Deutschvertising

Schlechte Nachrichten für alle “Rettet-dem-Deutsch”-Jammerer: Die deutsche Sprache ist tatsächlich dabei, sich selbst zu retten. Das belegt jetzt ausgerechnet das Slogometer, jene Webseite, die wöchentlich aktualisiert eine Rangliste der häufigsten in deutschen Werbeslogans verwendeten Wörter erstellt.

Der Spiegel hatte diese Rangliste im Oktober 2006 sinnentstellend verwendet, indem er die häufigsten Wörter deutscher WERBUNG als häufigste Wörter deutscher REDE bezeichnete (mehr dazu im Schlumperei-Eintrag). Zum damaligen Zeitpunkt verzeichnete das Slogometer für das Jahr 2006 genau 22 englische Wörter unter den Top 100.

Und heute? Sind es für das Jahr 2007 genau 17. Als da wären:

5. Your
9. Life
11. You
19. We
32. Business
44. World
47. More
55. Power
64. Make
65. Way
68. Design
71. On
72. People
73. Just
75. Love
89. Future
91. Style

Wir können also erstaunt feststellen, dass in der Werbung die deutsche Sprache auf dem Vormarsch und die englische auf dem Rückzug ist. Zum Vergleich hier noch einmal die Platzierungen für alle Werbeslogans dieses Jahrzehnts:

5. Your
10. You
12. Life
20. We
22. World
33. Business
39. More
48. Be
55. Power
56. Way
64. Future
65. On
67. Better
69. Solutions
70. Company
74. People
75. Feel
79. Design
82. Make
83. Live
92. New

Das waren noch 21.

Wir können uns jetzt gerne darüber streiten, ob es sich hier schon um einen Trend zum Deutschvertising oder nur um eine zufällige Momentaufnahme handelt, und wenn es ein Trend sein sollte, ob dazu Spiegelsche Jammerei, aktionistische Entdenglifizierung oder tazige Wortistik am meisten beigetragen haben. Im Zweifelsfall alle auf ihre Weise, und alle zusammen wahrscheinlich nicht halb so viel wie die Deutschland-Begeisterung seit der Fußball WM. Weshalb wir statt zu jammern oder zu streiten einfach ein ordentliches Glas Gerstenkaltschale auf dieses Ergebnis leeren sollten.

Kommentare (2)

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  1. Pingback: Münchhausen-Check | Wortistik

  2. Die “Deutschland-Begeisterung” bei den polierten Kerativ-Köpfen der Werbewirtschaft wurde durch Analysen und Umfragen ausgelöst, die ergeben haben, dass eine großer Teil der Zielgruppe die “Messages” nicht versteht. Berühmt ist schon das “powered by emotion”, das Seher sich als “mit Emotion gepudert” erklärt hatten :-)

    Und Italien war bereits vor der Fußball-WM von Deutschland begeistert. Im zweitschönsten Taz-Blog (nach der Wortistik) von Rob Alef gibt es folgenden Eintrag:
    http://taz.de/blogs/fusballblog/2007/03/26/der-saum-des-mantels-des-bondscoachs/
    Hierzu hat Heinz Wäscher einen Kommentar geschrieben und drei Links zu youtube eingefügt. Wer die klickt, der versteht die italienische Deutschlandbegeisterung.

    Im Bezug auf die Fußball-WM 2006 stimme ich mit Rob Alef überein und ich habe einen weiteren youtube-Eintrag gefunden, der erklärt, warum Italien Weltmeister wurde. http://youtube.com/watch?v=Q9xox7hUOEU Dieses Video ist auf holländisch kommentiert und die Sprecher finden nur einen Vergleich: “Beckenbauer”.

    Ist das nicht wunderbar? Deutschland ist groß und Deutschland ist großartig. Dieses Land kann es sich sogar erlauben, bescheiden zu sein.