der German Bahn. Finden nicht nur, aber auch vier CDU-Bundestagsabgeordnete, denen jetzt aufgefallen ist, dass es nicht nur im Deutschen im allgemeinen Anglizismen gibt, sondern im besonderen beim Staatskonzern auf Schienen. „Surf&Rail“, „Surf&Travel“, „Call a Bike“, und jetzt auch noch „Touch&Travel“.

Dass ausgerechnet Laurenz Meyer einer jener vier Abgeordneten ist, die „Touch & Travel“ am liebsten mit „Fummeln & Reisen“ übersetzen wollen, lässt uns allerdings daran zweifeln, dass diese Initiative reinen Herzens dem Wohle der deutschen Sprache gewidmet ist. Deshalb möchten auch wir dazu beitragen, die Deutsche Bahn auf den Pfad ihrer und unserer Sprache zurückzuführen. (Wer auch immer hierzu Vorschläge machen möchte, bitte hier in die Kommentarbox einwerfen.)

Machen wir den Anfang mit „Call a Bike“. Eigentlich muss man ja das Bahn-Bike gar nicht callen, weil es in den an diesem Dienst teilnehmenden Städten schon irgendwo an der Straße steht. Code aktivieren, Schloss öffnen, losradeln, wieder abstellen, abgerechnet wird nach Nutzungszeit – funktioniert also eigentlich genau so wie ein Taxi, nur dass man selber strampeln muss. Also könnte man es auch genau so nennen: Raxi, das Rad-Taxi. Wer bietet mehr?

Kommentare (5)

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  1. Ein Taxi ist ein „Mietfahrzeug“ (gedungener Chauffeur), ein Fahrzeug, daß zum Selberfahren gemietet wird, heißt im Amtsdeutsch „Selbstfahrervermietfahrzeug“.

    Ob „Fahrzeug“ allerdings „Fahrräder“ umfasst, und ob „Fahrräder“ im Amtsdeutsch überhaupt so genannt werden, das weiß ich nicht.

  2. Wäre das Entleihen gratis, böte sich ein elegantes „Freirad“ an. Ist es aber nicht.

  3. Wer nicht gehen mag, lässt sich fahren. Mit dem Taxi. Mit dem lustigen Raxi muss man selber fahren. Somit ist es dem Taxi nicht ähnlich genug. Es gibt aber gar keinen Bedarf für ein Neuwort. Es gibt schon den Mietwagen. Warum nicht auch das Mietfahrrad? (Indess ich dieses niederschreibe, wundere ich mich, dass es immer noch Mietwagen heißt. Und für den Begriff caresharing gibt es das wunderschöne Wort „Stadt-Teil-Wagen.)

    Da die Bahn eine Bezahlung für die Benutzung ihres Zweirades verlangt, muss es statt Leihrad Mietrad heißen. Hier die Begründungen lt. wikipedia.

    „Eine Leihe ist die auf einem Vertragsschluss basierende unentgeltliche Überlassung einer Sache für eine bestimmte Zeit. Sie ist einer der im besonderen Schuldrecht des BGB geregelten Typenverträge (§§ 598 ff BGB).“

    „Miete (in Österreich und der Schweiz Mietzins) ist nach deutschem Schuldrecht die Gegenleistung, die der Mieter dem Vermieter aufgrund des Mietvertrages, bei Genossenschaften auch Dauernutzungsvertrag genannt, für die Überlassung der so genannten Mietsache schuldet.“

    Schöne Grüße – Polyphem (Klugschweizer)

  4. Leihfahrrad…- oder für Witzis: Selbst-Lenker, Will-Radler oder Eigen-Treter.

    P.S.: „Kommentarbox“ – eine solche Schachtel könnte auch „Meinungsfeld“ oder „Deinungsfeld“ oder „Antwortviereck“ heißen, wenn man es verdoitscht, äh: verdeutscht haben wollte.

  5. Ich biete „Selbstkraftdroschke“, da die Taxen ja in vielen Gesetzen immer noch „Kraftdroschken“ heissen.

    Für mich ist der unnötigste Bahnanglizismus der „DB-Servicepoint“. Früher hat das mal „Information“ geheissen und die Nicht-Deutschlandkundigen haben das Gesuchte gefunden, aber seit gewarnt: Wer jemals in die Schweiz nach Zürich reist, sucht nach etwas ganz unmöglichem: der VBZ Ticketeria.

    Siehe auch hier:
    http://www.egghof.com/weblog/2004/08/die-neue-deutsche-rechtsschreibung.html