Krippenkritikerin
von Detlef Guertlernennt der neue Spiegel Eva Herman. Das hat vorher noch niemand getan – lediglich Walter Mixa wurde vereinzelt bereits mit der männlichen Variante des Wortes bedacht. Die wunderbare Kombination von Alliteration und Zungenbruch hätte allerdings eine höhere Verbreitung verdient.
Besonders schön, sowohl inhaltlich als auch wortistisch, wäre natürlich folgende Meldung: “Christliche Krippen kritisieren Krippenkritik von Krippenkritiker Mixa und Krippenkritikerin Herman”. Aber darauf werden wir wohl noch lange warten müssen.
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Nach dem was ich darüber gehört hatte, sind »Herman« und »Mixa« gegen die Krippenplätze an sich. Ja, aber dann müsste man doch von KrippengegnerInnen sprechen, oder? Kritik ist im Optimalfall protagonistisch. Und in diesem Fall könnten Geistliche und Weltliche durchaus gut zusammenfinden. Was vermutlich auch der Grund sein dürfte, warum »Walter Mixa« auch unter den Bischöfen recht alleine dasteht: Unter einem Motto wie »Mehr Liebe und Zuwendung für die Kinder Gottes« (oder so ähnlich) wäre durchaus der ein oder andere Euro mehr für eine katholische Kinderkrippe drinnen. Denk’ ich mal.
Vielleicht schreibe ich hier auch nur Unsinn – so tief habe ich, noch kinderlos, mich nicht mit der Materie beschäftigt. Vielleicht gibt es auch eine größere Zahl von Kritikern (nicht Gegnern), welche das Ganze mehr von einer staatlichen zu einer Gemeindeaufgabe machen würden, weil man vorort viel besser entscheiden kann? Also ein föderalistischer Streit – kein theologischer?
Daher meine Bitte: Wer von Anfang an etwas ablehnt sollte auch als ein solcher bezeichnet werden – als »Gegner.«
Gruß aus dem Allgäu, W. Wilhelm
Danke für den Einwand. Ohne die Herman- oder Mixa-Positionen im Detail zu kennen, würde ich sie doch eher für Krippenkritiker halten – es geht meines Wissens nicht so sehr um einen Widerstand gegen die Kinderbetreuung als solche, sondern um die Krippe als Krücke zur Erwerbsarbeitsbefähigung der Mütter.
In diesem Sinn bin ich wohl selbst auch Krippenkritiker: Ich plädiere seit Jahren dafür, die Arbeitswelt an die Bedürfnisse von Müttern anzupassen, und nicht die Mütter an die Bedürfnisse der Arbeitswelt (zum Beispiel hier:
http://www.welt.de/print-welt/article408211/Die_Pampers-Netzwerke.html )
Vollständig muss es dann doch Kinderkrippenkritikerin heißen. Und das wäre noch schöner. KiKrikri. Da lachen ja die Hühner.
Gestern war ich auf dem wahrscheinlichen Schlachtfeld, wo im Jahre 9 n.C. Varus die Legionen des Kaisers Augustus ins Verderben geführt hat (ob es das wirkliche ist, ist noch heftig umstritten; aber es ist in dem Gefilde, das schon der Literatur-Nobelpreisträger und Historiker Theodor Mommsen als wahrscheinlich lokalisiert hatte). Die Römer hatten sich zu weit über den Limes gewagt. Aus Anlass der Römertage in Kalkriese gehen dort Menschen vom Typ, wie sie der werte Wortist unter Histheater (siehe: http://taz.de/blogs/wortistik/2007/05/16/histheater/) beschrieben hat, ihrem Hobby nach und betreiben experimentelle Geschichte, neudeutsch auch “living history” genannt. Das ist ein buntes Treiben und schön anzuschauen.
Warum ich das erzähle? Die Schlacht zwischen Römern und Teutonen wird dort als Varusschlacht bezeichnet. Hermannsschlacht wäre auch möglich. In jedem Fall gibt ja das berühmte Hermannsdenkmal bei Detmold. Ich schlage vor, für die blonde Eva eine Krippe als Hermansdenkmal zu bauen.
Für Geschichts-Interessierte: http://www.kalkriese-varusschlacht.de
Du Krippenkritikerinnenkritiker!
(KriKri – die neue Moderatoren-Sprechprobe anstelle von «Altlastenkataster»)
Unsere “Krippenkrüppel” sind die etwa 120, max. 140 öffentlich-politisch Erfolgreichen (sprich: Frauen und Frauen-Nachahmungsbeter), die pieselnde & plärrende & tapsende Kindlein in Kinderkolonien geben wollen, damit sie mit deren Aufzucht nix zu tun haben müssen, sondern die Mühe & Arbeit & Routine an Billig-Mädchen (“Erzieherinnen” & Putzen) abgeben können.
Heil Ersatzmutterland! Heiliges Vater-Deutschland!
Kleinkinder dieses Landes! Vereinigt euch – und pinkelt den polit-infantilen Ersatzchargen die Beinkleider & Kittel voll!
Ent-wickelte Gesellschaften lassen wickeln. Kinder, Alte, Kranke.
Nachtrag – zum Welt-Aufsatz:
Lieber Herr Gürtler, es ist eine schöne neue Welt, die Welt der Pampers- Netzwerke, aber wie hoch ist der Anteil der AkademikerInnen und ähnlich gebildeter Menschen an der Gesamtbevölkerung, für die das schöne Sandkastenspiel Realität werden könnte? Industriearbeitsplätze gibt es zwar immer weniger, dennoch wird es weiterhin viele Jobs geben, die von Arbeitnehmern an einem bestimmten Ort oder zu festen Zeiten ausgeübt werden müssen (Schulen, Krankenhäuser, Groß- und Einzelhandel und das gesamte Handwerk, egal ob es werkstattgebunden oder auf einer Baustelle ausgeübt wird, etc.). Für Menschen, die in diesen Berufen tätig sind, müssen andere Lösungen her. Und da wir die fruchtbaren Mitglieder der Unterschichten nicht sterilisieren wollen, bleibt es eine Tatsache, dass viele Kinder geboren werden, denen ich wünsche, möglichst bald in die Betreuung guter ErzieherInnen zu kommen.
@polyphem: Danke für die Gedanken. Mal abgesehen davon, dass ich auch einige Kinder von AkademikerInnen kenne, denen ich wünschen würde, möglichst bald in die Betreuung guter ErzieherInnen zu kommen: Die Zahl der Jobs, bei denen es zumindest die Alternative gibt, Ort und/oder Zeit frei zu wählen, nimmt rapide zu. Sogar Kran und Operationsbesteck sind inzwischen fernlenkbar (was Krankenhaus und Baustelle natürlich nicht abschaffen wird), zumindest ein Teil des Einzelhandels findet mittlerweile im Internet statt, und ein Glück für die Post, dass dadurch so viel mehr Pakete getragen werden müssen, denn das mit den Briefen wird von Jahr zu Jahr emailiger.
Viele Frauen fürchten noch (mit Recht), dass mit der Entscheidung für Kinder die Karriere beendet sein wird. Deshalb wäre es doch schön, wenn sich herausstellen würde, dass damit eine neue Karriere beginnen kann. Aber anders.