30.06.2008 von Detlef Guertler
von A. St. Reyntjes:
FRIEDRICH KÜPPERSBUSCH, von der taz jeden Montag “zum Zustand der Welt befragt”, so auch heute:
Frage an F.K:: “Klebt Kurt Beck nun an seinem Stuhl oder nicht?
Antwort: Wäre es Fernsehen, würde man die Beck-Epoche als “Mobtainment” etikettieren. Das Publikum goutiert, wie jeder jeden demoliert – nur keinen der Mobbing-Beteiligten. (…)”
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Von Küppersbusch könnten Sie jeden Woche Neuwörter ‘rüberwörtern.
Gehört Küppersbuch zum Lehr- und Lesestoff und Sprachfundus des Wortisten?
26.06.2008 von Detlef Guertler
Vermutlich die einzige Ableitung der österreichischen Hauptstadt, die man grölen kann. WIENALE -oho. WIENALE – ohohoho. Sonst wird mit der Stadt ja eher melancholisiert. Geschrieben haben es einige Blogger diese Nacht, nur Google ist dumm wie immer und fragt “Meinten Sie Biennale?” Nein, meinten wir natürlich nicht.
Gehört habe ich Wienale allerdings schon vor dem Spiel, nämlich aus dem Mund von Johannes B. Kerner, bevor er das erste Mal zu Belá Réthy nach Basel abgab. Sollte JBK tatsächlich ein Wort geschöpft haben? Oder hat’s jemand schon vor ihm erfunden?
25.06.2008 von Detlef Guertler
Wenn ein Unternehmen das macht, was man üblicherweise den Private-Equity-Investoren vulgo Heuschrecken nachsagt, also Leute rauswerfen, Kosten cutten, Rendite steigern, Reserven plündern, wie nennt man dann diese Tätigkeit?
Kristina Judith verwendet dafür heute im Turi-Blog in einer Meldung über die SPD-Medienholding DDVG das Verb heuschreckeln (oder hat es ihr doch Peter Turi hineinredigiert?), das mir ausnehmend gut gefällt. Durch das “l” klingt es ein bisschen klein, aber nicht niedlich, sondern es macht sich eher über das Subjekt lustig, den Eigentümer also. So als wolle er, könne aber nicht richtig. Und das geht schon in Ordnung so – denn wenn es sich um rabiate Kahlschläge oder Plünderungen handelt, braucht man ja auch keine neuen Wörter erfinden, da haben die Gewerkschaften einen großen Vorrat.
22.06.2008 von Detlef Guertler
von Christian Dombrowski:
Die Sicht von oben ist bekanntlich die Vogelperspektive. Doch es gibt keinen Ausdruck für die Sicht von GANZ oben, für den Blick aus dem Orbit. Ein neues Wort tut not. Schließlich sehen wir beinahe jede Woche Weltraumbilder der Erde – und sie berühren unser Selbstverständnis. Jeder Nutzer von Google Earth hat seine Heimat und andere markante Gegenden schon einmal auf dem Bildschirm aus einer Höhe betrachtet, die kein Vogel je erreicht. Ich schlage dafür das Wort „Astronautenperspektive“ vor. Die Planeten jenseits der Erde, ihre Monde und ihre Topographie kennen wir sogar ausschließlich aus der Höhe von Umlaufbahnen. Wobei es für das Wort „Astronautenperspektive“ gleichgültig sein darf, finde ich, wenn die Fotos von den Marsvulkanen, den Hochtälern der Venus oder den stickstoffsprühenden Geysiren des Triton von unbemenschten Satelliten stammen. Astronauten werden dort möglicherweise einmal fliegen; Vögel nie.
Astronautenperspektive, die: Blick aus dem Orbit auf die Oberfläche eines Himmelskörpers;… weiter lesen
18.06.2008 von Detlef Guertler
Eine nette Überschrift der Rheinischen Post zur gestrigen Rede des Bundespräsidenten: “Köhler irritiert mit Kuschelrede”. Er habe versucht, niemandem weh zu tun, Bonbons für alle zu verteilen und damit große Ratlosigkeit hinterlassen, was der Präsident mit der längsten Rede seiner Amtszeit tatsächlich sagen wollte. Eine Frage, die sich bei Horst Köhler natürlich nicht erst seit dieser Rede stellt.
Obwohl die allermeisten gehaltenen Reden in diesem Sinne Kuschelreden sind – welcher Redner sieht schon seine Aufgabe darin, die vor ihm Sitzenden zu beschimpfen? – ist der Begriff selbst so gut wie neu. Das mag daran liegen, dass die meisten Kuschelreden mit den gängigen Vokabeln Grußwort oder Festansprache ebenso hinreichend beschrieben werden können. Der Begriff Kuschelrede hätte demnach seine Existenzberechtigung immer dann, wenn eine Rede, von der Reibungsflächen erwartet werden, eben diese nicht bietet – also beispielsweise eine Ansprache von Wolfgang Schäuble beim Datenschützerkongress, von Jürgen Trittin vor… weiter lesen
15.06.2008 von Detlef Guertler
Als Akkusativ (und Dativ und Genitiv) Singular (und Plural) des Substantivs “der/die Deutsche” ist dieses Wort natürlich ebenso bekannt wie als entsprechend deklinierte Form des Adjektivs “deutsch”. Aber als Infinitiv? Da gibt es bislang das Eindeutschen, aber nicht das Deutschen: Ich deutsche, du deutschst, er/sie/es deutscht, wir deutschen, ihr deutscht, sie deutschen.
Wenn aber gilt: “Deutsch sein heißt eine Sache um ihrer selbst willen zu tun”, dann handelt es sich um eine Tätigkeit, die ein eigenes Tätigkeitswort verdient hätte. Auch wenn man zu einer Reisegruppe gehört, die dem spanischen Kellner abverlangen möchte, dass jeder seinen Kaffee getrennt zahlt, möchte man gerne ein “Jetzt deutscht mal nicht so!” in die Runde rufen.
13.06.2008 von Detlef Guertler
Wenn so ein Wort, wie gestern, in einer wichtigen Rede, wie von Angela Merkel, verwendet wurde, klingt es so völlig selbstverständlich, so als hätte man es schon tausendmal gehört oder zumindest tausendmal hören können. Aber man hat es vorher noch nicht gehört. Alles, was ich an Google-Treffern zur Bildungsrepublik gefunden habe, bezieht sich auf Angela Merkels Rede vom 12. Juni (mit Ausnahme einer Überschrift in einer fünf Jahre alten Perlentaucher-Meldung, die aber m.E. schlicht ein Schreibfehler ist). Und obwohl ich mich seit einiger Zeit intensiv mit den Themen Bildung und Elite beschäftige (zuletzt heute in der Welt), bin ich niemals auf das Wort Bildungsrepublik gestoßen und leider auch niemals auf die Idee gekommen, es selbst zu prägen. Seufz.
Deshalb höchsten wortistischen Respekt für Angela Merkels Redenschreiber, (falls das Wort wie zu vermuten von ihm stammt), und höchsten politischen… weiter lesen
09.06.2008 von Detlef Guertler
Gerade eben ist jemand mit der Google-Suche “fanen Fußballfan” auf meiner Seite gelandet. Und als ich dem Treffer nachspürte, stellte ich fest, dass ich mich offensichtlich korrigieren muss. Denn vor bald zwei Jahren hatte Leser Kaishakunin (wo immer er inzwischen abgeblieben sein mag) fanen als Tätigkeitswort für den Fan vorgeschlagen, und ich hatte abgelehnt: “Der Fan muss nicht fanen können, weil er ja an sich passiv bleibt.”
Das ist so nicht ganz richtig, wie ich erst gestern wieder bemerken konnte, als meine Tochter noch schnell schnell vor dem Deutschlandspiel in ihrem Zimmer verschwand, um rechtzeitig vor dem Anpfiff in ihrem Michael-Ballack-Trikot auf dem Sofa aufzulaufen. Jegliche Form der fanmäßigen Vorbereitung auf ein sportliches oder musikalisches Ereignis, ob Fahne im Autofenster oder Malen eines “Ich will ein Kind von dir”-Plakats, ist eine Tätigkeit, die auch ein eigenes Tätigkeitswort verdient hat.
Aber doch bitte… weiter lesen
03.06.2008 von Detlef Guertler
Der Superdelegierte ist was besseres als der Delegierte, Supermann was besseres als Männer, und das Superweib ist zwar als Buch was schlechteres, als Weib aber was besseres. Also müsste doch auch die heute wieder aufgetauchte Super-Erde was besseres sein als die Erde, oder?
Ist sie natürlich nicht. Es handelt sich um Planeten irgendwo ganz weit draußen in fremden Sonnensystemen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kalte Eisenklumpen sind und für niemand außer Astronomen und Science-Fiction-Freaks auch nur den Hauch von Faszination ausstrahlen. Das “Super” im Namen verdanken sie der Tatsache, dass sie zwei- bis zehnmal so groß wie die Erde sind.
Aber weil wir “Super” so ganz anders verstehen, blüht sofort die journalistische Fantasie, wenn irgendein Forscher irgendwo einen solchen Klumpen entdeckt hat. Wie ein pawlowscher Reflex kommt jedesmal der Hinweis darauf, dass es auf ihnen ja Leben geben könne – die FTD war sogar so kühn, einem… weiter lesen
02.06.2008 von Detlef Guertler
“No jokes with names!” heißt eine der ehernen Grundregeln des Journalismus. Erstens können die Leute nix dafür, wie sie heißen, und zweitens kennen sie im Zweifelsfall schon seit der vierten Klasse alle Witze über ihren Namen. Erlaubte Ausnahme: erheiratete Doppelnamen, da in diesem Fall die Leutheusser-Wieczoreks und Däubler-Schnarrenbergers durchaus etwas dafür können, dass sie so heißen, wie sie heißen.
Wenn also Florian Treiß heute bei der Turi-Medienschau einen Witz machen wollte, als er zwei journalistische Unabhängigkeit und korrekte Recherche anmahnende Blogeinträge Stefan Niggemeiers mit Niggelei I und Niggelei II betitelte – dann geht das gar nicht. Pfui, Herr Treiß.
Andererseits ist die Niggelei so nahe an den Nickligkeiten (Bezeichnung von Fußballreportern für die Fouls ihres Heimatvereins), und hat sich Stefan Niggemeier so intensiv den Ruf des keinen Fehler verzeihenden Medienrichters erworben, dass sich der Begriff Niggelei durchaus für konsequente Null-Fehler-Toleranz (oder, je… weiter lesen