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vonDetlef Guertler 15.08.2008

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Interessante Frage im Bremer Sprachblog: Soll man die vier Herren von der Aktion lebendiges Deutsch nun „Aktionäre“ nennen, wie es Anatol Stefanowitsch praktiziert, oder doch eher „Aktionisten“, wie von Leser Ma vorgeschlagen?

Mit gefällt beides nicht: Beim Aktionär sehe ich nicht die Aktion, sondern die Aktie vor mir, und beim Aktionisten eher Baumumarmer, Tierschützer und Hausbesetzer als vier ältere Herren in Sorge um die deutsche Sprache. Ich plädiere deshalb für die Renaissance, ‚tschuldigung, Wiedergeburt eines guten alten deutschen Wortes – des Aktionators. Dem Duden von heute ist er nicht mehr geläufig, aber Meyers Großes Konversationslexikon von 1905 kannte ihn noch:

Aktionator (neulat.), Kläger; Makler; aktionieren, gerichtlich belangen.

Natürlich ist es ein bisschen heikel, wenn man den Vorkämpfern gegen hässliche Anglizismen ein Etikett aufklebt, das in der guten alten Zeit als „neulateinisch“ galt – aber die Verbindung mit dem Klagen bzw. dem Lostreten von Prozesslawinen passt doch großartig, oder?

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https://blogs.taz.de/wortistik/2008/08/15/aktionator/

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kommentare

  • Fremdwörter-Duden in Ehren, aber was in dieser 1. Definition von „Aktionist“ steht, kennen Volksmund, Medien usw. als „AKTIVIST“. Und genau das sind die vier Herren ja – ob Sprachschützer, Umweltschützer oder Tierschützer, ein Wesensunterschied ist da nicht zu erkennen.

    Auf Hausbesetzer passt dagegen gar keiner der vorgeschlagenen Termini. Die wollen bisweilen einfach nur wohnen, gerne auch ohne Breiten- bzw. Öffentlichkeitswirkung – ganz gleich, wieviel Sozialromantik der Durchschnittspunk im Alltag so absondert.

  • Ich finde, der Aktionist trifft es ganz gut, wenn man ausdrücken will, dass jemand sich und andere in sinnlosen Aktionen erschöpft.

    Der Fremdwort-Duden (2007) sieht das ähnlich. Danach sind »Aktionisten« Vertreter des »Aktionismus«, welcher erklärt wird als:

    1. Bestreben, das Bewusstsein der Menschen od. die bestehenden Zustände in Gesellschaft, Kunst od. Literatur durch gezielte […] Aktionen zu verändern.

    2. (oft abwertend) übertriebener Tätigkeitsdrang.

    Vielleicht bestärkt zu große Aufmerksamkeit die Herren Aktionisten immer wieder in ihrem Tätigkeitsdrang und wir sollten sie einfach häufiger ignorieren?

  • Mal abgesehen davon, dass mir persönlich der Begriff des Aktionators äusserst sympathisch ist, stellt sich mir hier doch die Frage weshalb es für vier ältere Herren so unangenehm sein sollte sich mit Baum sprich Umweltschützenden, ihre Bürgerrechte hinsichtlich verfassungs bzw ethisch sozial gerecht verteiltem Wohnraums protestierend selbst Exekutierenden , sowie Tierliebenden frei nach Franz von Assisi QUASI einer Berufungsbezeichnung nach ansatzweise in einen Topf geworfen zu werden.
    Meines Erachtens alles nichts, wofür man sich schämen müsste, oder genauer gesagt nichts, das das hehre Ziel der Erhaltung einer Sprachkultur bzw der Sorge um ebenjene in Frage stellt oder gefährdet?
    Finde Ihren Ansatz hier gelinde gesagt auf äusserst schlichte Art und Weise polemisch verfärbt, und grade ebent darum Stammtisch jedoch nicht der öffentlichen Diskussion würdig.
    In diesem Sinne,
    Ihre
    Anna K.K.

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