plenken

von Detlef Guertler

Wer sich intensiver mit dem Schreiben von Texten im Internet beschäftigt, kennt diesen Begriff wahrscheinlich schon. Da aber nicht nur der Wortist, sondern auch der Duden bislang das Verb plenken nicht kannten, sei es hiermit auch anderen Unwissenden mitgeteilt: Plenken bezeichnet die nur von Online-Texten bekannte (Un-)Sitte, Leerzeichen einzustreuen, wo sie eigentlich nicht hingehören, um damit Aufmerksamkeit zu erregen.

Bei Stefan Niggemeier hat ein Leser dankenswerterweise seine typografische Verhaltensweise als “Fachsprache” erklärt und erläutert. Andere Menschen nennen das Plenken und das ihm verwandte Klempen (Leerzeichen weglassen) schlicht “typografische Verbrechen”.

Ich bin kein Typograph, sondern Wortist, und wortistisch betrachtet, hat Plenken geradezu Charme. Es leitet sich vom Plenk ab, der wiederum die starckdeuttsche Variante des englischen “blank” (Leerzeichen) ist, und laut Wikipedia um 1988 im Maus-Net von Johannes Leckebusch erfunden wurde. Plenken ist damit eines der augenfälligsten Beispiele für die kreative Aneignung und Umformung fremdsprachiger Begriffe, wie sie auch früher schon gut und gerne praktiziert wurde: Cakes wurden zum Keks, shawl zu Schal, cheque zu Scheck, hazloche un broche zu Hals- und Beinbruch.

Auch den Vorgang des Plenkens beurteile ich wesentlich milder als auf DIN 5008 pochende Typografen. Es handelt sich um eine äußerst milde Form des Hervorhebens einzelner Satzbestandteile, die im Vergleich mit dem VERSALIEREN oder Fetten geradezu dezent wirkt. In der Holzwelt des bedruckten Papiers hat das Plenken in der Tat nichts verloren, da dort eine große Zahl von typografischen Hervorhebungsmöglichkeiten existieren, die bei Online-Publikationen nicht (oder noch nicht) gewählt werden können – der Wortist beispielsweise kann sich weder die Schriftart noch die Größe seiner Buchstaben selbst aussuchen.

Das Plenken tritt die direkte Nachfolge einer Hervorhebung an, die früher durchaus geläufig war, aber heute praktisch nicht mehr verwendet wird: das S p e r r e n , also das Plenken von ganzen Wörtern. Es stammt noch aus der Schreibmaschinen-Zeit, als die typografischen Möglichkeiten ebenfalls sehr begrenzt waren, und das Monster des automatischen Zeilenumbruchs noch nicht sein Unwesen trieb.

Da das Sperren von Wörtern heute völlig ungebräuchlich geworden ist, und da es ob der Mehrdeutigkeit des Begriffs für jemand, der noch nicht weiß, worum es geht, kaum verstehbar ist, plädiere ich sogar dafür, den Begriff des Sperrens (natürlich nur in dieser Bedeutung) durch den des Plenkens zu ersetzen.


3 Kommentare zu "plenken"

  1. Plenken ist das einfuegen von Leerzeichen vor ( und manchmal nach ) Satzzeichen , wo diese nicht hingehoeren . Das sieht haesslich aus und kann dazu fuehren , dass automatische Zeilenumbrueche von der Software so eingefuegt werden , dass eine Zeile mit einem Satzzeichen beginnt .

    Im Franzoesichen sind diese Leerzeichen allerdings korrekt .

    Plenken hat aber nichts mit dem Sperren von Woertern zu tun !

    Siehe auch in der Wikipedia .

    Klempen bedeutet das weglassen von Leerzeichen nach Satzzeichen,wo diese hingehoeren,was ebenso haesslich ausschaut.

  2. Ich stelle aber hiermit den Antrag, beim Sperren von Wörtern in Zukunft ebenfalls Plenken zu sagen. Sperren ist missverständlich und nur noch Menschen vermittelbar, die das Zehn-Finger-Schreiben noch auf der Schreibmaschine gelernt haben. Der Keks war ursprünglich auch nur das Wort für Leibniz-Markengebäck, der Fön der Markenbegriff für die Haartrockner von AEG.
    Den Plenk hingegen würde ich gerne im Nerd-Jargon belassen, das Leerzeichen braucht keinen Ersatz.

  3. Intensives Schreiben von Texten – heute, endlich nach intensivem Warten halte ich die »Grütze« endlich in Händen. Und frage mich schon nach ein paar Seiten: »Kommen da bald Fortsetzungen?« Das tröstet schon über den Hohn einiger »Bahn-Mit-nicht-arbeiter« hinweg… Zu blöd nur, dass ich auch den Weg zur und von der Arbeit ganz ohne Bahn hinter mich bringen musste und noch nicht so viel lesen konnte. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag!

    Intensives Lesen von Texten ist hingegen etwas anderes (intensiv im Sinne von genau). Und so kommt es wohl, dass ich wohl der einzigste Mensch bin, der neben der »Wortistik« auch noch die »Wortlistik« kennt? http://www.google.de/search?hl=de&q=wortlistik&meta= Stellt sich die Frage: »Wie kam ich darauf?« Lag es an der List im Wort, an den Wort-Listen oder doch an dem Wort-Listen?

    Gruß aus dem Allgäu, W. Wilhelm

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