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vonDetlef Guertler 04.02.2008

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Wo es kalt ist, da ist Kälte. Und wo jemand alt ist, da ist – Alter. Mal ganz abgesehen davon, dass mir kein einziges Argument einfällt, mit dem man einem Anderszüngler erklären könnte, warum das eine Adjektiv so und das andere anders substantiviert wird, obwohl sie doch geradezu nach Gleichheit schreien, ist das mit dem Alter eine ziemlich vermaledeite Sache. Denn erstens ist es ein Überbegriff für Menschen jeden Alters: In die Schule kommt man im Alter von sechs Jahren, obwohl allenfalls kleinere Geschwister der Meinung sein könnten, dass das schon alt ist. Und zweitens ist es der Unterbegriff für den Zustand, in dem alte Menschen sich befinden. Das Alter ist die Zeit von Alzheimer und Rente, aber eben nicht das Alter von sechs Jahren.

Gerade jetzt, also jetzt und in den kommenden 50 Jahren, in denen sich Deutschland im Zustand steigender Vergreisung befindet, und das Durchschnittsalter (!) von 43 auf 50 Jahre steigen wird, wäre es doch an der Zeit, zwischen dem Über- und dem Unterbegriff wortistisch zu unterscheiden. Wo jemand alt ist, da sei in Zukunft – Älte.

Wir befänden uns damit in bester Gesellschaft: Schon Katia Mann benutzte dieses Wörtchen, etwa in einem Brief aus dem amerikanischen Exil, stramm auf die 60 zugehend: „Ich habe nichts zum Anziehen, werde in Washington traurigste Figur machen und ich mag mir gar nichts kaufen, von wegen die Älte, die Dicke und Garstigkeit. Wie soll man sich da herausputzen?“ Okay, Frauen haben dieses Problem in jedem Alter. Aber ganz besonders eben in der Älte.

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