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vonDetlef Guertler 17.04.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Mit den Einflüssen des Türkischen auf die deutsche Sprache haben wir uns an dieser Stelle bereits im Februar befasst. Damals war uns der wortistische Vorstoß zweier Jungtürkinnen auf diesem Gebiet allerdings noch nicht bekannt. Es handelt sich um Aylin Selcuk und Lamia Özal, die sich hierfür das Wort deukisch ausgedacht haben.

Zitieren wir die Berliner Morgenpost: „Deukisch sei ein Wort, das sie selbst erfunden hätten, erzählen Aylin und Lamia nicht ohne Stolz. „Es beschreibt die Situation unserer Generation“, sagt Lamia. „Wir sind sowohl Deutsche als auch Türken, fühlen uns zwischen beiden Ländern stehend.“ Über dieses Gefühl könne man klagen oder das Beste daraus machen. „Wir haben uns für Letzteres entschieden.“ Zitat Ende.

Nun sind wir jederzeit bereit, einer Initiative viel Erfolg zu wünschen, die die Deutschen, die Türken und vor allem die dazwischen irgendwie zusammenbringt. Wenn die Betreffenden sich gerne hinter dem etwas unbeholfen klingenden Adjektiv deukisch versammeln wollen, nur zu.

Aber bitte, bitte, lasst bei der Integration die Sprachen außen vor. Türkisch und Deutsch sind jede für sich wunderhübsche Sprachen, eine Vermantschung der beiden nimmt sich dagegen äußerst hässlich aus. Lasst die Türken Deutsch lernen, und die Deutschen Türkisch – als erste Fremdsprache in Berliner Grundschulen wäre das ein echt krasser Weg, Berlin an die Spitze der zweisprachig Parlierenden zu bringen. Aber versucht bitte nicht, euch in der Mitte beim Deukisch-Sprechen zu treffen.

Ach, hattet ihr eh nicht vor? Danke, Aylin und Lamia.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2007/04/17/deukisch/

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kommentare

  • Wenn deukisch dazu beiträgt die vielen kleineren und größeren Probleme zwischen Türken und Deutschen mutig anzugehen dann ist das eine ganz prima Idee.
    Habe gerade eine Talk-Sendung mit Aylin Selcuk gesehen und fand ihren Auftritt dort sehr sympathisch.
    Diskutiert doch in Euren Kreisen mal den Fall Marco W. – aus deutscher Sicht ist der Vorgang ziemlich undurchsichtig und wird nach meiner Meinung inzwischen politisch mißbraucht.

  • Türkce kolay ve sistemleri. Jedenfalls viel einfacher als Englisch oder Deutsch! Also: Nur ran an die Sprache.

  • Sehr geehrter Detlef Guertler,

    ja, dann wollen wir mal auch gleich Denglish abschaffen und z.B. nicht ‚ok‘ sagen, schreiben oder texten, wenn wir ‚in Ordnung/geht klar‘ meinen.

    Wenigstens einmal hatten wir ja schon Versuche einer reinen deutschen Sprache, z.B. Gesichtserker anstatt Nase!

    Den Vorschlag Tuerkisch als erste andere Sprache (wohl kaum eine ‚Fremd’sprache, wenn die Nachbarn es sprechen)an Berliner Grundschulen einzufuehren finde ich prima. Ob er wohl bei den Entscheidungstraegern Anklang finden wird?

    Numa

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