Doping-Gen

von Detlef Guertler

Wenn die entwickelte Welt anfängt, sich über FCKW oder PVC zu erregen, kann man davon ausgehen, dass ihre eigenen Produktionsstätten weitgehend abgeschrieben sind und in den Schwellen- oder Entwicklungsländern gerade größere Produktionskapazitäten für diese Stoffe aufgebaut werden. Und wenn die Radsportler tränenerstickt ihr EPO-Doping von vor zehn Jahren gestehen, kann man davon ausgehen, dass es längst andere Methoden gibt, mit denen man sich auf Leistung bringt.

“Die Pharmafront steht längst woanders”, nämlich beim “transgenen Doping”, schreibt heute die ehemalige DDR-Leistungssportlerin Ines Geipel in der “Welt” und kann uns berichten, dass schon 30 potenzielle Dopinggene ausgemacht worden seien.

Super: Aus aktuellem Anlass ein aktuelles Neuwort! So muss es sein, denke ich mir, füge lediglich den Bindestrich ein, weil  Doppingen eher wie eine schwäbische Kleinstadt oder irgendein Verb aussieht, und mache noch den Routine-Googleabgleich. Wie erwartet gerade mal eine Handvoll Treffer für Doppinggen, aber erstaunlicherweise hatte einer davon ebenfalls schon festgestellt, dass schon dreißig potenzielle Dopinggene ausgemacht worden seien: ein Artikel von Benno Vogel aus der Schweizer Wochenzeitung WOZ vom Juli 2006.

Die Ähnlichkeiten sind denn auch tatsächlich mehr als deutlich. Vogel schrieb vor fast einem Jahr:

“Rund dreissig potenzielle Dopinggene sind bisher bekannt. Sie tragen die Bauanleitungen für Blut- und Wachstumshormone, für Entzündungshemmer oder für Antischmerzfaktoren. (…) Die Resultate aus Tierversuchen sind zum Teil verblüffend. (…) Für Marathonläuferinnen könnte das PPAR-Gen von Interesse sein: Mäuse, die eine zusätzliche Kopie dieses Gens enthalten, laufen doppelt so weit wie üblich.”

Und hier die entsprechende Passage bei Frau Geipel:

“Rund 30 potenzielle Dopinggene sind mittlerweile bekannt. Sie tragen die Bauanleitungen für Blut- und Wachstumshormone, für Entzündungshemmer oder Antischmerzfaktoren. Die Resultate aus Tierversuchen sind dabei oft verblüffend. So das PPAR-Gen. Das dürfte demnächst für Marathonläuferinnen durchaus von Interesse sein. Denn Marathonmäuse, die eine zusätzliche Kopie dieses Gens enthalten, laufen einfach mal doppelt so weit.”

Womit nicht nur festgehalten werden kann, dass für das Doping-Gen Benno Vogel die Ehre der Neuwortschöpfung gebührt, sondern dass Frau Geipel auch noch ein bisschen daran feilen sollte, wie man ordentlich bei anderen Leuten abschreibt.


5 Kommentare zu "Doping-Gen"

  1. Wer doppelt soweit läuft
    ist nicht unbedingt schneller ans Ziel.

  2. Ich gehe doch mal schwer davon aus, dass die Namen der, durch den Lech getrennten, Gemeinden »Dop-ing« und »Dop-ingen« auf der selben Silbe betont werden wie jene von »Kauf-Ering« und »Lang-Erringen«. Und alle Einwohner dieser, z.T. fiktiven, Gemeinden haben, wie ich, den Bewohnern tiefer gelegenen Gemeinden, wie Berlin (polyphem) oder Marbella (D.Gürtler) einen entscheidenden Vorteil: Einen, unter Normalbedingungen, höheren natürlichen Hämato… dingens-Wert. Nach dem beide aber doch wesentlich aktiver in diesem Blog sind, sollte man sie, schon allein zum Schutz der inneren Sicherheit, auf verbotene Substanzen testen. ;)

    Wo ist liegt jetzt das Problem beim Doping? Ist es etwa unfair anderen gegenüber, weil man sich selber schadet und andere dazu nötigt, das auch zu tun, um erfolgreich zu sein? Wenn ja – sollte man dann nicht auch gleich Tabak, Kaffee, Schokolade als Beruhigungs- und Leistungsmittel im Büro verbieten? Bringt zu viel belastende Arbeit nicht auch um? Das kann es wohl nicht sein. Oder ist es der Unterschiedliche Preis zwischen EPO und Nikotin, welcher die Moral ausmacht? Die logische Kosequenz wäre, falls die Liberalisierung die Kosten nicht stark genug senken sollte, dass Rennräder sich qualitativ an meinen alten Drahtesel anpassen müssten. Das kann es dann auch nicht sein.

    Was die Vorbildfunktion betrifft, so finde ich Menschen, welche nur sich selber schaden, wesentlich sympathischer den krankenhausreifen Tritt seitens eins frustrierten VfB-Spielers im Pokalendspiel. Darüberhinaus ist Herr »G. M.-V.« für mich genauso abschreckend wie eine Frau »P. Hilton«. Und mit negativen Vorbildern verhält es sich genauso wie mit Propheten, welche immer falsch liegen: Solange man weiß, woran man an ihnen ist, gehört auch ihnen das Himmelreich! Bleiben wir also bei der Feindesliebe!

    Von Stuttgart neckarabwärts, muss es dem »Professsor von Heidelberg« und selbsternannten Doping-Ex-Perten, Herrn »Werner Franke«, um etwas anders gehen, was ihn so sehr auf die Palme bringt. Herr Franke, sicherlich würden mehr Auftritte bei Frau »S. Christiansen« Ihnen etwas mehr Popularität und ein ausführlicheres »Pseudopedia-Lemma« http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Franke bringen – aber das ist nicht von langer Dauer: Herr »G. Westerwelle« kann mindestens genauso wichtig tun, hat davon auch wesentlich mehr Erfahrung, redet besser und sein Po hat auch etwas mehr Sexappeal als ihr geniales Köpfchen. Tja.

    Man würde Ihnen wegen ihrem Äußeren sicher Beleidsbekundungen zusenden – stattdessen nehmen Sie anderen Menschen ihr Gesicht: »Werde ich nicht besser, so mache ich Dich schlechter!« Und so disskutieren http://taz.de/blogs/wortistik/2006/11/30/disskussion/ Sie auch lieber wie ein Jurist »Die verstoßen gegen Gesetzte« denn wie ein Mediziner. Es wäre schon interessant zu erfahren, welche Auswirkungen Dopingmittel in extremen Situation haben, ob sie vielleicht manche Krankheit besser heilen könn(t)en und/oder dabei geringere Nebenwirkungen zeigen.

    Klar es geht um Politik und wenn Sie jetzt nicht zurückstecken, dann können Sie noch viel Karriere machen: Es trifft jetzt vor allem die Uni Freiburg und nur wirklich böße Zungen würden behaupten, dass jetzt stattdessen einige Mittel an den Unteren Neckar fließen. Doch Herr Franke, Sie jetzt können durchaus noch mehr daraus machen: Durch die Dopinggeständnisse sind die Medzin-Themenrezeptoren der Medien gerade gesättigt – als Dankeschön dafür, dass man nicht blamiert im Rampenlicht steht, würde ich ordentlich abkassieren. Beispielsweise bei einem gewissen »Prof. Dr. Christoph “The money or you life!” Broelsch« von der Uniklinik Essen…

    Oder kaufen Sie doch mal das Klinikum Fulda! Der »Salmonellen-Herd« wurde »im Apfelschnee« gefunden, aber »Das Dessert sei allerdings nur in der Mitarbeiterkantine Ende April ausgegeben worden. „Patienten sind damit nicht in Berührung gekommen.“ Der Weg, über sich die Patienten infiziert haben, ist damit offensichtlich noch unklar. Derzeit laufen Befragungen von Experten.« So so. Dabei kennt doch jeder die alte Ärzteweisheit: »Erst wenn es zum Prozess kommt, wäscht eine Hand die Andere – vorher nicht!«

    Sorry, Detlef Gürtler, hier geht es meine Ansicht nach viel weniger um neue Dopingmittel, sondern um alte Kindergartenspiele – ganz in der Logik: »Wir dis(s)kutieren über das, was den Geist der Zuschauer nicht übermäßig belastet.« Es hat anscheinend Schule gemacht oder es gibt ein Bedürfnis, auf solchen Nebensächlichkeiten herumzureiten: Das erspart nicht nur das Umdenken, sondern auch das Denken. Und so demonstriet die Welt weiterhin gegen das was sie sich spritzt oder ausatmet, statt Lösungen gegen wirkliche Problemen zu finden: Mangel an sauberem Trinkwasser, diversen Vitaminen, Bildung und Ausbildung, …

    Gruß aus dem Allgäu, W. Wilhelm

  3. Ob Sportler, Esser, Ackermann,
    ein jeder nimmt, soviel er kann.
    Gibt er dann zehn Prozent der Beute,
    zurück, so lieben ihn die Leute.
    So geht das heute.

    Verjährte Vergehen gestehen,
    damit wir die neuen nicht sehen.
    Dann Spenden versenden.
    so wird es gut enden.

    Gewiss gilt auch im Sport
    das “Ehrenwort”.
    Das nennt man wohl
    “Methode Kohl”.

    Das Gedankenfeuerwerk von WW musste ich erst einmal in Ruhe betrachten und dann die Glanzlichter sortieren. Zur Feindschaft und somit zur Feindesliebe reicht es für uns zwei zwar nicht, aber als Diskussionspartner oder -gegner mag ich ihn schon lange :-)

    Woher kommt die Annahme, ich sei Berliner? Ich bin gelegentlich (ganz gern) in Berlin, aber ich bin kein Berliner. Kaufering im Allgäu ist auch ein hübsches Städtchen. Dort soll es auch schon Fälle von “Geldsucht” gegeben haben. Wenn ich eine Gefahr für die innere Sicherheit sein sollte, amüsiert es mich, doch hat das nichts mit Doping zu tun. Das einzige Suchtmittel, von dem ich noch nicht ganz lassen kann, ist schwarze Schokolade (wg. Serotonin, vermute ich. Wenn die Sonne scheint, brauche ich dieses Mittel nicht). Selbst vom Rotwein (“Rotwein ist für alte Knaben eine von den bessren Gaben,” (W.Busch)), bin ich entwöhnt. Aber ein kontroverser Blog regt mich an.

    Das Thema Doping im Profisport könnte einem egal sein, da Spitzensport längst auch eine Materialschlacht geworden ist (incl. Medizin). Ob durch Einsatz von Dopingmitteln evtl. Erkenntnisse zur Entwicklung von Wirkstoffen zur Heilung oder Linderung von Krankheiten oder Unpässlichkeiten gewonnen werden, kann ich nicht beurteilen. Die Verabreichung von Substanzen jedoch, deren Wirkung nicht ausreichend geklärt ist, an Kinder und Jugendliche, kann von Gesellschaft und Justiz nicht gebilligt werden, ebenso wie der Einsatz von Medikamenten bei Erwachsenen, wenn diese nicht über evtl. Nebenwirkungen informiert sind (siehe DDR). Da handelt es sich um mögliche Körperverletzung.

    Ein Medizinerwettbewerb zwischen Heidelburg und Freiberg ist für die betroffenen Akteure vermutlich sehr wichtig, für Außenstehende ist er eher lustig. Ob Prof. Franke im Alter von 67 Jahren noch das Bestreben hat, Fördermittel von Freiburg nach Heidelberg umleiten zu lassen, kann ich nicht beurteilen. Und dafür, dass Herr Franke aussieht, wie sich vielleicht manche Menschen einen Kyklopen vorstellen, kann der Mann nichts. Eine kleine Randbemerkung: Bei einem solchen Mediziner-Wettstreit ist das Wort “Ehrgeiz” einmal stimmig eingesetzt. Es wird Anderen Ehre gegeizt. Im Regelfall wird das Wort falsch für das Streben nach Ehre eingesetzt. Das Streben nach Ruhm und Ehre muss ja nicht automatisch bedeuten, dass Anderen Ehre gegeizt wird. Ehrstreben ist das bessere Wort.

    Schmutziges im Essen und in Essen kann durchaus mit dem Waschen von Händen zu tun haben. Die Infektionswege für Salmonellen und “Geldsucht” sind ziemlich gut dokumentiert. Prof. Franke, weil er Kollegenschelte betrieben hat, zu empfehlen, er möge doch mal eben auch die unappetitlichen Zustände am Klinikum Fulda und in Essen aus der Welt schaffen, ist abwegig. Sogar als Ironie. Es ist der Versuch zu dissen – wenn ich die Methode richtig verstanden habe.

    Sauberes Trinkwasser sowie Bildung und Ausbildung für Alle wünschen wir uns selbstverständlich und nicht nur, damit wir unsere Hände in Unschuld waschen können. Und wir wollen nicht unseren Wohlstandsmüll den Menschen vorenthalten, die evtl. davon leben. Die Ironie von Detlef Gürtler ist manchmal schwer zu erkennen.

    Es grüßt freundlich – Polyphem.

    P.S.: Als ehemaliger Amateurfußballer und immer noch Gernegucker, sage ich, dass mir das Auf-Treten einiger Spieler des EnBW Stuttgart am Samstag sehr missfallen hat.

  4. Aktuelles zur Bayernrundfahrt: Zabel hat zurück getreten. In die Pedale. Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben.

    Zabelhaft,
    wie der det schafft.
    Mit Milram-Zabelione?
    Oder geht’s auch ohne?

    Warum werden professionelle Fahrradmannschaften eigentlich Rennstall genannt? Wird da auch mal ausgemistet?

  5. Wie sehr sogar auch bei Freizeit Fussballspielern nach einer Leistungssteigerung durch “legale” Dopingmittel gesucht wird, zeigt sich in einer Frage, die man hier findet:
    http://www.sportlerfrage.net/frage/was-ist-das-beste-legale-dopingmittel-um-beim-fussball-topleistung-zu-erbringen

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