Sprachnörgler

Leider kann ich mich an den Diskussionen beim hoch geschätzten Bremer Sprachblog nicht mehr direkt beteiligen, da meine IP-Adresse in Spanien vom dortigen Server regelmäßig als unfreundlich identifiziert wird und sämtliche Kommentarversuche abprallen. Aber wenn sich aus Debatten dort ein Neuwort ergibt, findet sich ja auch hier ein Plätzchen dafür.
So auch bei dieser Debatte um das Unbehagen daran, als aufrechter Sprachbeobachter und bisweilen auch -kritiker mit Spießern wie Bastian Sick in einen Topf geworfen zu werden. Denn vielleicht ließe sich dieses Unwohlsein mit einer kleinen Erweiterung des deutschen Wortschatzes beheben: Man unterscheide zukünftig zwischen (konstruktiven) „Sprachkritikern“ und (destruktiven) „Sprachnörglern“, und schon sind Sick und Konsorten wegdefiniert.
Das lässt sich übrigens nicht nur für die Sprache, sondern auch für alle anderen großen Begriffe so handhaben. Es gibt Demografie-Nörgler (wie Herwig Birg und Konrad Adam), Partei-Nörgler (wie Hans-Herbert von Arnim) und Globalisierungsnörgler (wie Naomi Klein), die sich jeweils ebenso deutlich wie negativ von den entsprechenden -kritikern abheben.

Kommentare (15)

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  7. Wo, bzw. als was wollen wir H-O-H (Hans-Olaf Henkel) einsortieren? Ich empfand ihn (empfinde ich ihn noch? – Wo ist er nach dem Ende von „Sabine Christiansen“ nur geblieben?) oft als „globalen Deutschlandnörgler“. Und kaum sind Henkel und Christianen vom Schirm, schon blüht Deutschland auf. Das kann doch kein Zufall sein. :-)

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  9. @A.S. Reyntjes: Als eingefleischter Wirtschaftsjournalist
    a) werde ich den Teufel tun, einen Sick dafür zu schelten, dass er es schafft, mit launigen Büchern und Vorträgen zur deutschen Sprache Geld zu verdienen. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass zu einem Sprachenfreund-Image, wie er es ursprünglich auch hatte, ein Buch wie Happy Aua so ganz gar nicht passt – das ist philiströse Häme über den Splitter im Auge des anderen.
    b) gebe ich sofort und unumwunden zu, dass hier Literarisches kaum zur Kenntnis genommen wird, obwohl dort über viele Jahrhunderte die Sprache am nachhaltigsten gepflegt und geprägt wurde. Ich bin nun mal ein fast reinrassiger Zeitungs- und Sachbuchleser, Belletristik jeder Art überlasse ich gerne anderen. Für Anregungen und Neuworte aus diesem Bereich bin ich deshalb ebenso ausdrücklich wie jederzeit offen. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die deutsche Sprache am eindrücklichsten durch Printmedien geprägt wurde (v.a. natürlich den Spiegel), und dass jetzt einfach noch nicht raus ist, ob die Kakophonie der Blogosphäre eine nachhaltige Wirkung auf die Sprache haben wird.
    So wie noch nicht raus ist, ob das sehr hübsche Neuwort in Ihrem Kommentar den Weg in den deutschen Wortschatz finden wird. Aber irgendwann nach dem Frühstück wird es bestimmt den Weg in die Neuwort-Abteilung der Wortistik finden. Um welches Wort es sich handelt? Dreimal dürfen Sie raten.

  10. ‚Sick‘ für einen Sprachnörgler zu halten, ist eine Foren- oder BLOG-Nörgelei, keine Sprachkritik, kein Kulturhype.

    Man kann an einigen seiner Methoden ein Weniges kritisieren; aber er hat Sprachlust und -bewusstsein entdeckt oder aufgenommen, und er befördert sie anständig et recte; dass er kein Lichtenberg, kein Kraus, kein Canetti, kein Kerr, kein Jens ist, das verhilft ihm ja auch zum respektablen Erfolg, den man für Schüler und Studenten nutzen kann.

    Dass er spektakelig & pekuniär in der Kategorie „Otto“ mitspielen will, sollen die zahlen, die in diese Shows laufen.

    Vom alten, misswütigen K.K.: (… ein teils verlogenes Credo):
    „Ich
    lese keine Manuskripte und keine Drucksachen,
    brauche keine Zeitungsausschnitte,
    interessiere mich für keine Zeitschriften,
    begehre keine Rezensionsexemplare und versende keine,
    bespreche keine Bücher, sondern werfe sie weg,
    prüfe keine Talente,
    gebe keine Autogramme […]
    besuche keine Vorlesungen außer den eigenen […]
    erteile keinen Rat und weiß keinen,
    mache keinen Besuch und empfange keinen,
    schreibe keinen Brief und will keinen lesen und
    verweise auf die völlige Aussichtslosigkeit jedes Versuchs, mich zu irgendeiner der hier angedeuteten oder wie immer beschaffenen, schon in ihrer Vorstellung meine Arbeit störenden, mein Missbehagen an der Außenwelt mehrenden Verbindungen mit eben dieser bestimmen zu wollen, und habe nur noch die Bitte, die auf alle derlei Unternehmungen vergeudeten Porto- und sonstigen Kosten von jetzt an der Gesellschaft der Freunde Wien I, Singerstraße 16, zuzuwenden.“

    (Bei F. Weigel: Kraus oder die Macht der Ohnmacht. S.86)

    Die wichtigen Sprachdenker arbeiten und lassen sich anderswo drucken und lesen – und werden für die nächsten Generationen erhalten bleiben, im gedruckten Medium: z.B. Dieter E. Zimmer.

    Auch hier beim WORTISTEN werden sprachliche Fall- oder Abfall-Produkte auch eher als SPAM untersucht, nicht historisch oder sprachgeschichtlich analysiert.

    Literarisches wird hier kaum zur Kenntnis zu genommen. Und von dort wird Sprache in die Jahrhunderte tradiert; nicht von den Politikern und BWLern und marktgierigen Viel-BLOGern aus; ja, wegen der ollen Schule und der vielerorts tollen Uni.

  11. Jetzt darf ich wieder computern. In Sachen v. Arnim halte ich mich mal nur an Wikipedia und die dort aufgeführten Zitate: „Das Grundübel unserer Demokratie liegt darin, dass sie keine ist. Das Volk, der nominelle Herr und Souverän, hat in Wahrheit nichts zu sagen.“ Und: „Das ständige Patt zwischen Bundesrat und Bundestag sorgt heute für ein extremes Übergewicht der organisierten Interessen, die nur die Opposition für sich gewinnen müssen, um jede Reform zu blockieren. Das ist ein wunderbarer Nährboden für Lobbyisten.“
    Quellen und Jahreszahlen für die Zitate sind nicht angegeben (das letzte stammt bestimmt nicht aus der Zeit der Großen Koalition), beide stehen aber für v. Arnims Kernkompetenz, das Schüren von Ressentiments gegen a) die Parteien, b) das Geld und c) das Geld in der Politik. Das ist Nörgelei pur.
    Handelte es sich bei Haha von Arnim nicht um einen Nörgler, sondern um einen Kritiker, so hätte er sich garantiert einmal mit dem berühmten Lobbyisten-Zitat John F. Kennedys auseinandergesetzt: „Die beste Möglichkeit für einen Politiker, sich umfassend über ein Thema zu informieren ist es, alle beteiligten Lobbyisten zu hören.“ Sollte einer der hiesigen Arnim-Fans einen Beleg für eine solche Auseinandersetzung vorweisen können (v. Arnim muss sich ja nicht Kennedys Meinung anschließen, sondern sich nur damit auseinandersetzen), so bin ich gerne bereit, Haha von Arnim aus dem Status des Parteinörglers wieder in den des Parteikritikers zu versetzen.

  12. Ja, sowas schärft Sinne und Denken und macht den Alltag spannend.

    MfG

  13. @Wolfgang Hömig-Groß: Es gibt ja auch Leute, die Herwig Birg für einen seriösen Demographen oder Hans-Werner Sinn für einen seriösen Ökonomen halten. Darüber lässt sich im Einzelfall hervorragend streiten: Ein Konflikt darüber, ob eine bestimmte Kritik ernst zu nehmen ist oder nur Nörgelei darstellt, ist schließlich eine großartige Gelegenheit, Standpunkte zu klären und Meinungen zu schärfen. Weshalb ich eigentlich jetzt einen Streit über Haha von Arnim anzetteln sollte, aber gerade von meiner Frau vom Computer vertrieben werde. Na, dann vielleicht ein andermal.

  14. @Rick: genau. Ich würde nämlich H.H. von Arnim trotz seines manchmaligen Feuers nicht zu den Nörglern rechnen.

  15. Was Nörgeln ist, Schmäh oder Kritik, darüber dürften die Meinungen noch nicht gleichgeschaltet sein.

    MfG