20.10.2007 von Detlef Guertler
In der abfälligen Variante, als “versuhrkampen” also, taucht dieses Verb bisweilen auf, zuletzt in der vorletzten Vanity Fair, wo Willy Winkler den armen Bob Dylan davor retten wollte, “versuhrkampt und musealisiert zu werden”.
Mal abgesehen davon, dass man sich da um Bob Dylan keine großen Sorgen machen muss: Kann es nicht eigentlich auch etwas positives sein, wenn ein Künstler hochkulturfähig wird? Wenn er es aus der Galerie bzw. dem Eichborn-Verlag ins Museum bzw. die edition suhrkamp schafft? Sollten wir uns also nicht eigentlich darüber freuen? Und wäre dann nicht “suhrkampen” das richtige Verb für den Einzug in die Hochkultur-Sphäre?
Nicht? Dann bitte ich um bessere Vorschläge.
19.10.2007 von Detlef Guertler
Es war eine blödsinnige Idee, die Kür deutscher Elite-Universitäten “Exzellenzinitiative” zu nennen, weil man der guten alten lateinischen Elite nicht trauen wollte und überall auf der Welt Bürokraten aus Verwaltung und Wirtschaft “In Search of Excellence” sind, wie Tom Peters und Robert Watermans uralter Management-Bestseller hieß. Auf Deutsch heißt der Schinken übrigens “Auf der Suche nach Spitzenleistungen”, und mit Spitze und/oder Leistung hätte man bestimmt auch eine nette Initiative hinbekommen. Aber wer verlangt, dass die Förderungsanträge auf englisch eingereicht werden, kommt nun mal auf solche blödsinnige Ideen (zu letzterem gab es eine heftige, aber lehrreiche Diskussion im Bremer Sprachblog).
Nun gibt es diese Initiative aber nicht nur, sondern sie hat auch Ergebnisse geliefert, in Form von erst drei und jetzt nochmal sechs Gewinner-Universitäten, die natürlich niemand Exzellenz-Universitäten nennt, sondern Elite-Unis, wie sich das gehört.
Und weil es sich bei diesen neun (zu denen zu meiner großen Freude auch meine heimatliche… weiter lesen
17.10.2007 von Detlef Guertler
Leider ist auf der IBM-Webseite noch nicht der aktuelle Werbespot drauf, wo der Held (der Chef wird es ja wohl kaum sein) die Tür öffnet, und eine Hundertschaft Büromenschen beim Ideeisieren beobachtet: meditativ rumliegen und ebenso tiefschürfend wie ergebnislos denken.
Dafür, dass der Konzern jahrzehntelang mit dem Slogan “Think!” für sich warb, geht das ganz schön heftig an die IBM-Gene ran. Aber das Wort ideeisieren als Schmähkritik an pseudokreativem Geseiere würde mir schon gefallen. Es ist auch bislang noch praktisch überhaupt nicht anders verwendet worden: Nur ein gewisser Wilhelm Gunkel hat es im vergangenen Jahr einmal benutzt (PDF), um die Qualitäten des Werkstoffs Glas zu beschreiben: “Fast alle Werkstoffe sind für uns so transparent, so übermittelt, dass wir ohne Probleme mit diesem Werkstoff denken und ideeisieren können.” Aber das muss einen nicht weiter bekümmern, so dass das Ideeisieren zur freien Verfügung für Brainstorm-Workshops und ähnlich furchtbare Sessions steht.
Nett… weiter lesen
16.10.2007 von Detlef Guertler
Vor gut einem halben Jahr wurde hier die Verpowerdeutschung der Globalisierer-Sprache prognostiziert. Damals allerdings noch mit Fragezeichen: “Wird in Zukunft jeder globalisierte Manager, der etwas auf sich hält, ein paar deutsche Begriffe in seine Redebeiträge einflechten müssen, um hip zu sein – mal “zack-zack”, mal “Problemlösungskompetenz”, je nach Anlass?”
Doch ein gestern auf der Webseite des britischen Telegraph veröffentlichter Text bringt mich dazu, aus dem Frage- ein Ausrufezeichen zu machen. Dort heißt es:
“The easy way to play the game is through multinationals that generate a big chunk of their profits in the boom zones. Citigroup has advised rotating from “mid-cap” to “Uber-cap” stocks, which on average generate 23pc of sales in emerging markets. They cite AXA, BAT, Lafarge, Henkel, Nokia, Philips and Siemens, among others.”
Wenn man die nicht nur großen, sondern RICHTIG großen Großkonzerne meint, die mit der ganz besonders hohen Marktkapitalisierung (cap), dann… weiter lesen
15.10.2007 von Detlef Guertler
Nein, nein, natürlich wird es keine US-Steuergelder kosten, wenn jetzt die großen Banken einen 80- oder 100-Milliarden-Dollar-Fonds auflegen, um die Verunsicherung der Finanzmärkte in Zeiten der Kreditkrise zu überwinden.
Jetzt noch nicht.
Erst wenn sich herausstellt, hinter wie vielen faulen Krediten kein fleißiger Tilger mehr steckt, und man merkt, dass der Fonds viel viel größer sein müsste, wird der Staat einsteigen müssen.
So wie damals bei der Treuhandanstalt, als man am Anfang ja auch noch glaubte, dass aus den Erlösen des DDR-Volksvermögen die Sanierungskosten getragen werden könnten.
Weshalb der Kreditkrisenfonds wahrscheinlich besser Treuhandfonds genannt werden sollte…
14.10.2007 von Detlef Guertler
Oooch, schade. Kaum hatten die Zeitungen angefangen, sich neue Wörter für Ursula von der Leyens jugendliche Testkäufer auszudenken (die Schnaps-Spitzel der “Welt” gefielen mir deutlich besser als die Teenie-Spitzel und Lockspitzel in der taz), schon hat die Ministerin ihre Idee wieder in die Schublade zurückbefördert. Dabei wäre es bestimmt nett gewesen zu diskutieren, ob wir uns damit auf dem Weg in den braunen oder den roten Überwachungsstaat begeben.
Die Kiddies hätten sich scheckig gelacht, und den auf frischer Tat ertappten Wirt nur der Polizei gemeldet, wenn sein Schweigegeld niedriger ausgefallen wäre als die Belohnung der Familienministerin. Und ein paar Jahre später könnte man dann die Schnapsspitzelei als Ausbildung anerkennen – besser kann man sich auf den Job als Schutzgelderpresser ja wohl kaum vorbereiten.
13.10.2007 von Detlef Guertler
“Schreibt man das auf Deutsch jetzt so?”, fragt meine Frau und schiebt mir einen Artikel zu, in dem das Wort “Loser” steht. “Wieso ‘jetzt’? Wenn man dieses Wort schreiben wollte, musste man es schon immer so schreiben.” – “Aber das sieht doof aus. Außerdem liest man das automatisch mit o wie im Deutschen statt mit u wie im Englischen.” – “Sollte man also den Loser überhaupt nicht mehr schreiben? Oder wenn, dann mit u?” – “Das sieht aber auch blöd aus.”
Luser sieht nicht nur blöd aus, es ist auch blöd.
- Die IT-Freunde werden sofort aufjaulen, weil in ihrer Sprache der Luser schon belegt ist, sogar schon doppelt: einmal als ganz seriöse Abkürzung für den “local user”, einmal als abwertende Zusammenfügung von loser und user, da der Anwender da draußen grundsätzlich zu blöd ist, um die tiefschürfenden Genialitäten des Programmierers zu verstehen.
- Die Anglizistenfreunde unter uns werden sofort… weiter lesen
11.10.2007 von Detlef Guertler
“Zuerst dachte ich ja, mir würde etwas fehlen”, sagte die frisch gebackene Chefredakteurin beim Kaffee auf der Buchmesse, “wenn ich nicht mehr schreibe, sondern manage. Ich war doch seit Jahr und Tag in erster Linie Autorin. Aber ich merke, es fehlt mir nichts. So eine Schreibdiät kann ganz sinnvoll sein. Und ich glaube, ich kann später auch wieder mit dem Schreiben weitermachen. Am Anfang bestimmt etwas eingerostet, aber dafür vielleicht – erwachsener.”
Mal ganz abgesehen davon, dass bisher noch niemand auf das Wort Schreibdiät gekommen ist: Es ist auch noch niemand auf die Idee gekommen, eine Diät zu propagieren, die einen erwachsener macht. Wär doch eine tolle Marktlücke.
10.10.2007 von Detlef Guertler
Eine Meldung ist eine Meldung, zwei Meldungen sind ein Trend. Also geht der Trend ganz offensichtlich zur ideologischen Bank:
Die NPD will eine eigene Bank gründen.
Südamerikas Linkspräsidenten wollen eine eigene Entwicklungsbank gründen.
Natürlich sind Links und Rechts nicht dasselbe (wenn auch Hugo Chávez das Zeug hat, den halben Kontinent mit einem Eroberungskrieg zu überziehen), aber sie sind beide denkbar schlechte Geschäftsgrundlage für eine Bank. Das Geschäft, G in G’ zu verwandeln, verträgt keine Ideologien. Man kann eine Zeitlang Menschen und Projekte guter Gesinnung (einfacher gesagt: gute Freunde) mit Geld überschütten, aber wenn es ans Zurückzahlen der Kredite geht, entscheidet nicht die Gesinnung, sondern der Geldbeutel, und wenn der oft genug leer ist, hat die Bank ihr Gründungskapital verzockt und verschwindet wieder.
Insofern kann man sich eigentlich nur wünschen, dass die NPD das Kapital für eine Bankengründung zusammenbekommt, weil es höchstwahrscheinlich im Bankgeschäft vernichtet wird. Den Latinos hätte man hingegen… weiter lesen
09.10.2007 von Detlef Guertler
von Wolfgang Wilhelm aus dem Allgäu:
Dirk Maxeiner wollte über das Buch »Im Norden stürmische Winde« nicht so viel schreiben, da bin ich einfach dem Link gefolgt und habe die Kurzbeschreibung dazu gelesen
Und dabei fiel mir ein Wort auf, welches im Genitiv schon verbreiteter ist als im Nominativ: Der »Verhinderungsvogel« liefert zwei Treffer; […] »Verhinderungsvogels« immerhin schon acht Treffer.
Ach ja, gemeint ist der Wachtelkönig – doch werden Kammolche & Co. mindestens genauso oft für solche Aktionen verwendet. Und wenn sie dafür erst aufgetaucht werden müssen… 