31.10.2007 von Detlef Guertler
Nachdem wir uns hier vor genau einem Jahr Gedanken darüber gemacht haben, wie Halloween auf Deutsch heißen könnte (man darf auch noch weitere Vorschläge äußern), ist es jetzt höchste Zeit, das dazu passende Verb zu erfinden. Wenn sich Kinder oder Kindische am 31. Oktober schminken und verkleiden, um andere Menschen zu erschrecken oder ihnen Geld oder Süßigkeiten abzupressen, so bezeichnen wir das in Zukunft als hällowihnen.
Und die Kinder und Kindischen heißen dann natürlich Hällowiener und Hällowienerinnen.
30.10.2007 von Detlef Guertler
SIV war lange Zeit eine harmlose, weithin unbekannte Abkürzung aus einer ganz speziellen Abteilung der Finanzwelt. Ausgeschrieben heißt SIV Structured Investment Vehicle, was auch noch nicht sehr spektakulär klingt. Vor gut drei Monaten hat sich das geändert. Seit Ausbruch der Welt-Kreditkrise Mitte Juli sind die SIVs das große Schwarze Loch der Finanzmärkte: von den Banken außerhalb ihrer Bilanzen geführte Zeitbomben, in denen für einige hundert Milliarden Dollar Forderungspakete liegen, hübsch verpackter Giftmüll aus US-amerikanischen Subprime-Hypotheken, Autofinanzierungen und Kreditkartenschulden. Allein die Citigroup hat etwa Papiere im Nominalwert von etwa 80 Milliarden Dollar in solchen SIVs liegen. Und weil keiner weiß, welcher Müll genau in den Paketen steckt, gibt es auch niemanden, der den Banken das Zeug refinanziert geschweige denn abkauft. Es ist, als sei man aussätzig.
Fortune-Redakteur Allan Sloan schlägt einen anderen Namen für diesen Zustand vor: SIVilis: “That’s a financially transmitted disease that could infect the world’s… weiter lesen
28.10.2007 von Detlef Guertler
Den politischen Gegner für geisteskrank zu erklären ist eine leider immer wieder zu beobachtende Taktik, die gerne von Diktatoren mit schrankenloser Verfügungsgewalt über die öffentliche Meinung eingesetzt wird. Wenn “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann, fast schrankenloser Herrscher über die öffentliche Meinung, seinen politischen Gegnern die von ihm neu erfundene Geisteskrankheit “Verständniswahn” unterstellt, setzt er sich ebenfalls einem diktatorischen Anfangsverdacht aus.
Das sollten wir prüfen, indem wir dem Wort zur Quelle folgen, etwa in seinem Beitrag in der Welt am Sonntag von letzter Woche: Dort schreibt Diekmann: “Statt eines Mindestmaßes an Skepsis herrscht bei denen, die in den Zeiten von Achtundsechzig groß, aber nicht erwachsen wurden, noch immer beliebiger Verständniswahn. Auch der ist ein Erbe von Achtundsechzig – der Wahn der Väter mit verändertem Vorzeichen: Wollte man damals die Welt wahllos totschlagen, will man sie jetzt wahllos umarmen.”
Diese Diagnose so zu stellen, heißt sie zu verneinen. Denn Diekmann kann sich… weiter lesen
27.10.2007 von Detlef Guertler
Unter Verschwörungstheoretikern und anderen Marktteilnehmern ist seit Jahren heiß umstritten, ob die Kurse an Wall Street eher vom Markt oder eher vom “Plunge Protection Team” (PPT) gemacht werden. Bei diesem soll es sich um eine streng geheime Arbeitsgemeinschaft von amerikanischen Top-Bankern, Zentralbankern und dem US-Finanzministerium handeln, die dafür sorgen soll, Wall Street vor einem Aktiencrash zu bewahren – indem sie mit Geld unbekannter Herkunft den Markt nach oben kauft, wenn die restlichen Anleger kalte Füße bekommen. Jedes Mal, wenn im Tagesverlauf die Kurse erst massiv einknicken und dann doch wieder in die Nähe des Ausgangsniveaus zurückklettern, halten viele das für ein Werk des PPT.
Ob es dieses Team tatsächlich gibt, ist wie gesagt zweifelhaft; und dass es, wie heute von mir in der “Welt” vermutet, Kalifornien angezündet hat, um auf diesem Weg die US-Finanzkrise zu lösen, ist noch viel zweifelhafter. Aber wenn es tatsächlich ein PPT geben sollte,… weiter lesen
26.10.2007 von Detlef Guertler
Pünktlich zum Start der neuen Dittsche-Staffel (Sonntag, 22.10 Uhr, WDR) verrät uns in der Welt Jon Flemming Olsen alias Ingo, was eigentlich in den Flaschen drin ist, die er Olli Dittrich jede Folge auf den Tresen stellt: “In den Bierflaschen ist eine Mischung aus Light-Bier und alkoholfreiem Bier. Sozusagen Viertel-Bier. Olli Dittrich trinkt ja eigentlich gar keinen Alkohol. Deswegen könnte er es sich nicht leisten, sich drei Biere in den Kopf zu gießen. Dittsche würde unter dem Tresen liegen, anstatt davor zu stehen.”
Es gibt zwar schon an die unendlich viele Biermixe im Getränkeregal, aber ein Light-Alkoholfrei-Mix ist meines Wissens noch nicht dabei. Was vermutlich nicht daran liegt, dass das Gesöff nicht schmecken würde (seit wann wäre das ein Hinderungsgrund für einen gewieften Marketingstrategen?), sondern am fehlenden Coolness-Faktor. Und dieses Problem ist ja hiermit ausgeräumt: “Dittsche’s Viertel-Bier – nach Ingo’s Original-Rezept” wäre doch echt ein hammercooles Getränk – absolut szenetauglich,… weiter lesen
25.10.2007 von Detlef Guertler
Ist das nicht schön? Sechs m’s, nur durch ein u unterbrochen, das die Abwärtstendenz der 18 m-Beinchen kontrapunktisch wendet. Hermann Unterstöger hat es für sueddeutsche.de erfunden, als Beschreibung für “den gar nicht so seltenen Fall, dass es ein Lamm an Mumm fehlen lässt”, nachdem ein Wettbewerb zum Einsenden hübscher neurechtschreibgerechter Tripelkonsonantenwörter offenbar nicht genug zitierenswerte Einsendungen brachte.
Aber wenn man erst mal das Wort Lammmummmangel gelesen hat, kommen einem die einfachen Tripelkonsonanter geradezu langweilig vor. Doppeltripelkonsonanter sind die eigentliche Herausforderung. Eine Herausforderung, die ich an Sie, liebe Leser, weitergeben möchte: Kennen Sie auch ein Wort mit zwei Dreifachkonsonanten – möglichst natürlich zweimal dieselben? Dann her damit! Und wenn Sie keins kennen: Erfinden Sie doch einfach eins – und dann erst recht her damit!
Wenn ich selbst den Anfang machen darf: Dass der Stalker auf deutsch Nachsteller heißt, wurde bereits mehrfach beschrieben. Aber da er seinen promineten Opfern… weiter lesen
25.10.2007 von Detlef Guertler
Wortistik-Leser Stephan van Löchtern ist bei Aldi auf ein neues Wort gestoßen, als er für seinen Sohn eine Mütze kaufte: “Sowohl auf dem Preisschild an der Mütze als auch auf dem Preisschild im Laden war Lizenzmütze zu lesen. Gemeint ist damit wohl, dass man eine Lizenz dafür zahlen musste, Mickey Mouse bzw. das Logo der New York Yankees auf diese Mützen zu bringen.”
Auch wenn es ganz vereinzelte Google-Treffer für Lizenzmützen gibt (vor allem aus Ebay-Auktionen), scheint es sich doch um ein höchst seltenes Orchideen-Wort zu handeln. Der Bedarf der Endverbraucher an diesem Wort wird sich sicherlich auch weiter in Grenzen halten: Wer Mickymaus-Mützen oder Donald-Duck-Krawatten kaufen möchte, geht dafür nicht in die Lizenzware-Abteilung; auch auf solche Textilien spezialisierte Boutiquen werden sich nicht als Lizenzilien-Fachgeschäft bezeichnen (für Lizenzilien gibt es denn auch noch gar keinen Google-Treffer).
Aber für den Groß- und Zwischenhandel könnte ein solches Wort, oder gar die entsprechende… weiter lesen
24.10.2007 von Detlef Guertler
vorgeschlagen von Polyphem:
Mit Namen macht man keine Witze. Bisher habe ich diese Regel (meistens) eingehalten. Aber als ich gestern hörte, dass der EuGH das VW-Gesetz bemängelt, kam mir der Verdienand in den Sinn. Laut Wikipedia ist “Ferdinand” altgotischen Ursprungs und bedeutet in etwa “kühner Beschützer”. Der “neugotische” Verdienand, den ich hiermit kreieren möchte, könnte dann ergänzend ein erfolg-reicher Ferdinand sein.
23.10.2007 von Detlef Guertler
Eröffnungsfeier für den fünften Jahrgang des Studienkollegs zu Berlin. 20 deutsche Studenten und 20 aus 13 weiteren europäischen Ländern kommen für elf Monate in der Hauptstadt zusammen, um parallel zur Fortsetzung ihres Fachstudiums in interdisziplinären Teams Projekte zu europäischen Fragen durchzuführen. Elitenbildung ganz ohne Exzellenzcluster, aber dafür mit Förderung der Studienstiftung des Deutschen Volkes und der Hertie-Stiftung.
Eine der 40, Monika aus Polen, erzählt von ihrem Projekt. Gemeinsam mit vier anderen untersucht sie den EU-Fast-Anrainerstaat Georgien, unter besonderer Berücksichtigung der dortigen Weinwirtschaft. Was das mit der EU zu tun habe? Na ja, die georgischen Weinanbauer brauchen neue Absatzmärkte, denn der traditionelle Hauptabnehmer Russland hat den Import von Mineralwasser und Wein aus Georgien verboten. Deshalb sind viele Weinbauern – wie sagt man auf Deutsch? – pleitiert.
Nein, Monika, auf Deutsch sagt man nicht “pleitiert”, sondern “Pleite gegangen” oder “haben Pleite gemacht”. Aber jetzt, wo du es sagst, fällt mir auf: Die… weiter lesen
22.10.2007 von Detlef Guertler
Sorry, sehr verehrte Heike Schmoll: Als Sie am 13. Oktober 2006 in Ihrer FAZ die erste Runde des deutschen Elite-Uni-Wettbewerbs “Exzellenzinitiative” dafür kritisierten, dass es sich hier nur um behauptete Exzellenz oder eben “Antragsexzellenz” handelte, ist mir dieses Ihr Neuwort leider nicht aufgefallen, obwohl Sie es doch sogar in die Überschrift Ihres Kommentars gesetzt hatten. Und leider hat auch nicht nur der Wortist das Wort nicht aufgegriffen, sondern auch sonst niemand – obwohl es doch wunderschön belegt, wie sich das gute alte Handwerk, durch kluge Antrags-Formulierung das Maximum aus einem staatlichen Fördertopf herauszuholen, aus seiner alten Domäne des Sozialministeriums in das des Bildungsministerium ausgedehnt hat.
Aber weil sich die FAZ im allgemeinen und Sie, Frau Schmoll, im besonderen nicht allzusehr darum scheren, wie lange der Rest der Welt braucht, um Ihren Einsichtsstand zu erreichen (es ist ja keine Frage des Ob, sondern nur des Wann), haben Sie uns… weiter lesen