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vonDetlef Guertler 04.06.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Das ist mal wieder eine schnuckelige Monatsaufgabe der Aktion Lebendiges Deutsch: Happy Hour möge eingedeutscht werden. Nachdem zuletzt die Vorschläge etwas sehr bieder geworden waren (Termin statt Deadline, Plauderei statt Smalltalk), sollte es jetzt wieder etwas saftiger werden – es bietet sich ja geradezu an, eine oder mehrere Happy Hours zu nutzen, um alkoholbefeuert eine Neubewortung zu versuchen.

Ganz ohne Alkoholeinfluss möchte ich erstens darauf hinweisen, dass es die Happy Hour inzwischen nicht mehr nur in der Gastronomie gibt, sondern auch im Einzel-, insbesondere im Online-Handel, dass also das Neuwort nicht allein aufs Saufen abzielen sollte, sondern allgemeiner die Verbindung von (kurzer) Zeit und (niedrigem) Preis schaffen muss. Und natürlich eine Alliteration, wenn möglich sowohl im Schrift- als auch im Sprachbild (was der Häppi Auer nicht gelingt).

Alle diese Anforderungen in sich vereint das Schnäppchenstündchen – das außerdem dem Engländer noch demonstriert, dass der Deutsche einen Viersilber mit 20 Buchstaben konstruieren kann, während die Happy Hour ihre ebenfalls vier Silben schon mit 9 Buchstaben ausgeschöpft hat.

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http://blogs.taz.de/wortistik/2007/06/04/happy-hour/

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kommentare

  • […] Factory Outlet Diesmal halte ich mich wirklich zurück. Nachdem letzte Woche erst Sprachpapst und Wortisten-Lehrer Wolf Schneider zufrieden festgestellt hatte, dass ich ja der Wortschatzverbesserungsaktion der vier älteren Herren nicht mehr gar so negativ gegenüberstünde, werde ich jetzt den Teufel tun und erzählen, was ich von deren Vorschlag halte, die Happy Hour in Zukunft Blaue Stunde zu nennen. […]

  • Ging es da nicht ums billig-willige komasaufen nach der Arbeit?
    Dann wäre doch Schluck-Stunde perfekt, oder?

  • @Manuel

    Für die Gastronomie hätte man dann die schöne Ableitung ‚Schnäpschenstunde‘. Und wenn richtig geholzt wird, könnte man auch an Schnapp- und Schnapsstunden denken.

    Wann wird man (d. h. Bastian Sick) wohl die erste Schneppchenstunde treffen?

  • Dem Redakteur ist nichts zu schweur? Nuja. Einzig wohlklingend erscheint hier noch die „Heiß-Preis-Phase“ – sie ist fast knackig, viersilbig, zwar nur teils alliteriert – dafür jedoch auch teils gereimt, der besseren Bindung halber.
    Der Rest ist gestelzt („Angebots-Augenblick“, „Möglichkeits-Moment“) oder in Fetzen (Rabatt-, Discount-, Bonus-, -Frist, -Spanne). Vielleicht hilft’s ja trotz- und jemandem?

  • @Manuel: Das Schnäppchenstündchen enthält eine kleine Prise erotischer Aufladung, da es dem hierfür einschlägigen Schäferstündchen ähnelt. Und da Sex sells (oder auf deutsch alliterierend: Verführung verkauft), und da es bei der Happy Hour grundsätzlich darum geht, etwas zu verkaufen, dürfte das zweite -chen dem eigentlichen Zweck der Übung dienen.
    Außerdem ist ja Happy Hour: Da gibt es zwei -chen zum Preis von einem…

  • „Schnäppchenstündchen“ scheint schon schön, doch welchen Zweck erfüllt das Diminutiv?
    Es ist weder im englischen Begriff vorhanden noch nötig, um 4 Silben zu füllen. Im Gegenteil, es wirkt gesucht, um des vierten Zischlauts willen.

    „Schnäppchenstunde“ klingt mir gerner.

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