20.11.2007 von Detlef Guertler
Aus gegebenem Anlass sei vor zwei Missverständnissen gewarnt.
Der Anlass: Die Überschrift
Beckenbauer nimmt “Wutredner” Hoeneß in Schutz
die in verschiedenen Meldungen heute auftauchte.
Erstes Missverständnis: Beckenbauer hat Hoeneß “Wutredner” genannt. Nein, hat er nicht. Zumindest gibt die Meldung des Sportinformationsdiensts (sid), auf die sich die Überschrift bezieht, keinen Beleg dafür. Man könnte zwar eigentlich meinen, dass die Überschrift Beleg genug wäre, aber da im Meldungs-Text ausführlich Beckenbauer zitiert wird, aber nirgends im Zitat das Wort Wutredner auftaucht, handelt es sich offenbar nicht um Zitat-Anführungszeichen, sondern um Ironie-Anführungszeichen: Dem sid-Journalisten kam es besonders witzig vor, Uli Hoeneß Wutredner zu nennen, aber weil er seinem Witz nicht traute, hat er es eben in Anführungszeichen gesetzt. Auf diese Weise hat er sich nicht nur als Schlappschwanz geoutet, sondern auch noch Beckenbauer ein Zitat untergeschoben, dass der gar nicht gesagt hat. Handwerklich katastrophal.
Zweites Missverständnis: Wutredner sind Hassprediger. Ganz verkehrt. Denn… weiter lesen
19.11.2007 von Detlef Guertler
Stefan Niggemeier fremdelt immer noch ein wenig mit dem Blogpapsttum. Anstatt sich wie die Eiche zur Sau zu verhalten, wenn offenbar schwer übernächtigte Blogger ihm Meinungsmonopolismus vorwerfen, ruft er um Hilfe:
„Meinungsmonopolismus” ist nicht nur als Vorwurf albern, sondern auch als Wort schön. Herr Guertler, übernehmen Sie?
Aber gerne. Aber anders. Schließlich fanden wir damals, 1968ff, den Vorwurf überhaupt nicht albern, dass der Springer-Konzern Meinungsmonopolismus betreibe. Und auch später, 1986ff, tauchte dieser Vorwurf immer wieder im Zusammenhang mit Silvio Berlusconi auf. Dankenswerterweise war der Vorwurf immer umstritten, aber beide Beispiele machen klar, dass ein Monopolismusvorwurf der Meinungsäußerung immer dann einen gewissen Berechtigungsgrad haben kann, wenn auch ein Monopolismusvorwurf im Meinungsgewerbe geäußert werden kann. Das wiederum lässt sich nun Stefan Niggemeier wahrlich nicht nachsagen.
Wegen dieser sehr ökonomischen Konnotation des Monopolismus wird deshalb von Kritikern mainstreamiger Meinungen häufiger auf der politischen Ebene kritisiert: Es werde Meinungs- oder… weiter lesen
18.11.2007 von Detlef Guertler
von Wolfgang Wilhelm aus dem Allgäu:
Vor ein paar Wochen hatte ich im »Autobahn-Forum« eine kleine Diskussion über das »Kurvenverhalten auf anderen Himmelskörpern« gestartet. Der Benutzer »Alqaszar« meinte dann, dass auf dem Mond selbst eine Ente mit 200 unterwegs sein könnte, woraufhin ich den faltbaren »Mond-Trabbi« ins Spiel brachte.
Immerhin: Zwei Treffer finden sich bei Google schon.
17.11.2007 von Detlef Guertler
In der Online-Welt von dem Brief der Dumpfköpfe von PETA an Mario Gomez gelesen, der sich gefälligst beim Torjubel nicht mehr wie ein Torero benehmen soll – oder wenigstens “seine Stierliebe beteuern”.
“Stierlieb ist doch ein hübsches Adjektiv”, sage ich zu meiner Frau. “Das ist doch nur was für weichgespülte Machos”, antwortet sie. Also frage ich Sie, liebe LeserInnen: Sollte man Menschen, die nett zu Stieren sind, stierlieb nennen? Oder doch eher Kerle, die sich zwar manchmal wie ein Stier benehmen, aber doch eigentlich ganz nett sind? Oder verwendet man das Adjektiv lieber gar nicht und überlässt es den Leuten vom Stierschutzverein?
16.11.2007 von Detlef Guertler
Natürlich ist der Kollege Oliver Gehrs zur Stefan-Aust-Demontierung auch über die bereits im vorigen Eintrag zitierten Medien hinaus ein gefragter Autor bzw. Gesprächspartner. So hat er sich beispielsweise inhaltlich durchaus ähnlich in einem taz-Beitrag und in einem n-tv-Interview zu Aust, dem Spiegel, den Zeitläuften und Matthias Matussek geäußert. Matussek, einem hier in diesem Blog gern gesehenen Stichwortgeber, wird von Gehrs dankenswerterweise Hosenträger-Journalismus vorgeworfen. Angesichts der vielen Säue, die sich bereits an der deutschen Eiche Matussek gerieben haben, ist es erstaunlich, dass keine von ihnen vor Gehrs auf dieses Wort gekommen ist – offenbar auch Gehrs nicht, der sich ja auch nicht das erste Mal mit Aust, dem Spiegel, den Zeitläuften und Matthias Matussek beschäftigt.
P.S.: Von den beiden verwendeten Schreibweisen, zusammen und gekoppelt, bevorzuge ich aus drei Gründen die gekoppelte: Erstens weil es so in der taz… weiter lesen
16.11.2007 von Detlef Guertler
Also wirklich, man glaubt es nicht, wie tief der deutsche Journalismus schon gesunken ist. Nicht nur, weil Giovanni di Lorenzo ernsthaft als Nachfolger von Stefan Aust als Spiegel-Chefredakteur gehandelt wird, und auch nicht nur, weil ein ansonsten durchaus pfiffiger Kollege wie Oliver Gehrs sich in seinem Aust-Nachruf die Blöße gibt, das Wort “Hintersassen” vorher nicht gekannt zu haben (“…ließ er seine Hintersassen (copyright Kurt Kister, „Süddeutsche Zeitung”) unterirdische Titel produzieren…”), sondern natürlich auch, weil weder Gehrs noch Kister gemerkt haben, dass es hier gar nicht um Hintersassen geht, da es sich bei Hintersassen um im Prinzip freie Bauern handelt, die allerdings in einem klaren Abhängigkeitsverhältnis von ihrem Grundherren stehen – und da beim Spiegel selbstverständlich keine freien Journalisten, sondern nur Angestellte beschäftigt werden, handelt es sich nicht um Hintersassen, sondern um Knechte, wogegen der Begriff Hintersassen heute verwendet eher auf diejenige Personengruppe zutreffen würde, die man “Scheinselbständige” nennt.… weiter lesen
15.11.2007 von Detlef Guertler
Im Textileinzelhandel gibt es diesen Begriff natürlich schon länger: Auf den Hosenhänger werden im Geschäft Hosen gehängt. Als Pater Axel Bödefeld, Internatsleiter des Jesuiten-Gymnasiums St. Blasien im Hochschwarzwald, heute vom Hosenhänger sprach, meinte er etwas ganz anderes: Schüler, die mit in den Kniekehlen hängenden Hosen durchs Leben schlurfen. Die versammelten Pädagogen auf der Mainzer Tagung zu “Hochbegabtenförderung und Elitenbildung im Gymnasialbereich” verstanden sofort und nickten seufzend. Auch außerhalb des Gymnasialbereichs sollte dieser Begriff schnell und breit verständlich sein.
Wobei der Jesuitenpater das mit der Beinkleiderordnung durchaus sportlich nimmt. Als er vor einigen Tagen auf dem Internatsgelände den beschriebenen Hosenhänger zu einer Anhebung der Hose aufforderte, habe der ihm nämlich geantwortet: “Lieber Hose runter als Kragen hoch”. Was allen auf der Tagung anwesenden Kennern von Eliteinternats-Gedünkel ein verstehendes Lächeln auf die Gesichter zauberte – und Bödefeld dazu brachte, nicht weiter auf seiner Forderung zu insistieren.
14.11.2007 von Detlef Guertler
Das Gegenteil von Kosten sind Erträge. Das Gegenteil von Nutzen ist Schaden. Also wäre es doch eigentlich logisch, wenn wir nicht von einer Kosten-Nutzen-Rechnung, sondern von einer Schaden-Nutzen-Rechnung reden würden, wie es die taz heute in Sachen Müntefering-Rücktritt tut.
Aber Sprache ist nun mal nicht logisch: Für die Kosten-Nutzen-Rechnung gibt es bei Google 67.400 Treffer, für die Schaden-Nutzen-Rechnung gerade mal 10 – und davon sind 3 schon für den heutigen taz-Text. Ein bisschen mehr Abwechslung wäre hier dringend geraten. Und sei es nur, um dem Leser einen jener Stolpersteine zu bieten, die im täglichen Wortbrei ein kleines Aha-Erlebnis bringen.
13.11.2007 von Detlef Guertler
Die armen Spanier haben ja kaum Möglichkeiten, neue Wörter zu erschaffen, weil sie nicht einfach einzelne Wörter zu neuen Kombination aneinanderhängen dürfen. Weshalb die “burbuja creativa” zwar eine neue Kunstform, aber kein neues Wort ist – das wir Deutschen wiederum als “Kreativitätsblase” schaffen können.
Bei dieser Blase handelt es sich um einen Raum mit gläsernen Wänden (nein, meine Herren, die Wände der Nasszelle sind nicht aus Glas) mitten in Madrid, in dem seit vergangenen Mittwoch die 25jährige Violinistin Patricia Argüelles lebt, geigt und komponiert. Sie komme sonst vor lauter Musizieren nicht zum Komponieren, verriet Argüelles der Zeitung El País, die auch erfuhr, dass die junge Dame sonst eigentlich in Berlin lebt.
Nun sind Kunstprojekte nicht meine Spezialität, und ob das Komponieren besser geht, wenn man mitten in der City im Glaskäfig sitzt, muss sich auch erst noch herausstellen. Aber das Wort Kreativitätsblase gefällt mir. Ich muss dabei unweigerlich… weiter lesen
11.11.2007 von Detlef Guertler
Seit Jahrzehnten schon denken wir, dass die Waschmittelwerber alle Wörter mit “weiß” und “rein” schon durch haben. Strahlend weiß und ultraweiß, superweiß und das weißeste Weiß Ihres Lebens sind schon über uns hinweggegangen – und immer wieder fällt den Weiß-Kreativen noch etwas Neues ein.
Diesmal passenderweise einer Agentur namens Grey: Die Grauen haben dem reichlich angeranzten Pop-Duo “Right Said Fred” den Schädel rasiert (damit keiner das Grau sieht) und weiße T-Shirts angezogen (damit sie wie Meister Proper persönlich aussehen), und dann auf die Bühne gestellt, wo ihnen die Herzen und Rosen der Fans (erstaunlicherweise alle weiblich) zuflogen. Klare Botschaft: Meister Proper wäscht nicht nur weiß, sondern “sexyweiß”.
Ganz schön gewagt für ein Waschmittel, das von einem stämmigen Glatzkopf mit weißem T-Shirt repräsentiert wird. Und vor allem gewagt für den Meister-Proper-Eigentümer Procter&Gamble. Denn wenn die Verbindung “Glatze” und “sexy” tatsächlich ein Erfolg werden sollte, könnte P&G sich die erst… weiter lesen