30.06.2007 von Detlef Guertler
In der Vor-Klagenfurt-Berichterstattung bei inadaequ.at über ein am Mittwoch von lanu geprägtes Neuwort gestolpert: den Linkstreik. Aus Protest gegen ein blogger-feindliches Gerichtsurteil möchte lanu am Montag den ganzen Tag lang keinen einzigen Link auf ihrem Blog setzen – und fordert den Rest der Welt auf, sich ihr anzuschließen.
Vermutlich wird es mit der breiten Streikbewegung diesmal nichts werden: Eine kollektive Aktion ist leichter durchzuhalten als eine kollektive Nicht-Aktion, und ein Linkstreik wird überhaupt erst bemerkbar , wenn die halbe Republik dabei ist. Dennoch wird sich die von mir sowohl manierlich als auch grammatikalisch wesentlich höher als ihr Ex-Weggefährte Don Alphonso geschätzte lanu ein weiteres Mal um den Aufbau der Bloggerbewegung verdient machen.
Ihr letzter Versuch stammt vom 26. Juni, also gerade mal einen Tag älter, als sie die Gründung einer Partei für das Blogger-Fußvolk vorschlug - die “Partei… weiter lesen
30.06.2007 von Detlef Guertler
Daten kann man löschen und vernichten, keine Frage. Bei Informationen ist das mit dem Vernichten ebenfalls einfach, aber das Löschen klappt schon nicht mehr. Da die Information nicht der physischen Welt angehört, sondern nur im Zusammenhang mit unseren Gehirnen ihr Eigenleben entfaltet, lässt sich allenfalls das Trägermedium löschen, mit dem die Information transportiert werden sollte, wodurch sie durchaus vernichtet werden kann.
So viel zur Vorrede. Und jetzt zu Winfried Nachtwei. Dieser, von Beruf Grünen-Bundestagsabgeordneter und Verteidigungsexperte, äußerte zur Datenlöschungsaffäre im Verteidigungsministerium, er habe “keine Anhaltspunkte, dass es eine bewusste oder gewollte Nachrichtenvernichtung gegeben haben könnte”. Das ist natürlich ebenso richtig wie nichtig, da Nachrichten nicht vernichtet werden können. Bei ihnen handelt es sich schließlich um jene Untergruppe von Informationen, die für den Empfänger einen gewissen Neuigkeitswert haben (sollen), was in der englischen Übersetzung “news” noch deutlicher zum Ausdruck kommt.
Solange es keinen Empfänger gibt, kann es sich also… weiter lesen
29.06.2007 von Detlef Guertler
Gewerkschaftsbosse sind eher für starke als für neue Worte bekannt. Schließlich ist in der Tarifautonomie und sonstigen Verteilungskämpfen alles, was gesagt wird, schon tausendmal gesagt worden.
Umso erfreulicher, dass der Boss aller Bosse, DGB-Chef Michael Sommer, sich diese Woche an einem Neuwort versucht hat. “Das ist Bildungsimperialismus”, sagte Sommer zu Annette Schavans Vorschlag, gut ausgebildete Ausländer nach Deutschland zu importieren. Die Leute würden schließlich in ihren Heimatländern noch viel dringender gebraucht – die Bundesbildungsministerin hingegen will den Indern und Ägyptern ihre klügsten Köpfe klauen.
In der pädagogischen Debatte ist allerdings der Begriff Bildungsimperialismus etwas anders besetzt worden. Das belegt die Festrede von Johannes Rau zum 50. Geburtstag der Kultusministerkonferenz. Demnach bezeichnete der sozialdemokratische Nachkriegs-Bildungspolitiker Ludwig von Friedeburg die straff zentralistische Bildungspolitik der Nationalsozialisten als Bildungsimperialismus. Die föderale Verantwortung für das Bildungswesen (und damit der Moloch Kultusministerkonferenz) wäre damit eine antibildungsimperialistische Bewegung.
28.06.2007 von Detlef Guertler
Stern-Erfinder Henri-Nannen war auch Erfinder des “Küchenzurufs”. Das ist jene Essenz einer Nachricht, die Papa beim Zeitungs- respektive Stern-Lesen Mama in die Küche zuruft: Hast du schon gelesen, der Papst ist schwanger! oder so ähnlich. Eine Story ohne Küchenzuruf ist keine Story.
Was also ist der Küchenzuruf bei Tausendreporter, der neuen News-Community des Stern? Hier kriegst du die Meldungen von Spiegel-Online nochmal mit langweiligerem Design? Die Rangliste der Top-Tausendreporter ist nach Karma-Punkten geordnet? Eine plötzliche Hyper-Inflation hat aus Dutzendware Tausendreporter gemacht?
Wir sollten nicht zu ungeduldig sein. Möglicherweise tauchen ja bald schon Menschen mit Tausendreporter-Ausweis in Iphone-Warteschlangen oder auf G8-Gipfeltreffen auf, um die “Das-musst-du-lesen”-Seite mit echtem Das-musst-du-lesen-Stoff zu füllen. Und in sieben Monaten ist die millonenfache Weisheit der Tausendreporter so unschlagbar geworden, dass der Stern seine Redaktion auflöst und die Heftplanung von tausendreporter.de machen lässt.
Bis dahin bleibt nur ein anderer Küchenzuruf: Auf Tausendreporter gibt es die weltweit… weiter lesen
27.06.2007 von Detlef Guertler
Den Blogwart kennen wir ja schon länger. Aber Warteblogs sind neu. Oder gab es schon welche aus den Warteschlangen beim Abschied von Papst Johannes Paul II.? Dieses jedenfalls berichtet live aus der Warteschlange vor dem Apple-Laden in New York, wo demnächst die ersten Iphones verkauft werden.
Und da große Menschenmassen gerne dort warten, wo etwas wichtiges passiert, sollte sich das Warteblog zu einer veritablen Nachrichtenquelle entwickeln können.
27.06.2007 von Detlef Guertler
Jetzt wird die Ost-Jugend aber richtig aufmüpfig. Nicht genug damit, dass sie A-’Superplus-Blogger Don Alphonso ein publizistisches Waterloo bereitet hat, holt sie jetzt zum Rundumschlag gegen etablierte Medienpreise aus und startet einen Wettbewerb zur Prämierung der besten Blog-Kommentare – damit nicht immer nur die Blog-Betreiber den Preis abbekommen, sondern auch mal das Fußvolk.
Besonders schön, geradezu freudianisch, ist einer der Kritikpunkte an den real existierenden Preisen: “Es gibt meist eine Jury, die mit erfahrenden Journalisten besetzt ist .” Eben nicht, liebe Kinder! In Jury sitzen erfahrene Journalisten. Erfahrend als Gerundium würde hingegen Menschen bezeichnen, die ihre Erfahrungen gerade erst machen. So wie ihr.
Allerdings wird erfahrend bisher nur selten gebraucht. Was in Zeiten lebenslangen Lernens und Learning-by-Doings dringend geändert werden sollte. Erfahrend bietet sich beispielsweise als Eindeutschung eben jenes Learning-by-Doing-Dings an. Und es wäre doch auch ein schöner Ersatzname für Lehrlinge, Stifte, Azubis: die Erfahrenden.
26.06.2007 von Detlef Guertler
Ein wunderschöner Import aus dem Italienischen, wo es mediterranen Gepflogenheiten gemäß ohnehin einen großen Bedarf gibt, für verschiedene Grade von Illegalität auch verschiedene Wörter zu finden. Wenn Unternehmen ihre Bilanzen manipulieren, um Aktionäre zu betrügen, heißt das auch in Italien Bilanzmanipulation. Aber wenn Fußballklubs ihre Bilanz manipulieren, um sich eine Lizenz für die kommende Saison zu erschleichen, nennt man das Bilanzdoping. Ist, na klar, verboten, aber weil es alle machen, irgendwie auch nicht.
In Deutschland hat dieses Wort bisher nicht Fuß fassen können, sondern schwappt lediglich in Verbindung mit einem italienischen Fußballskandal in die hiesigen Medien. Dabei könnte auch hierzulande für die Bilanzierung eine feinere Abstufung der Bewortung gute Dienste leisten. Neben der illegalen Bilanzmanipulation gibt es nämlich bislang nur die gar nicht strafbare Bilanzkosmetik, bei der die legalen Gestaltungsspielräume von HGB oder Ifris ausgeschöpft werden. Dazwischen würde sich das Bilanzdoping als alegale Zwischenform… weiter lesen
25.06.2007 von Detlef Guertler
Ist doch was Feines, wenn man eine intensive schriftliche Kommunikation zwischen hoch- und sonstwierangigen Bloggern und Journalisten verfolgen kann. Der versammelte Esprit garantiert, dass Neuwörter in Hülle und Fülle aus dem Internet purzeln. Da gibt es das wunderschöne Adjektiv prozesshanselnd, das sich kongenial mit dem zusammengesetzten Substantiv Kollerkommunikator verbindet.
Es gibt in Kommentar 159 den Antrag, das Internet in Enternet umzubennen, und einen Kommentar weiter dann das bislang schönste Neuwort der Debatte: “Und so ein Maloch menschlicher Abgründe gewinnt die Grimme-Online-Award?”
Nun sind zwar im Don-Alphonso-Fanclub Schreibfehler sehr häufig (wer in Rechtschreibung besser als der Chef ist, fliegt offensichtlich aus dem Club), aber hier kann es sich um keinen Schreibfehler handeln: Weder Moloch noch Molch passen dem Sinn nach hierher. Also muss tatsächlich Maloch gemeint sein – eine wirklich gelungene Schimpfworterfindung.
24.06.2007 von Detlef Guertler
Unter den vielen netten Abschiedsworten der Christiansen-Dauergäste aus der Politik sticht die Aussage von Friedrich Merz hervor: Die sonntägliche Debatte bei Sabine Christiansen sei das eigentliche Parlament, im Bundestag dagegen gehe es langweilig zu. Wolfgang Thierse hingegen musste noch mal quengeln. Bei Christiansen sei “Politik nicht Gegenstand der Unterhaltung, sondern Mittel der Unterhaltung”.
Und was ergibt sich, wenn man Parlament und Unterhaltung zusammenwirft? Im Fernsehen entsteht daraus Sabine Christiansen, in der Wortistik Parlatainment. Als Wort ist das wesentlich netter als “politische Talkshow”, und wenn aus der einen Christiansen durch Zellteilung viele kleine politische Talkshows werden, hat man auf diese Weise sogar gleich einen Gattungsbegriff.
23.06.2007 von Detlef Guertler
Jetzt habe ich ein Problem, von dem ich bis heute nicht dachte, dass es sich überhaupt stellen könnte. Darf ich die Quelle verlinken, unter der ich ein Neuwort gefunden habe? Aber lesen Sie selbst.
Der mir bis vor kurzem reichlich gleichgültige Don Alphonso schrieb nach einigen direkt und indirekt geführten Auseinandersetzungen heute um 13.50 Uhr in seinem eigenen Blog: “Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich irgendwann mal einen Trackback der TAZ mit dem Gedanken “Du kleiner Trafficlutscher, beim nächsten mal schicke ich Dir Kommerzheini was rüber, das teurer ist als das Abo, das ich heute endlich auf den Müll haue, denn sowas wie Dich bezahle ich nicht” lösche – aber heute ist es so weit. heute kündige ich mein Abo bei der TAZ, und ich habe einen Trackback von denen gelöscht. ” Zitat Ende.
Inhaltlich möchte ich das gar nicht bewerten, aber dafür wortistisch. “Trafficlutscher” ist durch… weiter lesen