paniken
von Detlef GuertlerDie deutsche Sprache ist weltberühmt für ihren Hang zu unpersönlich-bürokratischen Passiv- und Substantivkonstruktionen. Niemals macht jemand etwas, immer werden Dinge durchgeführt oder ihre Durchführung veranlasst. Das führt leider auch dazu, dass sogar ganze Verben fehlen, was es wiederum erzwingt, besonders umständlich zu reden bzw. zu übersetzen.
Wie beispielsweise übersetzen Sie diese alte Börsianerweisheit?
Don’t panic. But if you panic, panic first.
Klar, das geht: Keine Panik. Aber wenn, dann als erster. Aber es ist so viel weniger drastisch als das englische “panic first”, das ich mir einfach wünsche, dass wir auch im Deutschen die Panik beverben können. Das dem Substantiv Panik und dem Adjektiv panisch sich das Verb paniken hinzugesellt.
Insbesondere, da jetzt nicht mehr nur mein derzeitiger Lieblingsökonom Nouriel Roubini, sondern auch Paul Krugman herausgefunden hat, dass es ganz schön viel Grund dafür gibt, an den Finanzmärkten zu paniken: “What’s going on in the markets isn’t an irrational panic. It’s a wholly rational panic, because there’s a lot of bad debt out there, and you don’t know how much of that bad debt is held by the guy who wants to borrow your money.”
Aber ein Wort für den Unterschied zwischen rationaler und irrationaler Panik suchen wir erst, nachdem wir ordentlich gepanikt haben.
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Analog zu „Musik“ – wo allerdings das /i/ lang und betont ist – oder „Automatik“ hieße das Verb zu „Panik“ wohl eher „panizieren“ oder „panisieren“ als „panikieren“ oder dessen Verkürzung „paniken“ (und „panieren“ ist schon belegt). Oder wäre eine Form auf „-ieren“ eher das in Panik versetzen anderer?
Ich erwarte mittelfristig im Zuge des nun englischen statt französischen Haupteinflusses eine Zunahme des Abbaus von „-ieren“ zu „-en“ auch in der Hochsprache („votieren“, „grillieren“, „parkieren“ …), also ist meine obige Analogiebildung vielleicht (nicht nur laienhaft, sondern) schon antikt.
Es gibt einen Überlativ zu panic. japanic.
@Christoph Päper:
Musizieren heißt so viel wie Musik machen, also müsste Panizieren so viel wie Panik machen heißen. Was aber eben nicht bedeutet, selbst panisch zu handeln, sondern andere in Panik zu versetzen. Ich halte deshalb meinen Vorschlag aufrecht, panisches Agieren als “paniken” zu beverben.