Trafficlutscher

von Detlef Guertler

Jetzt habe ich ein Problem, von dem ich bis heute nicht dachte, dass es sich überhaupt stellen könnte. Darf ich die Quelle verlinken, unter der ich ein Neuwort gefunden habe? Aber lesen Sie selbst.

Der mir bis vor kurzem reichlich gleichgültige Don Alphonso schrieb nach einigen direkt und indirekt geführten Auseinandersetzungen heute um 13.50 Uhr in seinem eigenen Blog: “Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich irgendwann mal einen Trackback der TAZ mit dem Gedanken “Du kleiner Trafficlutscher, beim nächsten mal schicke ich Dir Kommerzheini was rüber, das teurer ist als das Abo, das ich heute endlich auf den Müll haue, denn sowas wie Dich bezahle ich nicht” lösche – aber heute ist es so weit. heute kündige ich mein Abo bei der TAZ, und ich habe einen Trackback von denen gelöscht. ” Zitat Ende.
Inhaltlich möchte ich das gar nicht bewerten, aber dafür wortistisch. “Trafficlutscher” ist durch und durch ein Neuwort. Weder bei Google noch bei Technorati gibt es irgendwelche Treffer dafür, und als Beschimpfung für jemanden, der sich an hochberühmte A-Blogger anhängt, um auch ein paar Besucher auf seine Seite zu ziehen, mag es durchaus seine Berechtigung haben: Die Analogie zum Windschattenlutscher, der sich beim Radrennen der kräftezehrenden Führungsarbeit verweigert und nur an anderer Leute Hinterrad hängt, ist stimmig.

Nun sagt das Urheberrecht, dass ich bei Zitaten eine Quelle angeben muss (zumindest in den ersten drei Tagen nach dessen erstmaliger Veröffentlichung), aber dagegen steht die Drohung des Kleingedruckten von Don Alphonso: “Achtung! Werbliche Kommentare und Trackbacks sowie Beiträge, die erkennbar allein kommerzielle Interessen oder PR-Ziele verfolgen, stellen wir als Werbung mit 999 Euro pro Eintrag sowie 100 Euro für die Löschung zzgl. MwSt. in Rechnung. Mit dem Eintrag erklärt sich der Autor mit dieser regelung einverstanden. Sollte ein Kommentar nicht sofort erscheinen, ist der Kommentar möglicherweise in eine Warteschleife geschickt worden, da er bestimmte Schlüsselmerkmale von Spam aufweist. Der Kommentar wird dann bei nöchster Gelegenheit vom Admin freigeschaltet.”

Syntaktisch möchte ich das gar nicht bewerten, aber nachdem mir (s.o) angedroht wurde, mir beim nächsten Trackback (der automatisch produziert wird, wenn ich einen Link zur Quelle setze) eine vermutlich diesem Kleingedruckten entsprechende Rechnung zuzusenden, müsste ich dann wohl auf dem Rechtsweg den Nachweis erbringen, dass es sich bei der Wortistik um eine journalistische Tätigkeit handelt, die nicht “erkennbar allein kommerzielle Interessen oder PR-Ziele” verfolgt. Das wäre zwar eine Gaudi, aber ziemlich aufwändig.
Verlinke ich die Quelle, verstoße ich gegen Don Alphonsos Kleinkariertesgedrucktes. Nenne ich sie nicht, verstoße ich gegen das Urheberrecht. Es gibt nur einen Ausweg aus diesem Dilemma: die Quelle nennen, ohne sie zu verlinken. Wohlan. Quelle für den Trafficlutscher ist Kommentar Nr. 18  vom 23. Juni 2007 zum Beitrag “Das große Zittern” vom 18. Juni 2007 auf der Internetseite blogbar.de.


20 Kommentare zu "Trafficlutscher"

  1. “…Quelle für den Trafficlutscher ist Kommentar Nr. 18 vom 23. Juni 2007 zum Beitrag “Das große Zittern” vom 18. Juni 2007 auf der Internetseite blogbar.de…”

    kann das mal einer übersetzen?
    mein chinesisch ist arg schlecht..

  2. Hm, ich glaube, ich komme da nicht ganz hinterher: Ein “Trackback” entsteht, wenn jemand auf eine im Internet öffentlich zugängliche Quelle verlinkt. Das habe ich doch richtig verstanden?

    Ein Link auf eine Quelle steigert gemeinhin das Ansehen und die Bekanntheit der zitierten Quelle, das gilt nicht erst seit Googles Seitenbewertungssystemen. Folglich kann ein Link auf die Quelle als “Förderung” des zitierenden verstanden werden. Soweit bin ich doch noch auf dem richtigen Weg, oder?

    Wenn aber der “Trackback” – übrigens finde ich, daß das ein verabscheuenswürdiges Wort ist, das nach einer Neubewortung ruft – durch den Fund einer Zitierstelle entsteht, also etwa dann, wenn ich in diesem Absatz mit einem HTML-Anker auf “blogbar.de” verwiese, kostenpflichtig sein soll, dann kann da etwas nicht stimmen…

    1. Ein Eintrag in taz.de mit einem Verweis auf blogbar.de führt nicht zu einem Einverständnis der oben zitierten Don-Alfonso-Bedingungen. Nicht einmal ihre Kenntnis kann vorausgesetzt werden.

    2. Mit einem Finger auf *öffentlich* zugängliche Quellen zu zeigen: Das kann doch keine Kosten verursachen? Wäre es künftig kostenpflichtig, Touristen den Weg zum Museum zu erläutern, weil das Museum innovative Geschäftsbedingungen formuliert?

    3. Daß der Verweis Vorteile ermöglicht, ist offenkundig, wo aber soll der Schaden des Zitierten liegen? Womit wird die Berechnung begründet?

    Also: Offensichtlich begreife ich das Konzept von Trackback – mein Vorschlag: “Rückverweis” – noch nicht so recht? Wer mag mich aufklären?

  3. niemand!
    ach was solls, also, die sache mit der b-biene ist so:

    das internet ist groß und unendlich weit, in etwa so wie das universum, nur noch viel größer, noch unergründbarer.
    in diesem b-universum der tagebucheinträge, wichtiger journalistischer arbeiten, emotionen, hass, freundschaften und all das zeugs, fliegen die b-bienen nun nicht mehr via flügel, sondern durch den b-gott* automatisiert.

    die oraus**, das sind ki-blogeinträgeschreiber, möchten aber keine un-ki-rückverweise haben. denn diese unkirücks zeigen den oraus deutlich ihre unmaterielle seinsform.
    darüber hinaus empfinden die oraus eine befruchtung durch b-bienen irgendwie als vergewaltigung des geistes.

    da die oraus (ach ja, onlinerauschen; mehr dazu siehe link unten) nur gewisse freie speicherbereiche für zufällig einfliegende b-bienen haben, wehren sie sich mittlerweile gegen das gesummse. dahinter steht ein naturgesetz:
    je mehr b-bienen angesummst kommen, desto weniger überblick verbleibt.
    ergo haben sich die oraus dazu entschieden, dem zufall die trafficlutscherei entgegen zu werfen.

    den einen triffts direkt am kopf, den anderen im blog.
    je nachdem…

    *+** die sache mit der b-biene, den oraus und b-göttern alles nur ein märchen:
    http://www.dieweltistscheisse.de/categories/blogmarchen/

  4. Wie kann man sich im Internet bewegen und das Setzen von Links verbieten wollen?

  5. Pingback: Supergeschäftsideezwonull at slidetone.blog

  6. Ist ja eins übrig, seit am Wochenende Don Alphonso seins gekündigt hat…

  7. Gibt es schon “Kindergarten-zwo.null” ?

  8. Wikipedia: “Die Trackback-Funktion wurde zunächst von der Firma Six Apart für die Weblog-Software Movable Type entwickelt. Sie ermöglicht den Bloggern festzustellen, ob auf ihren eigenen Eintrag in einem anderen Weblog Bezug genommen wird. Dazu werden zwischen den beteiligten Weblogs nach einem festen Protokoll Daten ausgetauscht, die die Beziehung zwischen den betreffenden Einträgen herstellen.”

    Also, ich bin ja einfach gestrickt, mir stellt sich das als Schattenwurf an der Höhlenwand in etwa so dar:

    1. Don Alfonso registriert sich bei einem Web-Log-Service um Fundstellennachweise zu erhalten.

    2. Taz-Blog registriert sich dort auch, wunschgemäß werden alle Zitierstellen via Elektroprotokoll an die Registrierstelle gemeldet.

    3. Don Alfonsos Blog erhält diese Meldungen – wunschgemäß – automatisch.

    4. Der Betreiber schreibt Bedingungen, die die über das Protokoll wunschgemäß und automatisch gemeldeten Rückverweise wegen Löschung kostenpflichtig machen sollen.

    Ich halte das primär nicht für ein Urheberrechtsproblem, ein “Dilemma” kann ich hier nicht erkennen, nur ungültige Bedingungen, gegebenenfalls sittenwidrige respektive wettbewerbswidrige Geschäftsbedingungen.

    1. Zur Zahlung sollen Nutzer verpflichtet werden, die mit der Seite des Betreibers nichts zu tun haben, ggf. die formulierten Bedingungen nicht zur Kenntnis genommen haben. Lediglich das Vermittlungssystem – der Rückverweisdienst – besteht als Verbindung zwischen dem fordernden Betreiber der Seite und dem Verursacher des Rückverweises. Wer an dem Rückverweissystem teilnimmt, muß mit Schrott rechnen. Ansprüche gegen andere Rückverweissystemteilnehmer kann er billigerweise nicht formulieren, ein Vertrag zwischen den Parteien findet nicht statt, die Formulierung wäre im übrigen eine überraschende Benachteiligung des Betroffenen und mit dem AGB-Gesetz nicht zu vereinbaren.

    2. Im übrigen dürften solche Klauseln auch wettbewerbswidrig sein. Das neutrale Vermittlungssystem soll als Geldzapfstelle mißbraucht werden. Damit wird ein Dienst, der allen Nutzern unter bestimmten Bedingungen zur Verfügung gestellt wird, vereinnahmt, andere Nutzer desselben Systems durch unlautere Bedingungen übervorteilt.
    Wird die Fruchtziehung aus einer fremden Leistung zum Geschäftsmodell erhoben, erwächst aus dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb ein Unterlassungs-, Auskunfts- und ggf. Ersatzanspruch.

    Würde ich noch ein bisserl drüber nachdenken, fielen mir vermutlich noch ein paar andere Tatbestände ein, die hier verwirklicht werden. Da Abmahnvereine durch das Internet streifen und Opfer suchen, ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht so gering, daß sich der Verwender derartiger AGBs früher oder später eine (kostenpflichtige) Abmahnung fängt.

    Ich darf ergänzen, daß dies da oben rein theoretische Erwägungen zu meiner eigenen Kurzweil sind, es handelt sich natürlich nicht um Rechtsberatung (i.S.v. § 1 RBerG), weil mir der konkrete Fall völlig wurscht ist, mich niemand gefragt hat, ich nicht bezahlt werde und überhaupt…

  9. @polyphem:
    Kindergarten 2.0. geht nicht, weil kleine Kinder keine virtuelle Betreuung, sondern direkte persönliche Zuwendung brauchen. Auch bei so manchem, der sich im Netz bewegt, hat man den Eindruck, dass ihm ein bisschen persönliche Zuwendung fehlt.
    Jenseits des, nun ja, frühpubertären Einschlags mancher Debatten handelt es sich allerdings tatsächlich um eine für einige der Beteiligten ernste Auseinandersetzung: Die bis vor kurzem noch recht klar getrennten Welten von Blogging und Journalismus wachsen immer weiter zusammen. Nachdem bislang die sogenannten A-Blogger wie eben jener Don Alphonso die Nase vorn hatten (und oben trugen), weil sowohl Journalisten als auch Medienunternehmen in der Blogosphäre mehr stolperten als Fuß fassten, haben zumindest die Journalisten zuletzt stark an Boden gewonnen.
    Stefan Niggemeier ist das beste Beispiel dafür: ein respektierter Medien-Journalist in der gedruckten Welt, der mit seinem eigenen Blog sowie dem von ihm mitbetreuten Bildblog Preise und Leser einsammelt.
    Und wer findet, dass solche Erklärung für derartiges Rumgezicke viel zu rational sind, kann unter
    http://taz.de/blogs/wortistik/2006/08/12/blogwartwart/
    nachlesen, warum ich so munter beim Streit um die schönste Sandburg dabei war.

  10. @polyphem: »Kindergarten 2.0«
    So fasst man in einem Satz zusammen, für das ich wieder eine halbe Seite denken hätte müssen… Nur wortlistisch hätte ich eine Verbesserung: »katholischer Männergarten« http://www.google.de/search?hl=de&q=katholischer+M%C3%A4nnergarten&meta= »Garten« weil die Gruppe aus einer Männergärtnerin und sechs Männern plus »Hurensohn« besteht; »katholisch« deshalb, weil die Babymilch in Alkohol verwandelt wurde. Außerdem fand die Kinderstunde, äh Männerstunde dieses Jahr auf heiligem Wall statt…

    »Kartoffel« hat die Nichtteilnahme scheinbar so sehr aufgeregt, dass er sich, nach dem er sich ausgeheult hat, nochmal ausgeheult hat: Schwarze Autos? Pfui! Nimm Du die doch! Hey, Du hast jetzt mehr Autos als ich – ich will genauso viel rote Autos! Heul! »Springbrunnen« hingegen hat die Zeichen der Zeit erkannt: Bei dieser chronischen Unterversorgung lautet sein Wahlversprechen vermutlich wohl »Männergarten für alle!« Schön, dass »Stewardess« bald ihren Abflug macht.

    Gruß aus dem Allgäu, W. Wilhelm

  11. @Boris Schlüszler:
    Danke für die nicht-verbindliche, aber trotzdem sehr hilfreiche Darstellung. Da könnte ich mich ja jetzt glatt bei Don Alphonso eintrackbacken und es auf einen Rechtsstreit ankommen lassen, wenn er mich nicht inzwischen in seinen Spamfilter geworfen hätte.
    Damit läuft er auch keine Gefahr mehr, dass ich ihm auf die (natürlich weder in korrektem Deutsch noch justiziabel formulierten) Unterstellungen antworten könnte, die er zusammen mit einer grandiosen Vernichtung aller weiteren tazblogs auf seinem Blog abgelassen hat:
    http://blogbar.de/archiv/2007/06/25/die-taz-will-sterben-oder-auch-verschenkte-potentiale

  12. @wortist: Danke für die Informationen. Jetzt ist die beste Zeit, Sandburgen zu bauen. Sind Pseudonyme geschäftsfähig, bzw. klageberechtigt? Das Fernabsatzgesetz sollte beim Versuch Link-Geschäfte zu machen beachtet werden. “taz will sterben” ist niedlich. Der “laute Don” arbeitet wohl nach der Maxime “Mach dich erst mal unbeliebt, dann wirst Du auch ernst genommen.” NaJa.

    @WW: das mit der Kartoffel habe ich nicht verstanden oder ich habe beim google-Link nicht den richtige Treffer gefunden. Gibt es einen direkten Verweis?

    Freundlich wie immer grüßt Polyphem.

  13. Das mit der Kartoffel ist doch ganz einfach. Obwohl sie reichlich unterirdisch auftritt, handelt es sich bei ihr weder um eine Wurzel noch um eine Quadratwurzel, sondern um eine knöllchenartige Ausstülpung der Mittelschicht der Pflanze.
    Nähert man sich der Kartoffel übrigens von oben herab, ist sie giftig.

  14. Was ist denn jetzt ein Trafficlutscher? Hat irgendjemand eine Idee?

  15. @polyphem: Will sagen, dass der Ausdruck im Internet (fast) neu ist. In der »Sat.1-Wochenshow« wurde auch schon mal von einem »katholischen Männergarten« berichtet…

    Ansonsten hätte noch schlimmer kommen können: Wenn man nicht die »Zwillingswurzel« http://www.google.de/search?hl=de&q=Zwillingswurzel&meta= (immerhin 6 und ein zensierter Treffer) sondern die »Drillingswurzel« http://www.google.de/search?q=Drillingswurzel&hl=de&start=10&sa=N (14 Treffer) gestritten hätte. »Vierlingswurzel« http://www.google.de/search?hl=de&q=Vierlingswurzel&meta= bzw. »Fünflingswurzel« http://www.google.de/search?hl=de&q=F%C3%BCnflingswurzel&meta= sind uns bisher noch erspart geblieben…

    Unverständlich bleibt mir hingegen der Antagonismus: Mehr Einfluss hätte Polen vorallem durch Deutschland erhalten können. Was bringt denn ein Weniger eines anderen der eigenen Position? Fast nichts und verrechnet mit abnehmender Solidarität am Ende weniger. Vielleicht ging es aber gerade darum: Die Schwächung Polens!?! Seit »Seksmisja« wissen wir ja, dass hinter höchster Gewalt das Gegenteil steht: Die höchste Frau ist in dem Film in Wirklichkeit ein Mann. Nach dem, wie ich gelesen habe, hinter den Kartoffeln ein »Augsburg-Protestant« steht, ist das für mich bislang die logischte Erklärung…

    Wer weiß – vielleicht gilt das am Ende sogar für das »Männergarten-Ministerium« von »Radio Maryja«?

    Gruß aus dem Allgäu, W. Wilhelm

  16. alle journalisten sind heulsusen!

    vrdmmt! das “alle” bitte streichen!

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  20. Ist ja irre, was für Spinner sich im Web tummeln. Die aber doch immer wieder für amüsante Vorgänge sorgen… Wenigstens das.

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