levern

Heute mittag nett mit einer Heuschrecke unterhalten, die mir glaubhaft versichern konnte, dass ihr ganz besonderes Konzept der Übernahmefinanzierung „Heu ohne Schrecken“ bedeute: „Wenn Unternehmer Müller die übrigen Anteilseigner seiner Familie aus der Firma herauskaufen möchte, können wir ihn genauso levern, als würde Blackstone oder Cerberus den Laden übernehmen.“

Levern. Das kommt vom englischen leverage, was im Zusammenhang mit Investments am ehesten mit Hebel übersetzt wird und ein Maß für das Verhältnis zwischen eingesetztem Eigen- und Fremdkapital darstellt. Ein LBO, Leveraged Buyout, ist eine größtenteils kreditfinanzierte Übernahme (wobei die Kredite hinterher gerne dem übernommenen Unternehmen in die Bilanz gedrückt werden).

In der Regel verwenden Deutsche, die sich an diesen Spielen beteiligen, dabei die Denglizismen leveragen (läweretschen) als Verb oder geleveragt (geläweretscht) als Adjektiv. Was schon gesprochen eher unappetitlich klingt, vom Schriftbild ganz zu schweigen. Da ist levern oder gelevert schon ein deutlicher Schritt nach vorne.

Insbesondere, da die reindeutsche Variante auch nicht besonders schön ist: Welcher Mittelständler möchte schon gerne die Verwandtschaft mit einem „gehebelten“ Deal aus der Firma drängen?

Kommentare (2)

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  2. „… jemanden aushebeln“ ist doch urdeutsch? – Duden (Rechtscheibung. 24.Aufl.) kennt es.

    Was es nicht schon an Aushebungen oder Aushebelungen gab:

    Levee: Aushebung für Rekruten (angeblich veraltet; wenn man US-Methoden nicht berücksichtigt).

    Lever: Morgenempfang beim Fürsten.

    Levitation; levieren… – das überlasse ich jedem, der sich geistig ode körperlich selber erheben will aus tiefer Ohnmacht.

    Ach – und Leverkusen? Da weiß ich nicht Bescheid! (Da soll’s Hans Bahlows „Deutschlands geographische Namenwelt“ richten.)