Archive for Januar, 2008

31.01.2008 von Detlef Guertler
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mamaweiß

von Detlef Guertler

Wir haben uns hier ja bereits häufiger mit Waschmittelwerbung beschäftigen dürfen, da angesichts der Ähnlichkeit der konkurrierenden Produkte die Schöpfung neuer Wörter eine der wenigen Möglichkeiten ist, sich von den Wettbewerbern abzuheben. Gestern stolperten wir in einem der 17 Werbeblocks bei Stern-TV über ein Spee-Filmchen: Ein Student mit weißem Hemd in der Hand, der stolz behauptete, mit Spee wasche er jetzt mamaweiß.

Mal ganz abgesehen davon, dass mir bei dieser Werbung die Zielgruppe nicht klar ist: Sollten die Studenten von heute so verbiedert sein, dass man sie mit Mamaweiß-Werbung ködern kann? Oder sollen die Mamas damit angesprochen werden? Mir ist außerdem nicht klar, ob es sich um eine bewusste oder eine unbewusste Desavouierung der bisherigen Spee-Kernzielgruppe handelt – des Ossis nämlich. Nach meinen in eineinhalb Jahrzehnten immer wieder gesammelten Ost-Erfahrungen (die seit eineinhalb Quartalen durch massive Sachsen-Erfahrungen angereichert werden), gibt es in Ostdeutschland keine… weiter lesen

30.01.2008 von Detlef Guertler
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brausepulvrig

von Detlef Guertler

Wir kennen das Adjektiv “aufbrausend”. Wir verwenden es aber eigentlich nur für Menschen, die wir nicht so besonders sympathisch finden. Und schon gar nicht verwenden wir es, wenn wir uns selbst beschreiben – wer möchte sich schon gerne “aufbrausend” nennen? Aber wie nennt man sich, wenn man von sich sagen möchte, dass man so etwas wie aufbrausend ist, aber nicht aufbrausend verwenden möchte? Na klar kann man “impulsiv” sagen, aber das klingt doch sehr danach, als ob man genausogut auch aufbrausend sagen könnte.

Im Bremer Sprachblog hat Leser Wolfgang Hömig-Groß eine andere Variante angeboten: “Ich bin auch eher brausepulvrig”, schreibt er. Und das kann nun wirklich jeder von sich sagen, der sagen möchte, dass er so etwas wie aufbrausend ist, aber nicht aufbrausend verwenden möchte.

29.01.2008 von Detlef Guertler
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vertrippeln

von Detlef Guertler

Endlich! Seit Monaten frage ich mich, wie es sein kann, dass die spanischen Banken bislang so völlig unbelastet durch die Kreditkrise gekommen sind. Spanien hat die zweitirrwitzigsten Immobilienpreise in Europa (nach London), die höchstverschuldeten Haushalte, den höchstverschuldeten Unternehmenssektor und einen komplett aus dem Ruder gelaufenen Immobilienmarkt dazu. Riesen-Überhang an leerstehenden Wohnungen, noch riesigere Bestände, die in den kommenden zwei Jahren noch dazu kommen, und niemand mehr, der kauft – warum, bitteschön, ist das im vergangenen halben Jahr nicht zusammengekracht?

Jetzt habe ich es aus dem “Daily Telegraph” erfahren. Die spanischen Banken packen munter weiter ihre selbstgesammelten Schrott-Hypotheken zu Milliardenpaketen, kleben ein AAA-Rating drauf und reichen sie weiter. Nein, nicht am Markt, so was kauft ihnen ja keiner mehr ab – an die Europäische Zentralbank!!! Die EZB akzeptiert die gesammelten spanischen hypothekenbesicherten Papiere als Sicherheit für kurzfristige Kredite an die privaten spanischen Banken. Ob es sich jetzt eher um… weiter lesen

28.01.2008 von Detlef Guertler
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Finanzalchemie

von Detlef Guertler

Einen wunderbaren Kommentar im Roubini-Blog gefunden, in dem Octavia Richetta das Wirken der Kredit-Hochstapler der vergangenen Jahre mit dem Wirken der mittelalterlichen Alchemisten vergleicht. Der Kernsatz: “Just as in middle age alchemy (in which the gold was never there), in Financial Alchemy the value was never there.”

Und dann auch noch jemand gefunden, der schon vor mehr als 150 Jahren von Finanzalchimie (der Duden lässt sowohl Alchemie als auch Alchimie zu) gesprochen hat. Zitat:

“Es gibt wahrscheinlich keinen größeren Humbug in der Welt als das sogenannte Finanzwesen. Die einfachsten Operationen, die Budget und Staatsschuld betreffen, werden von den Jüngern dieser “Geheimwissenschaft” mit den abstrusesten Ausdrücken bezeichnet; hinter dieser Terminologie verstecken sich die trivialen Manöver der Schaffung verschiedener Bezeichnungen von Wertpapieren – die Umwechslung alter Papiere gegen neue, die Herabsetzung des Zinses und die Erhöhung des nominellen Kapitals, die Erhöhung des Zinses und die Herabsetzung des Kapitals,… weiter lesen

28.01.2008 von Detlef Guertler
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Anthropozän

von Detlef Guertler

Da ich Geographie nur als Nebenfach studiert habe, und mein einziges Geologie-Pflichtseminar so früh am Vormittag stattfand, dass der Professor direkt aus den Kneipen der Unteren Straße dort hingehen konnte (aber manchmal den Weg nicht fand), ist leider nicht soo viel von der Wissenschaft der Erdkrustenschichtung bei mir hängengeblieben. Sonst hätte ich natürlich schon viel früher bemerkt, dass der deutsche Nobelpreisträger Paul Crutzen im Jahr 2002 vorgeschlagen hat, ein neues Erdzeitalter namens Anthropozän zu beginnen: Spätestens seit der industriellen Revolution habe der Mensch einen so starken Einfluss auf die Erde, dass man vom Übergang in ein neues geologisches Erdzeitalter sprechen könne.

Nachdem sich das Anthropozän bisher nur schleichend in der geologischen Fachwelt weiterverbreitet hat, ist dieser Tage ein Aufsatz ans Licht der breiteren Öffentlichkeit gespült worden, in dem gleich mehr als ein Dutzend britischer Geologen sich dem Crutzen-Vorschlag anschließen. Der Wortist macht das ebenfalls: Auch wenn… weiter lesen

27.01.2008 von Detlef Guertler
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Umfallrisiko

von Detlef Guertler

“Du klopfst dir doch bestimmt in diesen Tagen ständig selbst auf die Schulter”, sagte mein Freund H. aus K., “schließlich quengelst du ja seit dem Sommer rum, dass die Finanzkrise ganz furchtbar wird, und dass uns eine Weltwirtschaftskrise bevorsteht.” Aber natürlich mache ich das nicht ständig (sondern nur manchmal), sondern versuche herauszufinden, welches die nächsten Schritte sein werden und wie bzw. wann man vielleicht aus dem Schlammassel wieder herauskommt.

Wortistisch gesehen befürchte ich, dass demnächst Bedarf für eine breitenverständliche Übersetzung des Fachbegriffs “counterparty risk” entstehen wird. Auf Fachdeutsch heißt das “Kontrahentenrisiko” und meint das Risiko, dass bei einem Handelsgeschäft die Gegenseite ihren Verpflichtungen nicht nachkommt. Solange wir uns nur in der Sphäre von Vollkaufleuten oder Versicherungsmathematikern bewegen, darf man ruhig beim Begriff Kontrahentenrisiko bleiben. Wenn dieses Risiko allerdings größere Ausmaße annimmt, wird man es griffiger benennen müssen.

Dass das passiert, ist so gut wie sicher. Die… weiter lesen

26.01.2008 von Detlef Guertler
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Komaqualität

von Detlef Guertler

von Philipp S.

Kennen Sie das? Sie haben mal wieder eine besonders einschläfernde “Wetten, dass”-Sendung verfolgt (oder Spiegel-Artikel gelesen, oder Rede von Horst Köhler gehört etc.), suchen nach einem Wort, das Ihrem Eindruck Ausdruck zu verleihen vermag, und werden nicht fündig, weil unsäglich oder grottenschlecht nicht passt?

Dann lassen Sie sich von mir diese kleine Geschichte erzählen. Ich studiere an einer renommierten technischen Hochschule, die sich seit kurzem sogar Eliteuniversität nennen darf. Folgerichtig werden dort die Vorlesungen nur selten mit Beamern auf Leinwände projiziert oder als Videostream im Internet angeboten, sondern meistens mit Kreide an die Tafel geschrieben. In so einem Fall greift der Professor zu Beginn der Vorlesung in einen weißen Karton, auf dem groß in grüner Schrift steht: KOMA Qualität. Was sich manchmal als schlechtes Omen erweist.

Wenn Ihnen also in Zukunft etwas in oben beschriebener Art widerfährt, könnte Ihnen die Komaqualität gefallen.

25.01.2008 von Detlef Guertler
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Plakettensau

von Detlef Guertler

von Wolfgang Wilhelm aus dem AllgäuKein Treffer bei einer Internetsuchmaschine bedeutet noch lange nicht, dass dieser Begriff nicht im Internet verwendet wurde. Von Vollständigkeit zu sprechen sollten wir gar nicht erst anfangen: Die Ergebnisse zum »Mond-Trabbi« beispielsweise zeigen neben dem Eintrag hier nur die schon genannten Treffer, nicht aber jenen aus dem »Autobahn-Forum«.

Und so kann ich mir nicht sicher sein, ob die »Plakettensau« nicht schon einmal verwendet wurde.

Der Benutzer »Berni« schrieb im oben genannten Forum: »Auch Tempo 80 wird nix. Grund dafür ist die hohe Feinstaubbelastung an der Landshuter Allee. Nicht dass mir das etwas ausmachen würde (ist nach der Ozonbelastung nur die nächste “Plakettensau, die durch’s Dorf getrieben wird”), aber die Stadt München könnte sonst von übereifrigen und geldgierigen Anwohnern verklagt werden, weil sie keine Maßnahmen zur Luftreinhaltung tätig.«

25.01.2008 von Detlef Guertler
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iPooth

von Detlef Guertler

von polyphem:
iPooth – Genau das fiel mir ein, als ich von einer zu erwartenden / stattgefundenen? Insolvenz gelesen habe. Aber wie das schon öfter der Fall war, wenn ich glaubte, ein Wort erfunden zu haben, wurde ich von den Ergebnissen einer Findemaschine belehrt, dass ich nicht der erste oder einzige war.

24.01.2008 von Detlef Guertler
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Technikschlingel

von Detlef Guertler

Sascha Lobo, der zwar jederzeit in der Lage ist, steile Thesen zu erzählen, aber es auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht schafft, diese auch aufzuschreiben, ist trotzdem immer wieder für ein Neuwort gut.

In seinem (und anderer Leute) von der Cebit finanzierten Neublog 01blog gelang ihm gleich im ersten Beitrag eine Neuwortschöpfung, nämlich die Bezeichnung seines von mir wesentlich mehr geschätzten Kumpels Felix Schwenzel als Technikschlingel.

Wenn sich Schwenzel bei 01blog tatsächlich als Technikschlingel entpuppen sollte, wird das garantiert ein Genuss. Aber vielleicht hat ja Sascha Lobo in alter Tradition einfach mal wieder den Mund zu voll genommen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.