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vonDetlef Guertler 18.08.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Bis vor wenigen Tagen verirrte sich allenfalls hin und wieder einmal ein Synonymsucher zu diesem Wort, wenn er nicht immer nur von „Forenhaftung“ schreiben wollte, bei der es schlicht darum geht, inwieweit der Betreiber eines Online-Forums für die dort abgesonderten Kommentare verantwortlich ist. Da gibt es eine wilde Mischung von Meinungen und Gerichtsurteilen, und es ist vermutlich jeweils ein Unterschied, ob es sich um kommerzielle oder nichtkommerzielle Plattformen handelt, um Betreiber von Einkaufsnetzen (wie Ebay), Fachforen (wie Heise), Diskussionsgruppen (wie StudiVZ) oder oder oder, sowie ob es sich bei den dort auftauchenden verdächtigen Inhalten um Kinderpornographie, üble Nachrede, Anlegerbetrug oder Nazi-Parolen handelt. Und um die Verwirrung perfekt zu machen, ist es natürlich überhaupt nicht egal, ob man es hierbei mit dem Landgericht in Hamburg oder mit dem in Berlin zu tun hat.

„Eine “rechtliche Geburt” mit vielen Wehen“ konstatiert Thomas Schwenke, und führt in eine Schwindel erregende Vielfalt von juristischen Abgründen, obwohl er sich in seinem extrem lesenswerten Beitrag nur mit der Frage beschäftigt, inwieweit ein Blogger für die Kommentare verantwortlich ist, die auf seiner Seite zu finden sind – mit der Kommentarhaftung also. Auslöser hierfür war eine Abmahnung, die sich Stefan Niggemeier einfing, weil er einen an einem Sonntag um 3.37 Uhr eingestellten Kommentar „erst“ um 11.06 Uhr des gleichen Tages löschte.
Auch auf die Gefahr hin, mir wieder vorwerfen lassen zu müssen, dass ich nun mal Journalist und eben kein Blogger bin: Ich halte es für selbstverständlich, dass jeder, der ein Blog betreibt, für die darin zu findenden Inhalte verantwortlich ist, und zu diesen Inhalten gehören ebenso selbstverständlich auch die Kommentare. Ein Blog ist kein Stammtisch, sondern ein Medium, und sollte deshalb grundsätzlich unter das Medienrecht fallen, was entsprechende Sorgfaltspflichten des Betreibers mit einschließt.

Mir ist bewusst, dass sich dies derzeit technisch nur dadurch umsetzen lässt, dass Kommentare nicht sofort freigeschaltet werden, sondern vom Betreiber genehmigt werden müssen, aber dabei handelt es sich m.E. nicht um eine unzumutbare Härte, sondern lediglich um einen zumutbaren Mehraufwand – dem sich alle taz-Blogger übrigens vom ersten Tag an unterzogen haben. Und wenn hierdurch wertvolle Spontan-Diskussionen zerstört werden sollten, findet sich bestimmt jemand, der die Blogprogramme so umschreibt, dass der Betreiber zwischen vertrauenswürdigen Bekannten (deren Kommentare sofort freigeschaltet werden) und dem Rest der Weltbevölkerung unterscheiden kann.

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  • Es gibt noch eine weitere technische Lösung, die nach meinem Laienverständnis rechtlich sauber sein müsste: Autoren, Moderatoren oder Administratoren des Blogs müssen einen Kommentar innerhalb einer gewissen Zeitspanne (von z.B. einem Tag) als geprüft und für akzeptabel befunden markieren; bis dahin wird er sichtlich als ungeprüft markiert, aber trotzdem vorläufig angezeigt.

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