Gesinnungsluxus
von Detlef Guertlervon polyphem:
Dieses Neuwort kreierte Hartmuth König aus Tübingen in einem Leserbrief an die taz: «Diese bis auf Weiteres unvermeidliche Realität – veränderbar nur durch bessere Entwicklungspolitik und bessere, insbesondere weniger korrupte afrikanische Eliten – verleugnet der pauschale Appell, Grenzen zu öffnen. Er ist Gesinnungsluxus, wenn man in keiner Verantwortung steht.»
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Gesinnungsluxus…ß
Ist hier die “Gesinnung” Luxus? – Oder besteht der Luxus in der Gesinnung?
Eine seltene Wortbildung als Gleichsetzung beider Begriffe?
Eine wahre Zusammen-Setzung?
Oder, morphologisch gefragt: Was ist Grundwort – was Bestimmungswort?
Also: die Gesinnung des (oder von…) Luxus’? – Oder der Luxus als Gesinnung?
Als Wortfügung: eine combinatio sematis?
Oder: ein “combibo” (m.)= Zechgenosse?
Aber da komme ich auf Abwege:
Bibo hieß das strohgelbe Federvieh in der Sesamstraße. – Und das hatte was mit “bibere” zu tun: trinken.
Ein Com-bibo ist ja ein Mittrinker, ein Säufer: ein Luxusgesinnungsgenosse.
Und wenn “man” nicht nur so fein freundschaftlich zusammen “trinkt”, so manierlich…; sondern ad exemplum: Aktien handelt – oder vor Börsennotierung darüber verhandelt, wer wan welche Aktien zu welchen Kurs anbieten oder zurückhalten darf?
Prosit!
Oder:
http://www.fotosearch.de/comp/IGS/IGS174/IS33019.jpg
Ist doch eigentlich gar nicht so kompliziert, oder?
Dass der Luxus darin liegt, dass der Autor des Kommentars, auf den sich der Leserbrief des Wortschöpfers bezieht, sich seine Gesinnung (in diesem konkreten Fall die Meinung, Europa müsse radikal seine Grenzen öffnen) leisten zu können, ergibt sich meines Erachtens nach recht eindeutig aus dem Kontext.
Wie im Deutschen üblich wird man auf der Suche nach dem Grundwort also auch hier ganz hinten fündig, so wie auch beim Schienenverkehr, der Bushaltestelle oder der Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitänsmütze (ich liebe dieses Beispiel…)
Darauf trink ich!