antiquirieren

von Detlef Guertler

Versteht man doch gleich, oder? Antiquirieren bedeutet, etwas fürs Antiquariat bereit zu machen, also eine eben noch aktuelle Idee, ein Buch, eine Ideologie in die Legion der historischen, der überholten Ideen einzureihen. Klar. Nur verwenden tut es keiner.

Außer Max Stirner (1806 – 1856), einer der großen anarchistischen Philosophen, der, wenn ich der Darstellung Prof. Arno Waschkuhns in “Politische Utopien” (Oldenbourg Verlag, 2003) folge, dieses Verb genau so behandelte:

“Alle überpersonalen Allgemeinheitsbegriffe implizieren normative Voraben und bekommen früher oder später einen Zwangscharakter. Sie sind deshalb für Stirner als ärgerliche Tatsachen konsequent zu “antiquirieren”.”

Waschkuhn schreibt offenbar wesentlich langweiliger und sprachunschöpferischer als Stirner. Was nicht unbedingt gegen den Professor, aber auf jeden Fall für den Anarchisten spricht. Deshalb würde es sich möglicherweise lohnen, Stirners Werk aus wortistischer Sicht zu ent-antiquirieren.


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