Niggelei
von Detlef Guertler“No jokes with names!” heißt eine der ehernen Grundregeln des Journalismus. Erstens können die Leute nix dafür, wie sie heißen, und zweitens kennen sie im Zweifelsfall schon seit der vierten Klasse alle Witze über ihren Namen. Erlaubte Ausnahme: erheiratete Doppelnamen, da in diesem Fall die Leutheusser-Wieczoreks und Däubler-Schnarrenbergers durchaus etwas dafür können, dass sie so heißen, wie sie heißen.
Wenn also Florian Treiß heute bei der Turi-Medienschau einen Witz machen wollte, als er zwei journalistische Unabhängigkeit und korrekte Recherche anmahnende Blogeinträge Stefan Niggemeiers mit Niggelei I und Niggelei II betitelte – dann geht das gar nicht. Pfui, Herr Treiß.
Andererseits ist die Niggelei so nahe an den Nickligkeiten (Bezeichnung von Fußballreportern für die Fouls ihres Heimatvereins), und hat sich Stefan Niggemeier so intensiv den Ruf des keinen Fehler verzeihenden Medienrichters erworben, dass sich der Begriff Niggelei durchaus für konsequente Null-Fehler-Toleranz (oder, je nach Standpunkt, penetrante Korinthenkackerei) einbürgern könnte. Dafür dann: Danke, Herr Treiß.
Stefan Niggemeier wäre übrigens nicht der erste Journalist, der so in den (Fach-) Wortschatz eingehen könnte: Bei unserer Gerichtsreportage-Übung an der Henri-Nannen-Schule gab uns Wolf Schneider ein “Mauzen Sie nicht!” mit auf den Weg. Den einfühlsamen Stil des langjährigen Spiegel-Gerichtsreporters Gerhard Mauz hielt Schneider für uns Frischlinge für ebenso verführerisch wie gefährlich. Beides zurecht.
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Lieber Detlef,
Deine Kritik trifft den Falschen: Ich hab’s dem armen Florian reinredigiert – einfach weil ich so scharf darauf bin, in Deinen wunderbaren Blog aufgenommen zu werden.
Tja, Peter,
wenn ich geahnt hätte, dass du so früh am Morgen schon redigierst, hätte ich ja gleich auf dich getippt…
Zu den erlaubten Ausnahmen – Witze über angeheiratete Doppelnamen – gehörte dann wohl auch folgender:
In den 80er und 90er Jahren gab es im Bundestag eine Diskussion über die Einführung weiblicher Amtsbezeichnungen, also z.B. “Frau Ministerin” statt “Frau Minister”.
Ein CDU-Abgeordneter stellte die Frage, ob die damalige Staatsministerin Irmgard Adam-Schwaetzer dann “Eva-Schwätzerin” heißen sollte.
Da ich gerade bei dem Thema “weibliche Amts- Dienst- und Berufsbezeichnungen” usw. bin: Eine der scheußlichsten sprachlichen Missgeburten ist ja wohl die Taz-Gepflogenheit eines großen “I” im Wortinneren, die z.T. zu grotesken grammatischen Winkelzügen führt, z.T. schlicht überflüssig ist.
Wieso wird uns Detlev Guertler oben links z.B. als “AutorIn” vorgestellt statt einfach als “Autor”?
Das habt ihr davon: Stefan Niggemeier hat sein Blog vom Netz genommen. Oder hat er seine Webhost-Gebühren bloß nicht gezahlt?
@ Stefan M.:
Der letzte Besucher von der regulären Niggemeier-Seite kam jedenfalls gestern um 18.53 Uhr auf meine Seite. Irgendwann danach muss der Blitz eingeschlagen haben.
@ heinrich:
Stimmt eigentlich. Da es manchmal auch taz-Blogs mit mehreren Autoren gibt, müsste da oben eigentlich “AutorIn(nen)” stehen…
Niggemeier wieder da. Puh.