suhrkampen

von Detlef Guertler

In der abfälligen Variante, als “versuhrkampen” also, taucht dieses Verb bisweilen auf, zuletzt in der vorletzten Vanity Fair, wo Willy Winkler den armen Bob Dylan davor retten wollte, “versuhrkampt und musealisiert zu werden”.

Mal abgesehen davon, dass man sich da um Bob Dylan keine großen Sorgen machen muss: Kann es nicht eigentlich auch etwas positives sein, wenn ein Künstler hochkulturfähig wird? Wenn er es aus der Galerie bzw. dem Eichborn-Verlag ins Museum bzw. die edition suhrkamp schafft? Sollten wir uns also nicht eigentlich darüber freuen? Und wäre dann nicht “suhrkampen” das richtige Verb für den Einzug in die Hochkultur-Sphäre?

Nicht? Dann bitte ich um bessere Vorschläge.


5 Kommentare zu "suhrkampen"

  1. Das wäre hübsch! Besonders deswegen, weil dann “absuhrkampen”, “besuhrkampen”, “entsuhrkampen”, “ersuhrkampen”, “mitsuhrkampen” oder “zersuhrkampen” auch sprechaktfähig würden.

  2. Schon Heinrich Heine liebte Campen. :-) Warum nicht auch Suhr-kampen?

  3. Sind kleine Autoren bei Eichborn denn eigentlich Eichbörnchen? ;)

    Wer will kann meine Kollegen und mich durchkonjugieren: Ich puste, Du pustest, er/sie/es pustet (Bücher Pustet)…

    Gruß aus dem Allgäu, W. Wilhelm

  4. apropos Campe: Aus der Sippe stammt auch Joachim Heinrich Campe. Sein Werk ist eine Schatztruhe für Wortisten und Worchäologen. Siehe auch
    http://taz.de/blogs/wortistik/2007/06/22/schalkernst/

  5. „… versuhrkampen“ – nein! Ein schniekes, aneberisches Verb, für angeblich Begrabene von der „Suhrkamp-Kultur“, ein Lackmuss-Test für Verlierer?

    *
    1941 hielt Peter Suhrkamp eine Rede für einen Freund:
    „AM GRABE OSKAR LOERKES“

    Er leitete sie ein mit einem Hölderlin-Zitat:

    „Größeres wolltest auch du, aber die Liebe zwingt
    All uns nieder, das Leid beugt gewaltiger,
    Und es kehret umsonst nicht
    Unser Bogen, woher er kommt.“

    „Diese Strophe Hölderlins kam mir in den Sinn, als mir die Nachricht durchgegeben wurde, daß der Freund, der Gefährte, der Helfer nicht mehr sei. Denn das alles war mir Oskar Loerke. Schon in der ersten Bestürzung meldete sich bald das Gefühl, daß nicht er der zu Beklagende sei, sondern wir, die wir nun unsern Weg weiter ohne ihn finden müssen. Und wenn ich das sage, denke ich gewiß auch an den unvergleichlichen Dichter und ehrfürchtigen Essayisten, gewiß auch an den Lektor des Verlages; seine prüfend-hegende und fördernde Arbeit, aber recht eigentlich gilt dieses Gefühl einem ganz seltenen Menschen. (…)
    (P.S.: Der Leser. Berlin und Frankfurt/M. 1960. BS. 55.S. 125)

    *
    Solch eine Sprache, solche Freundschaften gehörten zur Person, zum Lehrer, zum Lektor, dann zum Verleger (denn brecht ermöglichte) und zum Bücherfreund Suhrkamp, der Bauernsohn aus Kirchhatten bei Oldenburg war, seinen Eltern entkam und Lehrer wurde.

    Oskar Loerke ist, wie auch dessen Freund, der Lyriker Wilhelm Lehmann, unter die Auflagen-Räder des linkisch wissenschaftstheoretisch expandierenden Unseld-Betriebs gekommen, ich würde nie sagen: „versuhrk…“! Selbst Suhrkamp, ja: als Erzähler; siehe seinen Band “Munderloh”.

    “„Größeres wolltest auch du…”

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