Schäublone

Wenn Stefan Raab einen DSDS-Kandidaten in RAF-Manier als Gefangenen von RTL posieren, schäumt der TV-Teil der Medienwelt über. Wenn Dirk und Mac in Fahndungsfoto-Manier einen Bundesinnenminister als „Stasi 2.0.“ karikieren, passiert selbiges im Internet-Teil der Medienwelt

Nun sind wir hier zwar für Überschäumungen jeglicher Art nicht zuständig, aber dafür für Neuwörter. Und zwar erfüllt „Stasi 2.0.“ dieses Kriterium nicht, aber dafür die Schäublone – also die Schablone, mit der man die Schäuble-Fahndungskarikatur an Haus- und sonstige Wände sprühen kann.

Man muss weit zurückgehen, um einen ähnlich putzigen Umgang mit Ministernamen zu finden. Nämlich gut 40 Jahre, und ins Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo Kultusminister Paul Mikat, um die Babyboomer-Schüler irgendwie unterrichten zu können, unstudierte AushilfslehrerInnen einstellte – die Mikätzchen.

Doch während die Mikätzchen es auch heute noch auf viele Treffer und einen Wikipedia-Eintrag bringen, wird die Schäublone wohl nur über eine wesentlich begrenztere Lebensdauer verfügen – etwa doppelt so lang wie die Popularität eines DSDS-Kandidaten.

Kommentare (2)

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  1. Dass es auch „Mikater“ gab, hat der Sprachmund schon vergessen.

    „So meldeten sich 1963 nach Aufruf mehr als 2300 ‚Mikätzchen‘ und ‚Mikater‘ zur Ausbildung und zum Dienst…“, so etwa hieß es in irgendeiner Meldung, die mir zu Ohren kam.

    Dass sie – ob solo, ob im Doppel-Miau – keine Kuschelschule oder Streichelschulhof begründeten, ist nachprüfbar.

    Beide Wortbildungen haben kein Nachhall im gegenwärtigen Duden gefunden (24. Aufl. 2006).
    D.h.: Sie sind ausgestorben.

  2. Dann schlage ich mal Schäublette als Neuwort vor. Das ist eine leere Worthülse, die die offensichtliche Sinnlosigkeit einer „Sicherheitsmaßnahme“ kaschieren soll.