Archive for Juli, 2007

31.07.2007 von Detlef Guertler
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tiffig

von Detlef Guertler

Im Antiquariat um die Ecke über “Redens Arten” gestolpert, ein gut 20 Jahre altes Haffmanns-Buch über “Trends und Tollheiten im neudeutschen Sprachgebrauch” von genau jenem Dieter E. Zimmer, der auch in der letztwöchigen Zeit noch lesenswert (aber nicht verlinkbar) zur Sprachkultur schrieb.

Mag sein, dass in den kommenden Wochen noch das eine oder andere aus diesem Fund in diese Seite einströmen wird. So wie heute das damals von Zimmer als karrieremachendes “Mode-Slang-Wort” in der DDR beschriebene “tiffig” für “von minderer Qualität”.

Tiffig? Mal schauen, ob das heute noch jemand verwendet. Und was sagt uns Google da: Gerade letzte Woche erst stand das Adjektiv in der Berliner Morgenpost. Nicht etwa, weil die gerade einen auf DDR-Slang von 1986 macht, sondern weil sie einen Satz aus Ulrich Plenzdorfs “Neuen Leiden des jungen W.” zitiert: “Jeans sind die edelsten Hosen der Welt. Dafür verzichte ich doch auf die ganzen synthetischen Lappen… weiter lesen

30.07.2007 von Detlef Guertler
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Meinherr

von Detlef Guertler

Wenn Meinherr und Meinedame kein ordentliches Deutsch sind: Wie kann man dann auf Deutsch jemanden anreden, dessen Namen man nicht kennt? Der Brite sagt “Sir” oder “Madam” (der Amerikaner auch gerne “Ma’am”, aber eher nicht mehr “Massa”), der Franzose “Monsieur” oder “Madame”, der Holländer “Mijnheer” und “Mevrouw”, und eigentlich sollten solche zwei Wörter doch zum Grundwortschatz jeder Sprache gehören, die etwas auf sich hält. Man kann ja sonst eigentlich nur Menschen anreden, die man schon kennt, bzw. wird von einem Sprachloch dazu gezwungen, den Gegenüber gleich nach seinem Namen zu fragen. “Herr, äh, wie war Ihr Name doch gleich?”.

Steht das Deutsche eigentlich unter den wichtigsten Weltsprachen mit dieser Lücke alleine da? Und wenn ja: Wie kann man so ein Loch füllen? Wer bzw. welche Institution hätte die Autorität und/oder die Macht, den Meinherr und die Meinedame in die Sprache hineinzubekommen?
Wer eine Person anreden will, deren Namen er… weiter lesen

29.07.2007 von Detlef Guertler
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Goldtstücke – düfteln

von Detlef Guertler

“Wegen der Überschrift dieses Artikels sollte man sich keinen Kopf machen und statt dessen vermuten, daß News-Lady Dagmar Berghoff, wie man auf neudeutsch sagt, gar nicht stinkt, sondern daß sich, wo sie wirkt und werkt, frauliches Düfteln bemerkbar macht. Sie ist reinlich und von heute. Selbst als sie noch menstruierte, ist nie eine Supermarktgurke ansichtig ihrer verdorrt.”
Quelle: Max Goldt: Warum Dagmar Berghoff so stinkt, in: Die Kugeln in den Köpfen, Haffmanns, Erstveröffentlichung in Titanic, März 1993
Allgemeine Erläuterungen zum Wie und Warum der Goldtstücke stehen beim ersten seiner Art.

28.07.2007 von Detlef Guertler
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Zitterindex

von Detlef Guertler

Bis vor einer Woche wussten Sie höchstwahrscheinlich nicht, was sich hinter dem Begriff “itraxx crossover” verbirgt. Wenn die Börse weder Ihr Beruf noch Ihr Hobby ist, wissen Sie es wahrscheinlich immer noch nicht. Aber falls sich in den kommenden Wochen an den Kapitalmärkten die Entwicklung der vergangenen Wochen fortsetzen sollte, wird Ihnen dieser Begriff sicherlich noch häufiger in den Ohren klingen.

Denn die Blase, die an den Börsen gerade platzt, kommt weder von den Aktien noch von den Immobilien, sondern von den Krediten. Fast oder ganz ohne Sicherheiten wurden milliardenschwere Finanzierungen durchgezogen, Risiko war kein Thema. Und jener itraxx crossover gibt an, wie hoch der Betrag ist, den man aufwenden muss, um ein Kreditpaket gegen Zahlungsausfall zu versichern. Und damit ist er der bestgeeignete Index, um live beim Platzen dabei zu sein. Weshalb die FTD ihn den “sogenannten Zitterindex” nennt - wobei außer ihr laut Google noch kein… weiter lesen

27.07.2007 von Detlef Guertler
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RestLB

von Detlef Guertler

Kann es denn wirklich sein, dass die ersten und bislang einzigen, die auf diesen wunderhübschen Titel für den kläglichen Rest der einst so großnäsigen WestLB gekommen sind, die Überschriftenmacher der Financial Times Deutschland sind? Im taz-Archiv habe ich jedenfalls keinen Treffer gefunden, und auch bei Google nur die Überschrift aus der FTD von heute. Na dann – Gratulation an die Kollegen aus Hamburg!

25.07.2007 von Detlef Guertler
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Goldtstücke – Unglücksseele

von Detlef Guertler

“Sie geht in Richtung einer Tür und öffnet sie nur so weit, daß sie eben durchschlüpfen kann, und schließt sie sofort wieder hinter sich zu. Es soll wohl keiner hineingucken da. Die beiden Unglücksseelen vom Nebentisch haben inzwischen ein anderes Thema bekommen. Sie reden französisch. Ich bekomme nicht viel mit, außer daß ihnen das schwer fällt. “Ihr Französisch ist ja grauenhaft!”, brüllt es aus ihrem Tischlautsprecher.”

Quelle: Max Goldt: Der autoritäre Salon, in: ungeduscht, geduzt und ausgebuht, a-verbal Verlag 1989
Allgemeine Erläuterungen zum Wie und Warum der Goldtstücke stehen beim ersten seiner Art.

24.07.2007 von Detlef Guertler
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Goldtstücke – Ventilwitz

von Detlef Guertler

“Helmut Kohl ist mir nicht sehr sympathisch. Ich weiß aber nicht, ob er wirklich der skrupellose Machtpolitiker ist, und wenn er es wäre, dann käme das ewige Parodieren und Witzeln einer gefährlichen Verniedlichung gleich. Ventilwitze haben Macht wohl selten destabilisiert. Ich denke, das einzig wirklich Schlimme, was Kohl ausgefressen hat, ist, daß er dieses Land kabarettistisch verseucht hat.”

Quelle: Max Goldt: Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau, Heyne, 1995. Erstveröffentlichung: Titanic, Juli 1990
Allgemeine Erläuterungen zum Wie und Warum der Goldtstücke stehen beim ersten seiner Art.

23.07.2007 von Detlef Guertler
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Animöse

von Detlef Guertler

Bereits im Februar sahen wir uns hier genötigt, die Umtriebe des Linguisten Norbert Dittmar zu kritisieren, als er über die Türkisierung der deutschen Sprache linguisierte. Jetzt müssen wir hier einen krassen Fall von Gefälligkeitsgutachten geißeln: Im bei Stefan Niggemeier intensiv zu verfolgenden Gerichtsverfahren um die Frage, ob eine Moderatorin von TV-Gewinnspielen “Animöse” genannt werden dürfe, ließ sich Dittmar als Gutachter des Beklagten unter anderem zu folgendem Statement hinreißen: “Das Wort [Animeuse] ist eine spontane Entlehnung aus dem Französischen ins Deutsche. Dabei wird der Verbstamm {anim-} des französischen Verbs animer („beleben”) mit dem das Femininum markierenden Suffix {-euse} zur Substantivderivation {Animeuse} („Beleberin”) amalgamiert.”

Bullshit, Herr Dittmar. Schließlich gibt es die Entlehnung aus dem Französischen bereits – nämlich den Animateur. Aus ihm lässt sich jederzeit durch das “das Femininum markierende Suffix” eine Animatöse machen. Sorry, Jungs von Call In TV, aber dass ihr euch die Animöse… weiter lesen

22.07.2007 von Detlef Guertler
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Goldtstücke – Nebulierer

von Detlef Guertler

“Folgt mir jemand auf dem Rückzug in die schönen Kleinigkeiten, ohne freilich den verbreiteten Irrtum zu begehen, der darin besteht, daß aufgehört wird, das miese große Ganze aus mittlerer Entfernung zornig, doch nicht völlig unversöhnlich weiter anzusehen? Es folgen welche, wie ich sehe. Manche sind ja schon vorausgegangen, davon etliche entschieden zu weit. Ich stelle fest: Es folgen viel zu viele, du und du und du und du, ihr bleibt lieber näher dran beim großen Ganzen. Ein paar müssen schon ausharren. Die müssen uns liebe Kleinodbeschmuser, Lebevolk und Nebulierer dann rufen, wenn es soweit ist.”

Quelle: Max Goldt: ungeduscht, geduzt und ausgebuht, a-verbal Verlag, Berlin 1989.

Allgemeine Erläuterungen zum Wie und Warum der Goldtstücke stehen beim ersten seiner Art.

21.07.2007 von Detlef Guertler
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Goldtstücke – im Internet schnorcheln

von Detlef Guertler

“Gibt es eigentlich jenseits von mir zusätzliche Menschen, die den Begriff »im Internet surfen« als einen lächerlichen Terminus von vor zehn Jahren empfinden? Der fast schon so obsolet klingt wie »Datenautobahn« oder »globales Dorf«? Und was machen eigentlich der »Cyber-Sex« und der »Datenhandschuh«? Ich sag immer »Internet gucken«. Das klingt so schön arglos, so schön passiv. Einmal habe ich auch »im Internet Schnorcheln« gesagt, aber diejenigen, die dabei waren, als ich das sagte, die fanden das nicht gut. Das würde so »gewollt witzig« klingen. Der Ausdruck »Internet gucken« stieß hingegen auf eine wohlwollende Jury-Bewertung. Vermutlich weil er »unfreiwillig komisch« klingt. Die Komik selber, das vermute ich mit Rücksicht auf meine Lebenserfahrung, wird in ihrer Qualität nicht davon beeinflußt, ob sie gewollt oder unfreiwillig ist. Ich erwähne dies, um das Vertrauen in Redewendungen zu erschüttern, wobei ich mir gewiß weder anmaßend noch skurril vorkomme. Sollte ich mich in meinem… weiter lesen