teilinnovativ
von Detlef GuertlerDass ein und dasselbe Blog mehrfach zu hier aufgegriffenen Neuwörtern führt, kommt häufig vor. Bislang noch nie kam es jedoch so weit, dass ein und derselbe Blogbeitrag das schafft. Aber irgendwann ist immer das erste Mal. Stefan Niggemeiers Bemerkungen vom 4. September über die Wortwahl von sieben Klimaskeptikern führten hier zum Apokalyptizismus. Und vier Tage und 202 Kommentare später beschwert sich der wieder mal äußerst dünnhäutige Klimaskeptiker Wolf Lotter: “Das nenne ich mal innovativ, Kollege Niggemeier, jedenfalls teilinnovativ.”
Teilinnovativ ist natürlich ein Widerspruch in sich. Da schon kleinste Neuerungen als Innovationen gelten (Butter jetzt auch dreieckig, Capri-Sonne-Trinkhalm jetzt in der Mitte festgeklebt), und für den Innovationsstatus mitnichten mehr als diese eine Kleinigkeit am bewährten Produkt geändert werden muss, ist eine Teilinnovation schlicht unmöglich. Weshalb das Wort teilinnovativ also nur als abfällige Lästerei eingesetzt werden kann - aber in dieser Verwendung ist es immerhin innovativ.





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[...] September 9, 2007 um 5:48 vormittags · Gespeichert unter Schulwissen, teilinnovativ, Altersweisheit, Robert Gernhardt, Tageblog, Blogwelt Wenn zwei Journalisten namens Lotter und Niggemeier sich mit Worten abwatschen, freut sich der Dritte namens Gürtler. Da fällt immer was ab und zumindest so erfährt die Bloggerwelt, was das absurde Wort teilinnovativ in jedem Falle ist … ein Grund für einen, ich nenne es mal so, teilinnovativen Beitrag. [...]
Die Polemiker, Spötter und Lästerer repräsentieren ja schon immer eine große Gruppe der Wort-Innovatoren. Und für sie sind Begriffe, die eigentlich unsinnig sind, besonders reizvoll. Schließlich soll die Unsinnigkeit, wie hier bei “teilinnovativ” angewandt, den Belästerten treffen oder auf diesen zutreffen.
Der Niggemeier-Blog, in dem Sie, lieber Wortist, zwei Neuigkeiten gefunden haben, ist übrigens sehr amüsant. Die Statements zum großen Teil nicht interessant, aber amüsant.
Sehr schön finde ich das dort von KommentatorIn Modran angeführte Karl-Kraus-Zitat: „Ich schnitze mir den Gegner nach meinem Pfeil zurecht.” sowie die Frage der Erkenntnis: “Sind wir nicht alle ein bisschen Karl Kraus?” Besser wurde das Verhalten von vielen Bloggern (zum Teil auch Journalisten
) und Verfassern von Blog-Kommentaren selten beschrieben.
Zum Schluss ein Lob für den Journalisten Detlef Guertler, der als Kommentator in dem erwähnten Niggemeier- Blog in gewohnter Gründlichkeit das Verhältnis Kraus vs. Békessy darstellt und dadurch “treffend” aufzeigt, dass Herr Lotter nach der Kraus-Methode sich seinen Gegner zurecht legt, damit er einen Pfeil, den er vielleicht schon vor langer Zeit geschnitzt hatte, endlich abschießen kann.