Archive for Juli, 2008

31.07.2008 von Detlef Guertler
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Digiaspora

von Detlef Guertler

Am Sonntag aus Berlin zurück nach Marbella gekommen. Alles in Ordnung, nur ein bisschen Staub, ein bisschen mehr Taubendreck, und kein bisschen Internet. Der Router findet kein DSL mehr. Also die Telefonica angerufen, das Call-Center fragt, ob ich alles richtig eingestoepselt habe, prüft die Leitung, findet den Fehler nicht, beauftragt einen Techniker, keine Sorge, innerhalb von 48 Stunden sei das Problem behoben, das garantiere Telefonica den Kunden.

Nach 48 Stunden hatte weder ein Techniker angerufen noch sich das Problem geloest. Also noch mal die Telefonica angerufen, das Call-Center fragt, ob ich alles richtig eingestoepselt habe, prüft die Leitung, findet den Fehler nicht, beauftragt einen Techniker, keine Sorge, innerhalb von 48 Stunden sei das Problem behoben, das garantiere Telefonica den Kunden. Hey, Call Center, die 48 Stunden sind aber schon vorbei, ich will endlich mein Internet haben! Keine Sorge, ein Techniker wird sich bei Ihnen melden.

Mittwoch, 11 Uhr, 66 Stunden… weiter lesen

26.07.2008 von Detlef Guertler
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Kaffba

von Detlef Guertler

von Wolfgang Wilhelm aus dem Allgäu:

Mein letzter (produktiver) Beitrag für diesen Blog muss schon ziemlich lange her sein. Ich kann mich erinnern, es war zu jener Zeit, als der Milchbauernverband für mehr Geld je Liter Milch streitete. Lieferboykott hin oder her – auf Milch und Milchprodukte musste der Konsument nicht wirklich verzichten.

Ganz anders in Andreas Eschbachs Pentalogie »Das Marsprojekt«.

In der Wikipedia kann man folgendes lesen: »Kaffba« ist das Getränk, welches zum Wahrzeichen der marsianischen Siedlung geworden war. Kaffba hat eine milchbraune Farbe, ohne auch nur einen Tropfen Milch zu enthalten, da es auf dem Mars keine Kühe gibt. Gebraut wird er aus geröstetem Getreide, Kakao und einem halben Dutzend indischer Gewürze. Es hieß, der Geschmack von Kaffba sei unvergleichlich und kein irdischer Kaffba schmecke so gut wie jener vom Mars. Mal schaun, wann die Suchmaschinen das Neuwort aufnehmen.

24.07.2008 von Detlef Guertler
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Klimascheck

von Detlef Guertler

Eine großartige Idee von FTD-Chefökonom Thomas Fricke: Um nationale Konjunktur und globales Klima gleichermaßen zu retten, müsste nur die Regierung “jedem Erwachsenen einen Scheck über 500 Euro zukommen lassen, Kindern die Hälfte. Diese Schecks dürften nur beim Kauf CO2-armer Kühlschränke, Solaranlagen oder Autos eingelöst werden. Die Verkaufsstellen könnten sich das Geld gegen Beleg dann beim Finanzamt abholen.” Ein Kaufkraftschub von ein paar Dutzend Milliarden Euro, und alles garantiert für die Reduzierung des CO2-Verbrauchs in Deutschland!

Doch, das hat was. Anders als in den USA oder Spanien sind zwar Schecks in Deutschland kaum noch in Gebrauch, schon gar nicht für Geschenke vom Staat, aber dennoch würde jeder bei Nennung des Wortes Klimascheck sofort verstehen, dass ihm der Umwelt zuliebe Geld geschenkt wird. Wären die Grünen bitte so freundlich, sich diesen Vorschlag zu eigen zu machen? Oder ist das zu konsumterroristisch?

23.07.2008 von Detlef Guertler
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karikativ

von Detlef Guertler

Über den Begriff “karikative Einrichtung” stolperte Wortistik-Leser Hartmut Bohn neulich beim Radiohören, der sowohl dort wie auch bei den meisten sonst dokumentierten Verwendungen ein schlichter Verschreiber bzw. Versprecher sei (und es sogar in die Liste der “beliebten Fehler” geschafft hat). Aber das wäre ja bestimmt nicht das erste Mal in der Sprachentwicklung, dass aus einem Versprecher ein neues Wort entstünde.

Nun ist karikativ zwar nicht neu, sondern zumindest dem Fremdwörterduden als “in der Art einer Karikatur, verzerrt komisch” bekannt, aber es wird eben nur sehr selten eigenständig verwendet. Was insbesondere im Vergleich mit dem klanglich recht benachbarten kreativ ungerecht ist: 26.300 Treffer bei Google für Kreativdirektor, kein einziger für Karikativdirektor, gar 129.000 Treffer für Kreativagentur, aber wiederum kein einziger für Karikativagentur.

Mal ehrlich, liebe Werber: Wie viele eurer Kreativdirektoren sind in Wahrheit eher Karikativdirektoren? Könntet ihr da nicht wenigstens hin und wieder diesem so sträflich vernachlässigten… weiter lesen

21.07.2008 von Detlef Guertler
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mürben

von Detlef Guertler

Morgen wird Lucie zweistellig. Und weil sie natürlich ganz aufgeregt ist, können wir erst spät damit beginnen, die Wohnung für den Geburtstag herzurichten. “Mürb’ mal den Teig in die Springform”, sagt Annette, und obwohl es sich um Mürbteig handelt, ist dieses Verb für diese Tätigkeit nun wirklich nicht angebracht.

Aber vielleicht für anderes, schießt es mir da durch den Kopf. Denn wir kennen nur “zermürben”, was erstaunlicherweise den Erfolg des Mürbemachens schon voraussetzt.  Wenn man sich hingegen zwar bemüht, jemand mürbe zu machen, aber noch nicht klar ist, ob man damit Erfolg hat, kann man bisher nur zum umständlichen “ich versuche, ihn mürbe zu machen” greifen. Wäre es nicht schön, in solchen Situationen schlicht “ich mürbe ihn” zu sagen?

“Das ist doch wohl nicht zu fassen!”, tönt es da aus der Küche. “Wir haben noch mindestens bis Mitternacht zu tun, um alles zu schmücken und überall die Geschenke zu verstecken,… weiter lesen

17.07.2008 von Detlef Guertler
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forher

von Detlef Guertler

Vorhin Clemens ein bisschen beim Schreiben zugesehen. Da und dort ein altersgerechter Fehler, alle nur mit einem l, sind mit t oder verkleidet mit f. “Das ist doch ganz einfach, Clemens”, sagt Lucie, “ver und vor wird im Deutschen immer mit v geschrieben.” Aber das stimmt natürlich nicht ganz: Schließlich gibt es das Ferkel und die Ferne, die Forke und die Formen, und seit neuestem auch forher. Wenn Clemens das schreiben würde, wäre es natürlich ein Fehler, aber wenn Jens Kunath das schreibt, handelt es sich um ein von ihm gegründetes Online-Magazin für Frauen, die kein Deutsch können.

Doch wenn Jens Kunath schreibt “Forher.de wird über Werbung und Kooperationen Geld verdienen”, dann dürfte es sich ebenfalls um einen Fehler handeln.

16.07.2008 von Detlef Guertler
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kandidabel

von Detlef Guertler

Marietta Slomka hat sich gerade eben im Heute-Journal wirklich sehr bemüht, bei diesem Adjektiv die Anführungszeichen mitzusprechen, quasi als Distanzierung von diesem Neuwort, aber gesagt hat sie es doch: kandidabel.

Das soll Christian Wulff gewesen sein, bis er jetzt dem Stern verriet, dass er kein Alphatier sei. Aber weder Stern noch Slomka können für sich in Anspruch nehmen, das bislang in der Tat fehlende Adjektiv für eine durchaus als Kandidat geeignet scheinende Person erfunden zu haben. Das war wieder mal der Spiegel, und zwar im Februar, und gemeint war auch nicht Wulff, sondern Steinmeier, und der ist zwar eigentlich für überhaupt kein Amt kandidabel, aber wenn die SPD unbedingt meint, dann bitte.

16.07.2008 von Detlef Guertler
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Amateursozialismus

von Detlef Guertler

Da es in den USA noch nie auch nur einen Funken Sozialismus gab, kennen sie sich verständlicherweise nicht so gut aus damit. Vor allem die Republikaner nicht. Nur so lässt sich wohl erklären, dass Jim Bunning, Senator aus Kentucky, die staatlichen Hilfen für die, nennen wir sie mal Pfandbriefanstalten, Fannie Mae und Freddie Mac als “Sozialismus” bezeichnet, und die milliardenteure Rettung für die Investmentbank Bear Stearns vom März als “Amateursozialismus”.

15.07.2008 von Detlef Guertler
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Flunkerferien

von Detlef Guertler

Wenn man der montäglichen B.Z. glauben möchte, gibt es seit gestern in Berlin Flunkerferien – also die aufgrund nicht wirklich vorhandener Kinderkrankheiten ein paar Tage nach vorne gezogenen Schulferien, die nach von der B.Z. erfundenen nicht genannten Experten von jedem zehnten Berliner Schulkind in Anspruch genommen werden.

Die B.Z. wiederum hat sich vermutlich bei spiegel.de bedient, wo nämlich schon am Sonntag die Flunker-Ferien ausbrachen. Ohne jegliche Quellenangabe, also vermutlich selbsterfunden.

Das Hamburger Abendblatt von heute hingegen möchte weder B.Z. noch Spon die Urheberschaft an diesem Wort zugestehen, sondern behauptet, dass “viele Lehrer” von Flunker-Ferien reden, wenn Kinder kurz vor Ferienbeginn plötzlich krank werden. Leider nennt das Blatt keinen einzigen dieser vielen Lehrer, wahrscheinlich weil es keinen gibt.

Aber weder B.Z. noch Spon noch Hamburger Abendblatt teilen uns mit, dass es die Flunkerferien (ohne Bindestrich) bereits seit 1995 gibt, nämlich als Präpubertätsbuch von… weiter lesen

12.07.2008 von Detlef Guertler
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Windradbrötchen

von Detlef Guertler

Endlich mal wieder die ganze Familie beisammen: Leonie aus dem Internat zurück, Clemens von Oma (und mit Oma), und Lucie atmet auf, dass sie nicht mehr die ganze Zeit mit den langweiligen Eltern alleine sein muss. Clemens will uns aus dem Bett bekommen, weil er frühstücken will. “Nimm doch erst mal die Bestellungen auf”, sagen wir und geben ihm Zettel und Stift – bei sechs Personen mit ganz spezifischen Brötchenwünschen kann man sonst schnell durcheinander kommen und nichts ist schlimmer als ein falsches Brötchen zum Frühstück.

Also gut, Clemens sammelt und kommt zu uns zurück: ein Käse- und ein Roggenbrötchen für Leonie, Kürbis- und Kaiserbrötchen für Oma, Franzbrötchen und Windradbrötchen für Lucie.

Windradbrötchen? “Na, die mit dem Windrad obendrauf”, antwortet Lucie. Da begreifen wir: Sie meint das fünfgeteilte Weizenbrötchen, das in einigen Gegenden Kaiserbrötchen heißt (wie von Oma bestellt) und in anderen Sternsemmel (wie bei Butter Lindner ausgeschildert). Nur Windradbrötchen… weiter lesen