30.09.2007 von Detlef Guertler
Wenn wildgewordene Klimaschützer und schlagzeilensuchende Journalisten sich einen solchen Begriff aussuchen, ist das ganz alleine ihr Bier. Das stil- und geschmacklose Auf-eine-Ebene-Stellen von CO2-Produzenten mit Schreibtisch- und Triebtätern dürfte bei den Konsumenten solcher Begriffe auf so wenig Gegenliebe stoßen, dass es auch weiterhin das alleinige Bier des Begriffsbenutzers bleibt. Völlig zurecht tauchen auch nur extrem wenige Treffer bei Google auf.
Umso erschütterter war ich, auf klassenarbeiten.de auf eine real existierende Klassenarbeit für eine Realschule der 8. Klasse im Fach Wirtschaft zu stoßen, bei der eine Aufgabe lapidar hieß: “Fülle die Tabelle aus:
Treibhaustäter Das sind ihre Taten So tragen sie zum Treibhauseffekt bei
Widerlich.
Ganz unten auf der Seite fragt klassenarbeiten.de im Rahmen der “Aktion fehlerfreie Lösungen” treuherzig: “Hast du einen Fehler in dieser Lösung gefunden? Dann melde ihn uns bitte sofort, viele andere Schüler sind dir dankbar.” Ganz abgesehen davon, dass man in diesem Fall eher melden… weiter lesen
29.09.2007 von Detlef Guertler
Das Schöne am Deutschen ist, dass man durch die Kombination zweier bisher überhaupt nicht zusammen auftauchender Wörter ein neues Wort schöpfen kann. So wie Ben Schwan in der gestrigen Online-taz: “Gute Programmierer sind kaum noch zu finden und das Branchen-Gossip-Weblog “Valleywag” schreibt ironisch, dass es auf High-Tech-Branchentreffen seit dem Jahr 2000 nicht mehr so viele verschiedene Käsesorten gegeben habe: “Das Käsebarometer sagt, dass man jetzt loslegen sollte, bevor die Chancen überreif sind.”"
Der englische Ausgangstext ist zwar korrekt zitiert, enthält aber logischerweise kein Neuwort, da “cheese barometer” zwei Wörter sind. Dummerweise wird sich allerdings das Käsebarometer als deutsches Neuwort nicht durchsetzen können, da sich in Mitteleuropa Buffets generell durch hohe Käsedichte auszeichnen. Anzeichen für Marktüberhitzungen müssen wir also weiterhin woanders suchen.
28.09.2007 von Detlef Guertler
Wenn Blasen platzen und Kurse oder Preise langsam oder schnell, aber sicher nach unten gehen, stellt sich den Investoren auf dem Weg Richtung Süden immer wieder die Frage: Sind das jetzt schon wieder Einstiegskurse? EM.TV ist doch schon von über 100 auf 80 gefallen, das kann doch kaum noch schlimmer kommen. Bei 60, bei 40 und bei 20 gab es das gleiche Argument, und immer wieder stiegen Aktionäre neu ein – aber der Boden war erst bei Eins Komma Irgendwas erreicht.
“Greife nie in ein fallendes Messer”, sagt dazu eine alte Börsenweisheit. Und weil wir gerade wieder einigen Märkte haben, an denen Blasen platzen (z.B. Immobilienmärkte in USA, England und Spanien), und da wir in den kommenden Monaten noch ein paar weitere davon bekommen werden (hier einen beliebigen Aktienmarkt Ihrer Wahl einsetzen), wird es Zeit, den Optimisten, die jeweils gerade an ein Ende des Kursrutsches glauben, den Ehrentitel “Messergreifer” zu… weiter lesen
27.09.2007 von Detlef Guertler
Das ist wieder mal typisch deutsch: Für den “Exportschlager” findet Google 244.000 Treffer, für den “Importschlager” gerade mal 1.720. Wir sind so dermaßen stolz auf unsere Exportweltmeisterschaft, dass wir ganz vergessen, dass wir den anderen da draußen auch was abkaufen müssen, damit die sich unsere ganzen schönen Exportartikel auch leisten können. Mit unserer chronisch positiven Leistungsbilanz (außer im Einheitskaufrausch 1990/91), in der wir uns nur von den Chinesen und Japanern übertreffen lassen, haben wir die armen Amerikaner geradezu gezwungen, sich hemmungslos zu verschulden – als “Importer of last resort”.
Da den Amis ihre Schulden gerade um die Ohren fliegen, und die Briten und die Spanier in Kürze folgen werden, müssen wir schleunigst damit anfangen, die Weltmärkte leerzukaufen, damit die Weltwirtschaft nicht völlig zusammenbricht. Wenn wir es jetzt nicht tun, sondern lieber auf unseren Ersparnissen sitzenbleiben, bleibt den Amis gar nichts anderes übrig, als sich durch einen Dollar-Absturz und/oder eine Hyperinflation von… weiter lesen
25.09.2007 von Detlef Guertler
“Firmen sprechen wieder Deutsch” verkündete uns letzte Woche die FTD: “Lag der Anteil englischsprachiger Slogans 2000 noch bei fast 30 Prozent, so waren es 2006 nur noch 18,7 Prozent.”
Vermutlich ist diese Aussage nicht ganz richtig, da sie sich offenbar auf die Studie “Werbetrends 2007″ bezieht, die von slogans.de und dem Trendbüro bereits im August 2006 publiziert wurde und aus dem Jahr 2006 logischerweise nur die Slogans des ersten Halbjahrs berücksichtigen konnte.
Aber dabei regt den Wortisten viel weniger auf, dass die FTD sich auf eine mehr als ein Jahr alte Studie stützt, um einen vom Autor gerade entdeckten Trend zu belegen – so etwas ist für Journalisten ganz normal. Ärgerlich hingegen ist, dass diese Studie bereits zwei Monate auf dem Markt war, als im Oktober 2006 Mathias Schreiber im Spiegel den Untergang des Deutschen in anglizistischer Soße faktenfalsch verkündete.
Besänftigend wirkt dagegen, mit welchen… weiter lesen
24.09.2007 von Detlef Guertler
Doch, Meister Kachelmann, eine nette Vierwortkombination, die Sie uns da gestern abend aufgetischt haben. Den ganzen heutigen Tag dürfte sich Deutschland in rilkigen Herbstgefühlen gebadet haben, den letzten Sommertag des Jahres mit einer Portion Vortrauer genießend – oder wie sonst heißt das Gegenteil von Vorfreude? Wer immer Sie gehört hat gestern, konnte keinen Zweifel an der Endgültigkeit des Jahreszeitenwechsels haben.
Damit fährt man allemal besser als Marbella am vergangenen Freitag. Dort entnahm ich zum Frühstück dem Wetterbericht der Zeitung eine vorwiegend sonnige Tagesprognose, sah aus dem Fenster schauend eine schwarze Wolkenwand über dem Mittelmeer heranziehen, aus der sich prasselnd Hagelkörner entluden, die in Deutschland wohl “taubeneigroß” genannt würden, in Marbella aber stilecht als “golfballgroß” eingestuft wurden. Am Tag darauf stellten die Zeitungen übereinstimmend fest, dass damit der Sommer zu Ende gegangen sei. Netter wäre es sicherlich gewesen, ihnen wäre das schon einen Tag vorher eingefallen. Herr Kachelmann, übernehmen Sie?
23.09.2007 von Detlef Guertler
von Polyphem
Am 17.06.2007 machte der Wortist hier die Agflation zum Thema.
In der taz vom 21.09.2007 schreibt Bernward Janzing über einen weltweit starken Anstieg von Preisen
Janzing wagt die These, dass die weltweite Ökonomie den Grenzen des Wachstums nahe kommt und macht dafür die Nachfrage nach Rohstoffen, die nicht ausreichend bedient werden kann, verantwortlich. Dadurch wird der jahrhundertealte Glaube, der als Gewissheit galt, dass die Herstellung von größeren Mengen der gleichen Güter aufgrund der erzielten Kostendegression zwangsläufig immer zu sinkenden Preisen führt, erschüttert. Das System funktionierte nur bei grenzenloser Verfügbarkeit von Rohstoffen und Energie. Dieser Automatismus scheint durchbrochen und wir erleben drastische Preissteigerungen nicht nur bei Lebensmitteln. Die Agflation ist nur Teil einer weltweiten Knappflation.
Was nicht klar ist, und hier kann der Volkswirt Guertler vielleicht ein qualifiziertes Urteil abgeben, ist Folgendes: Sind die Vorkommen von Energie und einigen Rohstoffen wirklich (fast) erschöpft, so… weiter lesen
22.09.2007 von Detlef Guertler
Ein hübsch geschöpftes Wort des nicht nur seiner sprachlichen Originalität wegen hoch geschätzten FTD-Chefökonomen Thomas Fricke für das, was sich seit der US-Zinssenkung vom Dienstag an den Finanzmärkten abspielt. Obwohl der Dollar bereits ein historisches Tief erreicht hat, bestehe weiterhin ein “kolossales Absturzrisiko” für die US-Währung, für das vor allem die Europäer die Zeche zahlen dürften, da die Asiaten versuchen, ihre Währung dem Dollar folgen zu lassen.
Ob die Asiaten wirklich folgen werden, sei dahingestellt. Beim sehr weltrezessionistischen Blog von Prof. Nouriel Roubini, dem ich seit einigen Tagen höchst interessiert folge, wurde genau dies bezweifelt – unter anderem hätten erstmals überhaupt die Saudis sich geweigert, für ihre Währung die US-Leitzinssenkung mitzumachen, und begännen so, sich vom Dollar abzukoppeln.
In jedem Fall handelt es sich diesmal wohl nicht um ein Dollarbeben (wie 1925 schon einmal der Titel eines Buches von Heinz Reiss hieß), sondern globalisierungsmäßig eben um… weiter lesen
22.09.2007 von Detlef Guertler
Im Internat naht der Ernst des Lebens. Die Weihnachtsfeier wird traditionell als “Formal Dinner” abgehalten. Also mit Tischpartner. Und zwar vom anderen Geschlecht. Und die Jungen müssen die Mädchen ansprechen, ob sie Tischpartnerin werden wollen. “Bei Leonie stehen die Jungs bestimmt Schlange”, kommentiert ihre Mutter das am heimischen Esstisch. Da ist die drei Jahre jüngere Lucie eingeschnappt: “Bei mir stehen sie bestimmt schlanger.”
Die Qualität dieses Arguments spielt an dieser Stelle natürlich keine Rolle. Aber der Gedanke, Schlange nicht als Substantiv zu verstehen, hat Charme. Klein geschrieben wäre schlange im Ursprungssatz ein Adverb (wie lange), das passende Adjektiv dazu wäre schlang, und ob der Komparativ jetzt schlanger oder schlänger heißen müsste, mögen hauptberufliche Grammatiker beurteilen.
Anwendungsmöglichkeiten für dieses neue Adjektiv gibt es in Hülle und Fülle. Ob an der Kinokasse oder beim Check-In am Flughafen, man muss nicht mehr “die Schlange ist mir zu lang” sagen, man kann kürzer und… weiter lesen
21.09.2007 von Detlef Guertler
von Wolfgang Wilhelm aus dem Allgäu:Gestern Morgen bei Antenne Bayern ging es um die IAA. Und da hatte Leiki (Wolfgang Leikermooser) mal wieder einen frauenfeindlich Kommentar auf Lager (sinngemäß: “Einparkhilfe brauchen eh’ nur Frauen”).
Gestern Abend bei Antenne Bayern hatte daher eine Hörerin angerufen, um über den Leiki zu lästern.
Und dabei fiel ein Neuwort zum Thema Einparkhilfe: “Ich habe ja auch eine »Blondinenhupe«, die reagiert, wenn mir hinten ein Auto zu nahe kommt!”
Bei Google findet sich bislang noch nichts – weder die »Blondinenhupe« noch die Blondinen-Hupe.