Überlativ
von Detlef GuertlerWas ein Superlativ ist, weiß jeder: weiß (Positiv), weißer (Komparativ), am weißesten (Superlativ). Aber wie schon die Waschmittelwerbung lehrt, kann mit dem Superlativ, der ja eigentlich nicht mehr steigerbar sein sollte, noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Besonders beliebt ist hierfür der Elativ, eine Steigerung in der Regel durch Vorsilben (ultra-weiß, reinweiß), aber vereinzelt wird auch schon mal der Hyperlativ gebraucht, eine eigentlich unerlaubte Steigerung des Superlativs (am reinstweißesten, am bestmöglichsten).
Aber dann gibt es auch noch die Fälle, in denen die Steigerung über den Superlativ hinaus zu neuen Formen oder gar neuen Qualitäten führt, ähnlich wie in der alten politischen Formel “Feind – Todfeind – Parteifreund”. Die Kollegen vom taz-Fotoblog Streetart haben dafür gleich zwei Beispiele gefunden:
kalt – kälter – am kältesten – brav
kalt – kälter – am kältesten – Hunger
Bei einer solchen quantenspringenden Steigerung der Steigerung kann natürlich weder von einem Super- noch von einem Hyperlativ gesprochen werden. Ich empfehle statt dessen die Verwendung der powerdeutschen Vorsilbe Über-. Der “Überlativ” als Steigerung des Superlativs wurde bislang erst einmal verwendet: vom ansonsten nicht weiter aufgefallenen Kickhi, einem Westberliner Oberstufenschüler (Selbstbeschreibung). Glückwunsch hierzu.
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