Archive for August, 2008

30.08.2008 von Detlef Guertler
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Goldtstücke – schaumstoffbunt

von Detlef Guertler

Der im vergangenen Sommer begonnenen und damals fürs Erste auch zu Ende gegangenen Serie mit Neuwörtern aus dem Oeuvre Max Goldts (allgemeine Erläuterungen zum Wie und Warum der Goldtstücke stehen beim ersten seiner Art) möchte ich mindestens noch eine Folge hinzufügen, weil sich unser heutiges Neuwörtchen in einem der schönsten Loblieder auf die Innovationskraft der deutschen Sprache befindet. Das Lied, der Text also, heißt “So machen es die klugen Sprachen”, preist das “neue, ganz besonders schöne Wort” Rohlingsspindel und findet sich in dem Buch “QQ”, Rowohlt Berlin 2007, S. 58 ff. Hier nur ein paar Auszüge daraus:

“Sogar Hoffnung geht aus von der Rohlingsspindel. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Deutsche allzu widerstandslos als eine Art Dorftrottel unter den Sprachen präsentiert, der nicht in der Lage ist, für aktuelle Gegenstände aus seinem angestammten Wortschatz neue Begriffe zu bilden, und sich statt dessen auf eine Weise die einweiter lesen

28.08.2008 von Detlef Guertler
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steifdeutsch

von Detlef Guertler

“Sprache verändert sich, weil sie sich immer schon verändert hat. Wollen wir sprechen, wie man im Mittelalter gesprochen hat, in einer Art lateinisch-steifdeutschem Dialekt?” Wollen wir natürlich nicht, Herr Horx, danke für die rhetorische Frage (Dank an die Medienlese für den Link).

Sollte man dann auch gleich den Verein Deutsche Sprache in “Verein Steifdeutsche Sprache” umbenennen? Nicht? Aber doch wenigstens die Aktion Lebendiges Deutsch in “Aktion Steifes Deutsch”?

27.08.2008 von Detlef Guertler
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Kulturbaron

von Detlef Guertler

Ein hübsches Etikett von Kristina Judith (oder doch Redigateur Peter Turi?) für Spiegel-Irrwisch Matthias Matussek. Während sonst die obersten Kulturschreibenden der Republik gerne als Kultur- oder Feuilleton-Mafia bezeichnet werden, will dieser Begriff auf den seines Amtes, aber nicht seiner Selbstdarstellungsplattform enthobenen Matussek nicht recht passen. Aber der Baron passt umso besser: So wie die Räuberbarone des amerikanischen Wildwestkapitalismus des 19. Jahrhunderts (und die oberschlesischen Schlotbarone natürlich auch) nach Gutsherrenart wirtschafteten, so kulturiert Matussek nach Gutsherrenart.

Sogar das Buch zum Begriff gibt es schon: “Der Kulturbaron” eben. Aber dabei handelt es sich nicht um die Matussek-Autobiografie, sondern um die “Festgabe für Bernhard M. Baron zum 50. Geburtstag am 12. Mai 1997, dargebracht von Adalbert Busl, Eberhard Dünninger, Gerhard Koß, D.-R. Moser, Karl-Heinz Preißer und Otmar Schwarzer, Weiden i. d. O., München 1997.” Aber wenn Matussek bei Adalbert Busl, Eberhard Dünninger, Gerhard Koß, D.-R. Moser, Karl-Heinz… weiter lesen

25.08.2008 von Detlef Guertler
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Datenchuzpe

von Detlef Guertler

Ein interessantes Wort, das Wortistik-Leser Stefan Scharping im Blog püöahh gefunden hat. Zwar ist nicht so ganz klar, ob der Autor denjenigen Datenchuzpe bescheinigt, die mit Kundendaten Handel treiben, oder nur diejenigen, die das ohne Einwilligung der Kunden machen, oder etwa diejenigen, die jetzt vorschlagen, dass nur noch mit Daten gehandelt werden darf, bei denen der Kunde explizit dem Handel zugestimmt hat – aber in jedem dieser Fälle ist der Begriff durchaus verwendbar.

Dabei fällt am Rande ein kleines Stück Ökonomie ab: Wer den Handel mit Daten erschwert, macht die Daten teurer und erhöht damit den Anreiz, mit ihnen zu handeln – und steigert dadurch auch die kriminelle Energie der Datenhändler. Eine nachhaltige Lösung müsste also wohl nicht die Angebots-, sondern die Nachfrageseite regulieren – beispielsweise durch schwarze Listen, auf denen Unternehmen landen, die gekaufte Daten für die Kundenakquise verwenden. Und weil man nicht jeden Datenhandel verbieten kann… weiter lesen

23.08.2008 von Detlef Guertler
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Idiotikon

von Detlef Guertler

Die Schweiz ist ein wenig -kon-lastig. Dort gibt es nämlich nicht nur Orte wie Dietikon, Uitikon und Rüschlikon, und nicht nur Bergregionen wie das Rätikon, sondern auch ein Buch namens Idiotikon. Besser gesagt, nicht eines sondern gleich 15 und demnächst 17 davon. Dann nämlich, irgendwann in zehn Jahren, wird das “Schweizer Idiotikon” endlich abgeschlossen sein, das “größte Regionalwörterbuch des Deutschen”.

“Inzwischen hat jede Landessprache der Schweiz ihr eigenes Wörterbuch”, entnehmen wir der NZZ (wo es der Monarch des Wortreiches gefunden hat), nämlich “das Idiotikon, das Glossaire, das Vocabolario und das Dicziunari.” Und weil die Macher des Idiotikons wohl schon gewohnt sind, dass dieser Begriff zu Missverständnissen führt, geben sie selbst die Antwort auf die jedem sofort naheliegende Frage: “Idiotikon ist eine auf griechisch ídios ‘eigen, eigentümlich’ zurückgehende Wortschöpfung und meint wörtlich ein ‘Verzeichnis der einer bestimmten Mundart eigenen Besonderheiten’.”

Aber da wir der NZZ… weiter lesen

22.08.2008 von Detlef Guertler
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chemisches Barren

von Detlef Guertler

von A.S. Reyntjes:

„Verstoffwechslung (und zwar die schnelle, die bisher nicht erwischte)“:

= i.V. mit der medizinisch-dressurmäßigen Technik des chemischen Barrens.

Die normale Verstoffwechslung, also der Umsatz in stoffgebundenen Körpervorgängen, was man früher Stoffwechsel nannte, als man nichts verheimlichen oder chemisch schneller, fitter oder in Dopingabsicht oder als Medizinersatz gesteuert vorantreiben wollte:

Wo schienbein-knochentrocken-normal die phsiologische oder biochemische Arbeit des Pferdeskeletts gemeint war – kann man heute – je nach Absicht Beschleunigungen oder biologische Veränderungen vornehmen, durch ein Feinprodukt, ursprünglich aus der Chili gemahlen: „Capsaicin“.

Was früher durch verstecktes, aber auffälliges „Barren“ geleistet wurde - (wen der Begriff nur an den Schulsport erinnert, kann nachhelfen)- , dass die hochdotierten Pferdchen ihre kostbaren Beinchen höher zogen als es der augenblickliche, muskuläre Zustand zuließ, kann man heute durch die Beeinflussung der Schmerzempfindlichkeit: Pferdchen anstacheln, sich mehr Mühe beim Höhen- oder Weitflug zu… weiter lesen

22.08.2008 von Detlef Guertler
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Talberg

von Detlef Guertler

Das lässt sich Leonie nicht bieten. “In Meißen seid ihr doch im Tal der Ahnungslosen”, wird sie beim Frühstück von ihrer Mutter hochgenommen. “Afra liegt nicht im Tal, sondern auf dem Berg”, kontert Leonie, “und einen Berg der Ahnungslosen gibt’s ja wohl nicht.” Sie frühstückt und denkt weiter. “Wenn ein Berg im Tal liegt, ist das dann noch Tal, oder schon Berg?” Keine Antwort. “Ich finde, Talberg ist ein schönes Wort”, beschließt sie ihre Gedanken. “Los, Papa, schreib das auf.”

21.08.2008 von Detlef Guertler
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Rückklick

von Detlef Guertler

Vermutlich steht dieses Wort schon seit einiger Zeit bei wuv.de auf Seiten wie dieser, wenn zu einer aktuellen Meldung auf ältere Beiträge verwiesen wird, aber soooo regelmäßig schaue ich dort nicht vorbei. Das Wort Rückklick ist bislang reichlich ungebräuchlich, hat mich aber sofort überzeugt – weil es dem Ärgernis abhelfen kann, dass man zu dazugelinkten Texten kommt, die nicht verraten, ob sie ebenfalls aktuell oder schon Tage, Monate, Jahre alt sind. Bis man sich ganz nach unten durchgelesen hat, und dort möglicherweise das Datum findet, hat man sich schon dreimal völlig umsonst aufgeregt, gefreut oder gewundert.

Also bitte, liebe Onleiner: Wenn ihr zu ollen Kamellen verlinkt, bitte in Zukunft immer Rückklick dazuschreiben, ja?

19.08.2008 von Detlef Guertler
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Blog-Groupie

von Detlef Guertler

Aus aktuellem Anlass (oder besser gesagt: eins zwei aktuellen Anlässen), und weil von einem Mitdiskutanten das mir bislang nicht bekannte Wort Bloggroupie verwendet wurde (das ich im Deutschen der Lesbarkeit wegen immer mit Bindestrich schreiben würde), sei hier auf eine Frage verwiesen, die Monika Mundell bereits am 20. November 2007 gestellt hat: “Do Blog Groupies Rule The Internet?”

Was sind Blog-Groupies, Frau Mundell? “Since there isn’t really a valid definition of blog groupies to be found, we can assume that blog groupies are those who hang onto every word of the most famous bloggers, jostling for space to be seen on the comments section (need to be in the top 10 to make it worthwhile) and take every opportunity to quote or paraphrase whatever they say. Whether it is true or not.”

Und wo ist das Problem? “I can’t stand blog… weiter lesen

18.08.2008 von Detlef Guertler
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Pesetist

von Detlef Guertler

Heiße Debatten ruft derzeit im führenden spanischen Immobilienblasenforum ein Artikel des Wortisten in der Online-Welt hervor: “Warum Spanien sich die Pesete zurückwünscht”. Unter anderem gilt er in der Diskussion als Versuch der rechtskonservativen Kräfte des “starken Europa”, Spanien aus dem Euro-Raum herauszuwerfen, weil die Deutschen keine Lust darauf haben, den Euro mit den Spaniern zu teilen. Andere Diskutanten fragen sich, wie sie es bei der Rückkehr zur Pesete schaffen, dass nur ihre Schulden in Peseten umgerubelt werden, ihre Guthaben aber weiterhin in Euro laufen (Reicht es, wenn ich in Spanien ein Konto bei einer ausländischen Bank eröffne?), oder wüssten gerne, ob dann nur der Staat seine Schulden statt in Euro in Peseten zurückzahlt, oder ob sie das mit ihren privaten Krediten auch machen können.

Nun ist es zwar noch ein paar Monate oder gar Jahre hin, bis die spanische Wirtschaft so am Boden liegt,… weiter lesen