Produktparlament

von Detlef Guertler

Na gut, ich bin parteiisch. Ich habe selbst (mit ein paar Kumpels) meine 96 Thesen zur Wirtschaft im 21. Jahrhundert verfasst und bereits 2001 in Net-Business veröffentlicht (zur Rekonstruktion), da bin ich naturgemäß seeeehr skeptisch, wenn sich Newest-Economy-Darsteller Sascha Lobo an zehn Thesen zur Zukunft des Internets versucht.

Aber auch wenn ich unparteiisch wäre, wären die Lobo-Thesen immer noch grenzdämlich. Nach der ersten These hätte ich mit dem Lesen aufhören sollen: “TV und Print wird es immer geben. Schallplatten gibt es ja auch noch. Das Netz löst sämtliche anderen Medienformen bis auf das Buch und buchähnliche Zeitschriften ab.” Kann mir irgend jemand sagen, was die Aussage dieser drei Sätze sein soll? Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich um eine Prognose von der Aussagekraft eines Brigitte-Horoskops handelt?

Und die Misshandlung von Logik und Syntax geht leider in einem fort so weiter. Hat Sascha Lobo da was Falsches geraucht, oder ist der immer so? Erbärmlich!
Immerhin: In der vierten These ist das Wort Produktparlament eine echte Neuschöpfung. Dafür ist der Nachsatz wieder eine Vergewaltigung des Deutschen: “Technologie verschiebt sich von Hardware zu Software und werden so von den Nutzern immer besser angepasst.” Setzen, Sascha – Sechs! Und wenn du dich nochmal am Thesenschreiben versucht, lass vorher jemand korrekturlesen. Danke.


3 Kommentare zu "Produktparlament"

  1. Den Vorwurf mit dem Korrekturlesen nehme ich hiermit zurück. Felix Schwenzel von wirres.net hat Sascha Lobos 10 Thesen bei einem Vortrag mitgeschrieben und den Mitschrieb veröffentlicht. Eventuell auftretende Rechtschreib- oder Grammatikfehler sind also Schwenzels geistiges Eigentum.
    Die Denkfehler hingegen gehen vermutlich eher auf Lobos Konto. Möglicherweise hilft hier Schwenzels Eindruck weiter, dass These 1 beim Vortrag noch so schön überzeugend rüberkam, aber beim Aufschreiben denn doch irgendwie merkwürdig klang. Kann es sein, dass Lobo Spezialist im Formulieren von Sätzen ist, die beim ersten Hinhören wie furchtbar tiefsinnige Gedanken klingen, beim Aufschreiben aber in Belanglosig- und Widersprüchlichkeiten zerfallen?

  2. (Zitat): Frage des Wortisten:

    “Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich um eine Prognose von der Aussagekraft eines Brigitte-Horoskops handelt?…”

    Ich würd’ eher analogisieren, dass es sich um so etwas Feines und Freisinniges wie ein Hunde-Horoskop handelt, wovon ich – na, eben im Internet – bello-mäßig entzückt vernahm.

    Wohl ein Wau-Thema für Senioristen:

    http://community.seniorentreff.de/forum/index.html?mode=po_view&th_id=38295

  3. Pingback: Wortistik » Blog Archive » Technikschlingel

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