Blogpapst

von Detlef Guertler

Wie müssen wir sein, um ein -papst zu sein? Also nicht DER Papst, sondern einer der vielen angehängten -päpste. Stilpapst, Sprachpapst, Modepapst oder eben Blogpapst, wie dieser Tage sowohl der frisch prämierte Stefan Niggemeier als auch der frisch blamierte Don Alphonso genannt wurden.

Wir müssen bekannt sein, klar, und natürlich auch von vielen Menschen beachtet werden. Aber nicht jeder A-Blogger kommt deshalb schon in die engere -papstwahl. Felix Schwenzel beispielsweise scheidet von vornherein aus: Wer “Ich bin keine moralische Instanz” sagt, kann alles sein oder werden, aber niemals -papst.

Wir müssen also einen Gestaltungswillen nicht nur haben, sondern auch zeigen. Wenn sich dieser Gestaltungswillen allerdings regelmäßig nur als Vernichtungswillen äußert wie bei Don Alphonso, qualifiziert das bestenfalls zum Renaissancepapst, eher jedoch nur zum Gernegroßinquisitor.

Zur destruktiven Exkommunikation muss also auch der konstruktiv erhobene moralische Zeigefinger treten, um -papst werden zu können. Die Betonung liegt auf “konstruktiv”, da sonst das Schwenzel’sche Verdikt in Kraft tritt: “Manche hoch erhobenen Zeigefinger wären zur Zeit einfach besser in den zugehörigen Arschlöchern aufgehoben.”
Für Stefan Niggemeier gilt das natürlich nicht. Der einfache Blogger im Weinberg des Herren kann formvollendet damit kokettieren, dass dieser Tage seine private Reiseplanung zum Thema für dpa wird, und in seiner großartigen Performance als Harald-Schmidt-Versteher hat er gezeigt, dass er auch im Destruktiven Wort für Wort konstruktiv sein kann.

Somit bleiben noch zwei Hindernisse vor der Wahl Niggemeiers zum Blogpapst übrig. Erstens ist unklar, wer da alles mit- oder gegenwählen kann. Was hilft es, -papst zu sein, wenn auch 27 andere diesen Titel für sich beanspruchen können? Bei den Katholiken gab es allenfalls mal einen Gegenpapst, irgendwann auch zwei auf einmal, und das war dann alles schon sehr unübersichtlich. (Vielleicht sollte man statt vom Blogpapst bis auf weiteres vom Blogbischof reden, da gehört es ja dazu, dass es viele davon auf einmal gibt.)

Und zweitens schlägt bei Niggemeier wie bei allen anderen Kandidaten für den Blogpapst-Titel negativ zu Buche, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass sie mit uns Normalsterblichen auf einer Stufe standen. Niggemeier, ist das nicht der, der damals 1999 als Hamburger Kress-Korrespondent bei uns am Konferenztisch in der Brandstwiete 1 saß, sich immer wieder erklären ließ, warum Brand 1 keine Sekte sei, und freundlich darauf beharrte, sein Ja mit einem Aber zu versehen? Hatte eben schon damals keine Scheu vor Heiligkeiten – aber um selbst Heiligkeit zu werden, fehlen noch anderthalb Jahrzehnte, und davon mindestens fünf Jahre auf großer Bühne, um unter Beweis zu stellen, dass man auch unter ständiger öffentlicher Beobachtung -papstgerecht agiert.

Bis es so weit ist, könnten wir ja versuchen, den von Niggemeier selbst präsentierten Blogpapst-Kandidaten zur Übernahme des Amtes zu überreden. Diesen seit vielen Jahren unter öffentlicher Beobachtung stehenden Brillanzbolzen, der alles erreicht hat, den keine Herausforderung mehr reizen kann, der nur noch gegen die Langeweile in sich selbst ankämpft, und der sich, anderen und der Welt eine große Freude machen würde, wenn er sich und seine Fähigkeiten in die Blogosphäre beamen würde. Vielleicht klappt es ja, wenn wir alle zusammen versalieren:  HARALD SCHMIDT FOR BLOGPAPST!


11 Kommentare zu "Blogpapst"

  1. ihr von der taz, pah!

    wieder mal wisst ihr gar nichts. erst schreiben alle von euch ab, dann sagt es mal ein mutiger, dann stellt sich heraus, er selbst war da auch nicht zögerlich, dann haben wir endlich ‘ne neue sau, und die will dann nicht, also bisher zumindest.

    und jetzt stellt hier einfach einr meine macht in frage!
    das ist eine bodenlose frechheit!
    eine ungeheuerlichkeit!
    [viele andere -eit-wörter]

    wie könnte stefan papst werden, wo er doch schon als spielshowbeobachter geehrt wurde?
    wie könnte überhaupt irgendeiner papst werden, wo ich es doch schon bin?

    ich empfehle ihnen mal ein profi-seminar beim allseits beliebten. dort würden sie dann erfahren, wer innerhalb der blogosphäre tatsächlich die fäden in der hand hat (ich natürlich).

    gerne würde ich ihnen jetzt die beweislinks für meine kühnen behauptungen hier hinterlassen.

    merke sie sich einfach folgendes:
    ich als weltherrcher, habe schon lange auch folgende titel in anspruch genommen:
    der schönste.
    papa papst.
    mutter papst.
    es papst.
    natürlich weltherrscher.
    wahre weltherrscher.
    wohlwollender weltherrscher.
    erste weltherrscher.

    desweiteren sind die geheiligten buchstaben: w-e-l-t-h-e-r-r-s-c-h-e-r nur noch dann zu verwenden, wenn mir entsprechend gehuldigt wird!

    merke er sich das!

    ihr weltherrscher *herrschen ist vertrauenssache*

    ps: demnächst kommt dann auch noch der titel weltherrscher-journalist dazu. journalist kann sich ja jeder nennen, aber nur einer weltherrscher-journalist.
    im moment stagniert es zwar ein wenig, das vrdmmt verlegerpack will nicht so wie ich, aber ich sammel beweise, videos, fotos u.a. von den verlegern, dann muss ich halt den harten weg gehen, wenn die einsicht fehlt.

    pps: schmidt for blogpapst? hahahaha…ws für ne langweilige vorstellung!

  2. Geburtstag!
    Ich sende meine Glückwünsche keinem Papst und keinem Bischof, aber jemandem, dessen Wortistik-Blog mit dem heutigen Tag genau ein Jahr lang seine Leser erfreut. Gratulation, Herr Gürtler! Fast 500 Wortkinder im ersten Jahr – was wird aus ihnen wohl einmal werden? Consuetudo est altera natura! Rem tene, verba sequentur! Wie schön, dass Sie den Anspruch, als unfehlbar zu gelten, gar nicht erst erheben. Denn selbsternannte Sprachpäpste gibt es reichlich. Gratias ago! Ad multos annos!

  3. Pingback: Die Welt ist Scheisse - Aber ohne Geruch » Blog Archiv » Die Taz muckt auf!

  4. @Christian Dombrowski: Danke für die virtuellen Blumen. Anfang des Monats hatte ich noch daran gedacht, zum ersten Jahrestag ein Fass aufzumachen, dann habe ich es wieder völlig vergessen, und wenn ich heute das Fass Don Alphonso aufgemacht haben sollte, ( http://www.thueringerblogzentrale.de/2007/06/20/zynisches-dreckschwein-unfreundlich-inkompetent-und-faul/#comment-5389 ) so handelt es sich um eine rein zufällige terminliche Übereinstimmung.

  5. Es gibt auch BLOG-Elche.

    Wie schön, dass ich hier im taz-Blog der Wortkunde noch keinen fand!

    Ich schließe mich Christian Dombrowskis Glücks-E-Brief zum “Einjährigen” an.

    Ich schätze, dass Sie, Herr Guertler, willens und bestens gewappnet sind, nicht zu den Verbalrittern der Sprach- oder Sprechmeckereien umzusteigen, wie sie an sonstigen “Unorten des Wortkrams” zur eigenen Herrlichkeit gepredigt werden, auf selbstgezimmerten Wortkanzeln.

    Ja, Dienst am Wort – das finde ich hier bei Ihnen in der taz!
    Dito: Glück&wunsch!

    A. S. Reyntjes

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