20.04.2007 von Detlef Guertler
Kampfansage kennt man, auch gerne als Verb, auch gerne metaphorisch: Ich sage Ferdinand Piech den Kampf an. Die Kampfabsage hingegen, die sich heute beim Internet-Spiegel tummelte, ist im metaphorischen Einsatz ungebräuchlich bis unvorhanden. Wenn ein Kampf abgesagt wird, dann nur ein richtiger: Die Klitschkos können einen WM-Kampf absagen, aber ich kann nicht Ferdinand Piech den Kampf absagen. Was ich, rein wortistisch natürlich, bedauerlich finde.
Gerade wir Deutschen, mit der Last von zwei Weltkriegen auf dem Buckel, sollten doch in unserer Sprache nicht nur der martialischen Kampfansage, sondern auch der friedlichen Kampfabsage ein Plätzchen widmen.
19.04.2007 von Detlef Guertler
In grünkonservativen Kreisen wurde gerne darüber gemäkelt, dass der real existierende Kapitalismus so auf seine Droge Wachstum fixiert ist, dass er sich schon wortistisch eine Welt ohne Wachstum gar nicht vorstellen kann, und sogar eine Schrumpfung der Wirtschaft nur als “Minuswachstum” zulassen, womit klar bezeichnet ist, dass es sich nur um einen kurzen Ausrutscher handle. So berechtigt diese Kritik auch ist, eine nachhaltig nichtwachsende kapitalistische Wirtschaft ist bislang nicht konstruiert worden.
Jetzt stellt sich das Problem erneut, mit der Droge der real existierenden Politik, der Staatsverschuldung. Seit mehreren Jahrzehnten können wir uns es gar nicht mehr anders vorstellen, als dass Jahr für Jahr mal mehr, mal weniger auf den Schuldenberg draufgepackt wird. Jetzt stellt das Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsweisen für das Jahr 2008 eine Netto-Neuverschuldung von Null Prozent in Aussicht, und wir wissen weder, ob wir das glauben noch wie wir das nennen sollen. Netto-Nullverschuldung?
Noch hakliger… weiter lesen
18.04.2007 von Detlef Guertler
Ein böser Vorwurf, aber ein schönes Wort, das Hans-Joachim Selenz in seiner Strafanzeige gegen Ferdinand Piech verwendet: “Insbesondere das Touareg/Cayenne-Projekt, an dem Herr Piech als Mitgesellschafter der Porsche AG ein überragendes Interesse hatte, wurde am VW-Auslandsstandort Bratislava realisiert. Die Porsche AG sparte auf diese Weise neben einem Großteil der Entwicklungskosten auch die Investition für die Karosseriefertigung sowie nahezu die komplette Montagelinie. In Leipzig baute man zur Täuschung der Öffentlichkeit und der Kunden lediglich eine Tarnfabrik für die Reifen- und Motor-Montage.”
Das würde wenigstens plausibel erklären, warum Porsche-Chef Wendelin Wiedeking so großherzig auf Subventionen für das Leipziger Werk verzichtete: Wer Subventionen zahlt, darf schließlich auch prüfen, was in so einem Werk passiert – oder eben nicht passiert…
17.04.2007 von Detlef Guertler
Mit den Einflüssen des Türkischen auf die deutsche Sprache haben wir uns an dieser Stelle bereits im Februar befasst. Damals war uns der wortistische Vorstoß zweier Jungtürkinnen auf diesem Gebiet allerdings noch nicht bekannt. Es handelt sich um Aylin Selcuk und Lamia Özal, die sich hierfür das Wort deukisch ausgedacht haben.
Zitieren wir die Berliner Morgenpost: “Deukisch sei ein Wort, das sie selbst erfunden hätten, erzählen Aylin und Lamia nicht ohne Stolz. “Es beschreibt die Situation unserer Generation”, sagt Lamia. “Wir sind sowohl Deutsche als auch Türken, fühlen uns zwischen beiden Ländern stehend.” Über dieses Gefühl könne man klagen oder das Beste daraus machen. “Wir haben uns für Letzteres entschieden.” Zitat Ende.
Nun sind wir jederzeit bereit, einer Initiative viel Erfolg zu wünschen, die die Deutschen, die Türken und vor allem die dazwischen irgendwie zusammenbringt. Wenn die Betreffenden sich gerne hinter dem etwas unbeholfen klingenden Adjektiv… weiter lesen
16.04.2007 von Detlef Guertler
von Polyphem:
16. April 2007: “Wir haben Geburtstag.” Zum heutigen Datum ein neues Wort papistischen Ausmaßes, das zum Thema passt, mit doppelter, gegensätzlicher Bedeutung. Ein Bindestrich trennt mal so und mal gegensätzlich.
Klima-Theist für Menschen, die an den Klimawandel glauben.
Klim-Atheist für Menschen, die nicht an den Klimawandel glauben. 
Es grüßt sehr freundlich – Polyphem
P.S.: Für das Wetter und das Klima war bei den griechischen Göttern der Chef zuständig. Bei den Katholiken ist es nur der (erste) Stellvertreter Christi auf Erden.
16.04.2007 von Detlef Guertler
von Wolfgang Wilhelm aus dem Allgäu:
Mal mehr als ein Neuwort, es ist mir beim Lesen der Rezensionen zu “Vorbild Deutschland” wieder in den Sinn gekommen, als es da heißt »Probleme im Konsens lösen«. Huch! Dabei geht es doch genau um das Gegenteil, um den zielgerichteten Streit…
Anstatt uns über Legastheniker
aufzuregen, können wir es auch christlich angehen: “Liebe deine Feinde” findet sich als Ausdruck bei Google immerhin fast 14′600 mal .
Nur das passende Gegenstück findet sich bisher noch nicht: Weder
“Streite deine Freunde”
noch das von Google alternativ vorgeschlagene
“Streite seine Freunde”
ergeben ein Suchergebnis. Schade eigentlich. Und um jetzt keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das hier verwendete Wort »Freund« ist nicht so eng zu verstehen, wie der Freund, den man mit dem »Freundschaftsgefühl« (ein wahrhaft schönes Wort!) verbindet, schließlich ist der zu liebende Feind ja auch nicht unbedingt ein Kriegsführer…
15.04.2007 von Detlef Guertler
von Christian Dombrowski:
Die Menschen vor den Leinwänden bilden eine große Vereinigungsmasse – es ist erstaunlich, wie das Ich im Moment des Torjubels verschwindet und Teil der Menge wird. Es ist aufgehoben, in jedem Sinn des Wortes; nicht mehr greifbar, zugleich aufs intensivste da. Umso bemerkenswerter, als dass die Masse sich weit über das Stadion hinaus fortsetzt, den eigentlichen Ort des Geschehens; weit selbst noch über die Fanmeilen und Biergärten hinaus. Denn auch von unsern Freunden in Übersee, in Indien, in Indonesien und anderen Ländern wissen wir, dass sie gerade dasselbe tun wie wir: Fußball kucken. Sie leiden und jubeln synchron mit uns. Selbst die Entfernung hat nichts Trennendes mehr; alle feuern die Spieler in Stuttgart an, als könnten die´s hören.
Das war das schönste Spiel der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr: das Spiel um den dritten Platz zwischen Deutschland und Portugal, das Deutschland 3:1 gewann. Die deutsche Mannschaft wurde… weiter lesen
15.04.2007 von Detlef Guertler
Ein Neuwort des langjährigen Zukunftsforschers und kurzjährigen Zukunftsoptimisten Matthias Horx (ich verweise bei dieser Gelegenheit gerne auf meine einschlägig-optimistischen Vorlagen: Die Humane Revolution von 2001, auch als Webseite erhältlich, das Optimistische Manifest von 2001 sowie Vorbild Deutschland von 2003, auch als Hörbuch), das unsere Angewohnheit beschreiben soll, uns insbesondere immer für Krisen und Katastrophen zu interessieren, weshalb nur die dümmsten Klimaforscher die dicksten Kartoffeln ernten.
Allerdings gibt Horx keinen Beleg dafür, dass sich die Menschen in dieser Beziehung heute anders verhalten als die Generationen, Kulturen und Unkulturen vor ihnen. Das Unglück hat schon immer mehr interessiert als das Glück, die drohende Katastrophe mehr als die eigentlich bevorstehende Normalität. Von daher ist Krisotainment eigentlich nur ein anderes Wort für – Journalismus.
14.04.2007 von Detlef Guertler
von Christian Dombrwoski:
Das Mikroskop ist ein Instrument, das Kleines und Nahes sichtbar oder noch besser sichtbar macht. Das Fernrohr dagegen macht Objekte sichtbar(er), die riesengroß und weit entfernt sind. Man könnte das Fernrohr daher auch „Makroskop“ nennen und das Mikroskop „Nahrohr“.
Wenn vielleicht auch nur mit Augenzwinkern…
Makroskop, n: Gerät, das entfernte Objekte besser sichtbar macht; alternativ für „Fernrohr“
Nahrohr, n: Gerät, das kleine und nahe Objekte vergrößert; auch „Mikroskop“
13.04.2007 von Detlef Guertler
Eigentlich mag ich den Check nicht sehr. Er klingt reichlich ruppig, und das nicht nur in den Eishockey-Kombinationen mit Body- und Cross-, dabei geht es vom Wortsinn her doch nur darum, ganz bieder etwas zu prüfen. Einen antagonistischen Charme entfaltet er im englischen “checks and balances”, wo das schnellzischende checks mit dem scharpinggemütlichen balances ein spannungsvolles Gleichgewicht bildet – allerdings sollte auch diese Kombination dem englischen Sprachraum vorbehalten bleiben, der deutschen “Ordnungspolitik” ist weder inhaltlich noch wortistisch etwas hinzuzufügen.
Umso verblüffter war ich über die wohltuenden Assoziationen, die der Zeckencheck in mir hervorrief, den die Wortwarte in einem Forumsbeitrag auf sueddeutsche.de entdeckt hat. Schnell, flüssig, süffig, und kein bisschen aggressiv (solange man keine Zecke ist). Da solche Forumsbeiträge schnell im E-Nirwana verschwinden, sei als Wortschöpfer hier hefe60 lobend erwähnt: “Man sucht sich abends sorgfältig nach den kleinen Viechern ab und entfernt sie, respektive beobachtet man die… weiter lesen