Archive for April, 2008

20.04.2008 von Detlef Guertler
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Trichy-Trade

von Detlef Guertler

In Hedge-Fonds-Kreisen wohlbekannt ist der Begriff “Carry-Trade”: Man nimmt in einer Niedrigzins-Währung, etwa japanisch Yen, Kredite auf, und legt das Geld in Hochzins-Währungen an, etwa isländischen Kronen. Und wenn man die hohen Zinsen kassiert hat, wechselt man die Kronen wieder in Yen und zahlt den Kredit zurück. Das Risiko besteht einzig darin, dass die Hochzins-Währung in ihrem Kurs so weit abschmiert, dass trotz der höheren Zinsen beim Rücktausch ein Verlust entsteht – ein Risiko, das sich allerdings potenziert, wenn viele Anleger zur gleichen Zeit die gleiche Idee haben: Dann treibt ihre Nachfrage nach isländischen Kronen deren Kurs erst nach oben und erhöht die Gewinne für die ersten im Markt, und wenn alle gleichzeitig zur Tür hinaus wollen, stürzt der Kurs ab und die letzten Hedge-Fonds (und die Isländer) beißen die Hunde.

Besonders pervers wird es allerdings, wenn es, wie zur Zeit, die Niedrigzinsen in einem Land gibt, das besonders hohen… weiter lesen

18.04.2008 von Detlef Guertler
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Schlüsselrisiko

von Detlef Guertler

Nach mehrwöchiger relativer Ruhe an den Finanzmärkten dürfen wir davon ausgehen, dass es in den kommenden Wochen wieder rund gehen wird.  Bis Juni laufen mehrere Fantastilliarden an Krediten mit einjähriger Laufzeit aus, die noch zu den barbierosa-Bedingungen der Vorkatatastrophenzeit abgeschlossen wurden und jetzt, wenn überhaupt, zu ganz anderen Konditionen verlängert werden. Aus der Reiskrise der vergangenen Monate scheint gerade eine Reispanik zu werden – und die Situation bei anderen Grundnahrungsmitteln sieht auch nicht besser aus. Und das allgemeine Misstrauen der Banken untereinander hat sich nicht nur nicht gelegt, sondern wächst wieder an.
Der klassische Beleg dafür: Am Geldmarkt steigt wieder einmal die Differenz zwischen den Zinsen im Interbankenhandel und denen für ordentliche Staatsanleihen. Aber gerade frisch reingekommen ist dazu der massive Zweifel daran, ob die von den Banken gemeldeten Zinssätze für den Interbankenhandel überhaupt stimmen. Der LIBOR (London Interbank Offering Rate) liege 0,2… weiter lesen

17.04.2008 von Detlef Guertler
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Vielvölkervolk

von Detlef Guertler

Ähnlich wie der gestrige Begriff Zotenkönig ist auch das heutige Ziemlichneuwort Vielvölkervolk bislang sehr selten (7 Google-Treffer), aber dennoch für sehr unterschiedliche Völker gebraucht worden – für Schweizer, Türken, Sowjets, Iraker, Juden und Sinti/Roma. Zweimal mit Sicherheit falsch: Sowjetunion und Irak mögen Vielvölkerstaaten (gewesen) sein, aber eben Sowjets und Iraker keine Vielvölkervölker, wie sich beim Zerfall der staatlichen Einheit deutlich zeigte. Auch bei der Türkei handelt es sich wohl eher um einen Vielvölkerstaat mit einem dominierenden Volk, eben den Türken. Und bei den Juden wohl eher um eine Religion als um ein Volk.

Bleiben die Schweizer und die Sinti/Roma. Letztere über ganz Europa verstreut ohne eigenen Staat und je nach Aufenthaltsland mit durchaus unterschiedlichen Kulturen, erstere mit eigenem Staat und ebensolcher Geschichte, aber vier verschiedenen Sprachen und Kulturen. So dass man die Schweizer denn wohl doch eher als Viervölkervolk denn als Vielvölkervolk… weiter lesen

16.04.2008 von Detlef Guertler
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Zotenkönig

von Detlef Guertler

Silvio Berlusconi ist zurück auf der Politbühne, und damit kommt in den deutschen Auslandsressorts wieder der “Zotenkönig” zum Vorschein, ein Ehrentitel, den Berlusconi erstmals im Februar 2007 von der “Zeit” verliehen wurde.

Berlusconi ist damit der bislang letzte in einer illustren Reihe von Prominenten, die mit diesem Titel geschmückt wurden. Allerdings ist er auch der bislang einzige in dieser Reihe, der nicht hauptberufliche Fernsehnase ist. Denn vor ihm wurden als Zotenkönige bezeichnet: Thomas Gottschalk, Rudi Carrell, Jürgen von der Lippe, Harald Schmidt, Oliver Pocher, Michael Herbig, natürlich Ingo Appelt, und, nach meinen Recherchen als erster, Stefan Raab. Den bezeichnete erstaunlicherweise wiederum die “Zeit” am 11. Mai 2000 als “Zotenkönig von Pro Sieben”.

Das Zeit-Archiv im Internet will diesen Satz zwar nicht finden, aber Thomas Utzinger hat ihn im Jahr 2003 auf Seite 155 seiner Magisterarbeit über “Prominenzprofile bei Jugendlichen. Konsequenzen medialer Vermittlung von Persönlichkeit” (weiter lesen

15.04.2008 von Detlef Guertler
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Stammhirni

von Detlef Guertler

In Kommentar Nummer 10 zum neuesten Beitrag in Don Alphonsos Blogbar (zu der ich aus bekannten Gründen weder verlinken darf noch will), hat Kommentator Brainbomb die Mitleser mit “Hallo ihr Stammhirnis” begrüßt. Eine nun wirklich ziemlich geniale Steigerung des guten alten Hirni-Schimpfworts, schließlich ist das Stammhirn als der evolutionär älteste Teil des Gehirns so ziemlich das primitivste, was unser Oberstübchen zu bieten hat.

(Anders als beim lauten Don handelt es sich bei Brainbomb übrigens um keinen Stammhirni – seine Kommentare zeichnen sich durch ordentliche Beherrschung der deutschen Sprache und ihrer Rechtschreibung aus.)

14.04.2008 von Detlef Guertler
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Musteranwalt

von Detlef Guertler

Schon komisch: Den Musterprozess kennt jeder. Und der Kläger im Musterprozess wird auch ziemlich oft Musterkläger genannt. Aber den Anwalt des Musterklägers nennt praktisch niemand jemals Musteranwalt. Beim derzeit laufenden Telekom-Prozess hat jetzt allerdings Andreas Tilp diesen Hut aufgesetzt bekommen, zuerst von der FAZ, dann auch vom Handelsblatt.

Aber vermutlich wird sich diese Bezeichnung nicht durchsetzen. Zu selten kommt es zu Musterprozessen, und zu gewichtig steht daneben die vom Musterschüler her rührende Assoziation, ein Musteranwalt sei ein Anwalt, der sich besonders mustergültig benimmt.

Also wird der Musteranwalt wohl weiterhin vorwiegend sein Unwesen auf den Seiten von Demokanzleien und Musterformularen treiben.  Ach ja, und natürlich in der Nürnberger Kanzlei von Christoph Lösch, seines Zeichen “europäischer Musteranwalt” – also Experte für Marken- und Musterrecht.

13.04.2008 von Detlef Guertler
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Bevölkerungseimer

von Detlef Guertler

aus dem Allgäu von Wolgang Wilhelm:

Olaf Schubert schreibt über die über die demografische Entwicklung (auch als Video):

“Naja…. wir haben ja nun schon zwei Weltkriege verloren. Das is ja nich von der Hand zu weisen. Aber wenn die Bevölkerungspyramide sich weiter so entwickelt, dann haben wir bald einen Bevölkerungseimer. Und dann können wir gar keinen Weltkrieg mehr verlieren, weil wir gar keinen mehr anfangen können! Wenn wir dann ein Land überfallen dann heißt es nur: ‘Och sie mal da. Die Deutschen kommen!’ ‘Naja… das sind ja nur 4. Die wollen nur spielen…’”

Ganz so sicher wie Olaf Schubert wäre ich mir da nicht. Nicht wegen der Weltkriege, aber der demographische Übergang wird noch auf andere Länder zukommen.

13.04.2008 von Detlef Guertler
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Übertasse

von Detlef Guertler

Wie an dieser und anderer Stelle bereits mehrfach von mir erwähnt (noch immer deutschlandweit exklusiv, da offensichtlich niemand anderes auch nur das Problem erkennen möchte), besteht in Spanien eine massive Überbewertung von Immobilien durch zumindest fahrlässig, wahrscheinlich aber eher vorsätzlich überhöhte Wertgutachten. Die Konsequenz: Die Hypothekenkredite (und die Kredite an Immobilienunternehmen) sind wesentlich weniger sicher als von den spanischen Banken behauptet, die Verluste, die diese im Verlauf der gerade begonnenen Krise einfahren werden, werden dementsprechend wesentlich höher sein als von Analysten und Börsianern bislang angenommen.

Irgendwann im Verlauf dieses Jahres wird dieses virulente Problem manifest werden. Dann wird man neue Begriffe für diese spanische Subprime-Variante brauchen. Da es dann vor allem darum gehen wird, das Ausmaß der Heißluft in den Bewertungen (spanisch: tasaciónes)  abzuschätzen, schlage ich heute schon dafür den Begriff Übertasse vor: Übertasse ist der Betrag, um den der begutachtete Wert einer Immobilie den tatsächlichen… weiter lesen

12.04.2008 von Detlef Guertler
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ausfenstern

von Detlef Guertler

“Hat sich ausgefenstert…” hämt ein Heise-Leser und Linux-Fan über die jüngste Kritik von Experten der Gartner Group an den Windows-Betriebssystemen. Und in der Tat: Wenn Mainstream-Analysten wie die von Gartner eine Präsentation mit “Windows is collapsing” betiteln, läuft das Ding tatsächlich ganz gehörig aus dem Ruder. Die Betriebssystemfamilie aus dem Hause Microsoft leidet am Dinosaurier-Syndrom: zu groß, zu schwerfällig, nicht genügend angepasst an schnell wechselnde Umweltbedingungen.

Jetzt müsste uns nur noch jemand erklären, wie wir alle uns mühe- und gefahrlos ausfenstern, also aus der Windows-Welt verabschieden können. Dann hätten wir ganz nebenbei diesem Verb nach langem Dornröschenschlaf zu einer Wiedergeburt mit neuer Bedeutung verholfen. Denn, so Nabil Osmans Kleines Lexikon untergegangener Wörter, in Grimms Wörterbuch der Deutschen Sprache wurde “ausfenstern” noch definiert als “nächtens am Fenster der Geliebten harren”.

Wobei es sich dabei schon um den ersten Bedeutungswandel handelte, denn ursprünglich sei… weiter lesen

11.04.2008 von Detlef Guertler
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Fokalsprache

von Detlef Guertler

Bitte einmal kurz mit dem TV-Kritiker der “Süddeutschen Zeitung” mitlachen: “Küblböck macht die “Fokalsprache” im Fernsehen für den Verfall der allgemeinen Kultur verantwortlich und fängt spontan an, seinen Nachbarn Broder zu knuddeln, was dieser mit einem schroffen “Hör auf!” beendet.” Broder selbst bestätigt das: “Genau so war es!”

Und jetzt kurz das Lachen ein- und das Denken anstellen. Eine Fokalsprache wäre wirklich was Feines – eine Sprache, die konsequent das jeweilige Thema fokussiert, die nicht drumherum quabbelt oder euphemistisch bemäntelt, frei von Redundanzen, voll konzentriert. Das hält man zwar nicht rund um die Uhr aus, da müsste man ja die ganze Zeit so angespannt und konzentriert sein wie ein Formel-1-Fahrer beim Rennen. Hin und wieder müsste man sich schon einen Ausflug in die Welt der Fäkalsprache und des gedankenlosen Quabbelns gönnen. Zum Fernsehen im Allgemeinen und zu Daniel Küblböck im Besonderen.

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