Archive for Juli, 2008

09.07.2008 von Detlef Guertler
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Zitatenschwäche

von Detlef Guertler

Fußballer mit Abschlussschwäche treffen das Tor nicht, Schüler mit Rechtschreibschwäche machen im Diktat viele Fehler, Vorgesetzte mit Praktikantinnenschwäche sollten darauf achten, dass keine Überwachungskamera installiert ist, und wer Blasenschwäche hat, muss öfter aufs Klo oder Granufink-Kapseln schlucken. Was aber soll eine Zitatenschwäche sein?

Das erklärt uns Katharina Schiller von der PR-Agentur Schmidtkaiser, die dieses Wort erfunden hat, nämlich in der Überschrift für eine Meldung, die so beginnt:

“Die Zitatgenauigkeit deutscher Journalisten scheint unter dem redaktionellen Kahlschlag der letzten Jahre zu leiden. So stellte das F.A.Z.-Institut in einer deutschlandweiten Medienanalyse fest, dass lediglich 60 Prozent der Redakteure, die über die letztjährige “Mercedes-Benz Fashion Week Berlin” berichteten, den Namen der Veranstaltung richtig zitiert haben. Fast 40 Prozent der Journalisten verwechselten das Treffen der Generation nach Yves Saint Laurent mit anderen Veranstaltungen, nannten es “Fashion Week” oder “Modetreffen”.”

Wenn ich das richtig verstehe, liebe Frau Schiller und liebes FAZ-Institut, heißt Zitatenschwäche… weiter lesen

08.07.2008 von Detlef Guertler
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krähfußen

von Detlef Guertler

Wenn man, wie Handelsblatt-Medienblogger Thomas Knüwer, den Krähenfuß beverben möchte, heißt es dann:

- eine Journalistin gehobenen Mittel-Alters und vom Leben gekrähfußt, wie bei Knüwer, oder

- eine Journalistin gehobenen Mittel-Alters und vom Leben krähgefußt, wie es der Wortist schreiben würde, wenn er so etwas schreiben würde?

Oder krähengefußt? Krähgefüßt? Gekrähfüßt?

Deutsch ist schon eine großartige Sprache.

08.07.2008 von Detlef Guertler
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ernsten

von Detlef Guertler

Leser stw weist mich auf ein “verwegenes neues Wort” hin, das Stefan Zweig so bereits 1942 in der Schachnovelle eingeführt hat, nämlich das Ernsten:

“Nun bin ich zeitlebens nie ein ernstlicher Schachkünstler gewesen, und zwar aus dem einfachen Grunde, daß ich mich mit Schach immer bloß leichtfertig und ausschließlich zu meinem Vergnügen befaßte; wenn ich mich für eine Stunde vor das Brett setze, geschieht dies keineswegs, um mich anzustrengen, sondern im Gegenteil, um mich von geistiger Anspannung zu entlasten. Ich “spiele” Schach im wahrsten Sinne des Wortes, während die anderen, die wirklichen Schachspieler, Schach “ernsten”.”

Hat sich dieses einerseits verwegene, andererseits doch so naheliegende Neuwort in der deutschen Sprache durchgesetzt? Grund genug hätte es ja gegeben, schließlich ist vieles, was zu Zweigs Zeiten noch als Spiel galt, längst zu ernsthaftem Geschäft und Beruf geworden – und selbst wenn man beim Viertelfinalsieg Deutschlands gegen Portugal ein paar Augenblicke meinen… weiter lesen

07.07.2008 von Detlef Guertler
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Schulbrotquote

von Detlef Guertler

In der gestrigen Sonntags-Faz sind Carsten Germis und Winand von Petersdorff dankenswerterweise dem modernen Mythos hungriger Hartz-IV-Kinder nachgegangen, wonach immer öfter immer dünnere Kinder ohne Frühstück und Pausenbrot in die Schule kommen. Was insbesondere deshalb so unglaublich ist, weil noch vor kurzem kindliches Übergewicht ein Kennzeichen für die sozial schwache Herkunft war – wer erinnert sich nicht an Harald Schmidts “Dicke Kinder von Landau”?

Und was ist nun die Wahrheit über das Pausenbrot? Es kommen zwar, so Monika Lack, Rektorin der Karmeliter-Grundschule im Frankfurter Bahnhofsviertel, relativ viele Schüler ohne Frühstück zur Schule, aber für die Pause haben eigentlich alle etwas dabei – und wenn kein Brot, dann irgendwas Süßes, und wenn auch das nicht, dann Geld, um sich am Kiosk was zu kaufen. Also eine Schulbrotquote von fast 100 Prozent, “und wenn ausnahmsweise was fehlt, dann helfen sich die Kinder untereinander”, so die Rektorin.

Die Autoren vermuten, dass die Zustände… weiter lesen

01.07.2008 von Detlef Guertler
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Selbstmordtäter

von Detlef Guertler

Einen “reinen Selbstmordtäter” nennt Hamburgs Ärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery den ehemaligen Hamburger Justizsenator Roger Kusch, weil der einer 79jährigen dabei half, Selbstmord zu begehen, um sich so das Altersheim zu ersparen.

Das Anliegen hinter dieser Wortschöpfung ist legitim: Montgomery möchte unterscheiden zwischen dem Sterbehelfer, der unheilbar Kranke auf deren Wunsch von ihrem Leiden erlöst, und einer Person, die einem aus welchem Grund auch immer lebensmüden Menschen den Giftbecher oder die geladene Pistole reicht. Der Selbstmordtäter ist als Begriff so nahe am Selbstmordattentäter, dass allein die Verwendung dieses Worts ausreicht, um sich als scharfen Kritiker dieses Verhaltens kenntlich zu machen. Durch die Unterscheidung zwischen (gutem) Sterbehelfer und (bösem) Selbstmordtäter gäbe es auch die Chance, sich vom Begriff Euthanasie zu lösen, der jede Debatte über die Grenze zwischen Leben und Tod (und deren Überschreitung) automatisch 70 Jahre zurückwirft.

Ob sich der Selbstmordtäter als Begriff durchsetzt (oder irgendein anderer, der Gut… weiter lesen