Müllverschwendung
von Detlef GuertlerAuf dem Weg in die Tiefgarage, genau dort, wo man anhalten muss, um das Tor zu öffnen, hat ein Scherzbold zwei leere Zigarettenschachteln auf dem Mäuerchen platziert. “Papa, nimm die mit!”, fordert mich Lucie auf. “Was soll ich mit zwei leeren Zigarettenschachteln?” – “Na, wegwerfen!” – “Keine Lust.” – “Doch, Papa, bitte, das ist sonst Müllverschwendung!”
Das trifft. Wo wir uns ohnehin der konsequenten Nicht-Trennung unseres Hausmülls schuldig machen, und all die Ressourcen, die in unserem häuslichen Müll stecken, mit Verachtung strafen. Müllverschwendung ist in Deutschland eines der fluchwürdigsten Vergehen überhaupt und wird bestimmt bald ins Strafgesetzbuch aufgenommen.
Die bislang so vorbildlich im Kampf gegen die Müllverschwendung engagierten Staaten in Hinterasien und Lateinamerika zeigen leider deutliche Zeichen des Schwächelns. Während bislang die Armut dort so groß war, dass Hunderttausende von Menschen ihren Lebensunterhalt nur davon fristen konnten, auf den Müllkippen nach verwertbaren Resten zu suchen, birgt der steigende Wohlstand nunmehr die Gefahr, dass wertvolle Reststoffe ungenutzt vor sich hinmodern müssen.
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Am 22. Juni 1740 schrieb der erste Müller-Diener seines Staates, der hätte wissen können, was Aufklärung sei:
„Jeder soll nach seiner Façon selig werden“.
Heute… ? Na, da lese ich heraus:
Jeder “Müller” soll nach seiner Façon seliger werden?