Grab-WG

von Detlef Guertler

Ja Ja, wären wir regelmäßige Leser des Hauptstadtblogs, hätten wir schon im Dezember erfahren, dass im Berliner Bestattungswesen der Trend zur Grab-WG geht (theoretisch hätten wir das auch im Tagesspiegel erfahren können, aber aus uns unerfindlichen Gründen schlafen wir dort schon vor dem Umblättern zur zweiten Seite ein).

Und wären wir regelmäßige Konsumenten des MDR-Magazins Brisant, hätten wir dort schon vergangene Woche erfahren können, dass im Berliner Bestattungswesen der Trend zur Grab-WG geht. Und hätten wir nicht nach Beckmanns Heidi-Klum-Interview vergessen, den Fernseher auszuschalten, hätten wir auch das ARD-Nachtmagazin verpasst, und wüssten deshalb immer noch nicht, dass im Berliner Bestattungswesen der Trend zur Grab-WG geht.

Aberjetzt wissen wir’s ja. Und falls Sie, lieber Wortistik-Leser, weder Hauptstadtblog noch Tagesspiegel noch Brisant noch Nachtmagazin mitbekommen haben, wissen Sie jetzt auch, dass im Berliner Bestattungswesen der Trend zur Grab-WG geht.


4 Kommentare zu "Grab-WG"

  1. “…WG” – im Wort eine anrührende Verschönerung. Die Wohngemeinschaft als kollektive Grablegung?

    Eine seltsame Verschönerungstaktik mit dieser bisherien Nomenkultur für Grab oder Grabstätte:
    Erdhügel, Grabhügel, Grabplatz, Grabstelle, Grabstätte, Gruft, Leichenhügel, Gruft, Erdhügel, Grabstätte, Gruft, Ruhestätte, Totengruft, Begräbnisstätte, Friedhofsanlage, Grube (…wahllos oder privilegiert oder ästhetsich aufgemotzt…).

    Abbilder der schnellen, risikoreichen, aber nicht zuverlässigen Gesellschaft: vom Grabschrank im Kolumbarium, von der selbstgesuchten Nicht-Grabstätte in irgendeinem Moor bis zur versehentlichen, unbezahlten Ablage im Krematoriumsgrab:

    „Dass es theoretisch ewig bei einem vorläufigen Urnengrab im Krematoriumsregal bleiben könnte, hat nun auch das Bezirksamt festgestellt.“ (berlinonline.de vom 01.02.2005)

    Das anonyme, prekäre Urnengrab hat seine abschreckende Wirkung getan.

    „Der Antwort ernsteste ist doch das Grab.“ (Goethe)
    „Doppel-„ oder „Vielfach-Grab“ waren nicht angesagt.

    WG.: Es soll Gesellschaft vorgetäuscht werden in dem rasch akzeptierten Euphemismus.

  2. Wieder eine neue Form der Bestattung! Eigentlich sollte man ja froh darüber sein, dass das Thema Tod nicht mehr – wie in früheren Zeiten – tabuisiert wird.

    Leider ist das Schlagwort von der “Grab-WG” falsch; denn es handelt sich bei dieser Art der Bestattung um die sog. “RUHEGEMEINSCHAFT”, die den Wunsch vieler Angehöriger respektiert nicht in einem namenlosen “MASSENGRAB” (wie zu SEuchenzeiten oder nach einem Krieg) beigesetzt zu werden sondern an einer Stelle mit individueller Namensnennung.

    Man stelle sich vor, Goethe, Schiller, Rosa Luxemburg oder Willy Brandt wären anonym beigesetzt worden – wo sollte man dann ihrer Gedenken?

  3. ich hatte erst über eine “wiesen beerbigung” -anononühm-nachgedacht,
    aber vieleicht gibt es doch den moment, eingrab besuchen zu können!?
    ist das dann nicht eine alternative?
    keiner ist gezwungen,aber hat doch die möglichkeit,
    zu diesem grabzu gehen?!`
    wie geht das? was muß mann dafür machen?

  4. liebe(r) monneuse, im web gibts http://www.ruhegemeinschaft.de, da stehts.

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