Archive for August, 2008

16.08.2008 von Detlef Guertler
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Saakaschment

von Detlef Guertler

von A.St. Reyntjes:

In der letztseitig besonderen „taz“ (schon vom 12.08.2008) – als „WAHRHEIT“ angekündigt, gedruckt zu lesen am 13.08., dem Mauer-Benennungs- und Erkennungs-Tag: ja, ein hehres Heldengedicht:

“Zu Ehren des großen Georgiers Saakaschwili”

So lautert es da:

‘Es wird ganz Deutschland einstmals Saakaschwili danken.
In jeder Stadt steht Saakaschwilis Monument.’”
(… etc.)

Die kommentierenden Wahrheits-Leser jaulen auf: … Sackerment, oh, oder ähnlich: böse, scham- und geschmacklose Wahrheit sei’s!

Fleißig und schwungvoll kommentiert’s da.
Und bis zum 15.08.2008 – 12:06 Uhr haben die Wahrheitler nicht aufgeklärt, dass es sich um eine schlau variierte Stalin-Vergötzung in Alpha und Beth handelt, Gedicht genannt.

Länger wollte ich nicht warten und habe eigentippig kommentiert: 15.08.2008 12:07 Uhr.

Und das ist nun nachzulesen:

Saakaschment-thanks, so lange läuft die gutgemachte Wahrheit.

“Saakaschment!”
Mhm – ein Neuwort – päh: noch nicht vergoogelt! (und nie-verDUDENelt, wetten!).

“Saakaschment”… weiter lesen

15.08.2008 von Detlef Guertler
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Aktionator

von Detlef Guertler

Interessante Frage im Bremer Sprachblog: Soll man die vier Herren von der Aktion lebendiges Deutsch nun “Aktionäre” nennen, wie es Anatol Stefanowitsch praktiziert, oder doch eher “Aktionisten”, wie von Leser Ma vorgeschlagen?

Mit gefällt beides nicht: Beim Aktionär sehe ich nicht die Aktion, sondern die Aktie vor mir, und beim Aktionisten eher Baumumarmer, Tierschützer und Hausbesetzer als vier ältere Herren in Sorge um die deutsche Sprache. Ich plädiere deshalb für die Renaissance, ‘tschuldigung, Wiedergeburt eines guten alten deutschen Wortes – des Aktionators. Dem Duden von heute ist er nicht mehr geläufig, aber Meyers Großes Konversationslexikon von 1905 kannte ihn noch:

Aktionator (neulat.), Kläger; Makler; aktionieren, gerichtlich belangen.

Natürlich ist es ein bisschen heikel, wenn man den Vorkämpfern gegen hässliche Anglizismen ein Etikett aufklebt, das in der guten alten Zeit als “neulateinisch” galt – aber die Verbindung mit dem Klagen bzw. dem Lostreten von Prozesslawinen passt doch großartig, oder?

14.08.2008 von Detlef Guertler
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aufstraucheln

von Detlef Guertler

Aufstacheln und anstacheln kennt man: Da wird einer oder werden zwei zu einer herausragenden Leistung (positiv oder negativ herausragend) bewegt, indem ein Feindbild oder ein zu überwindendes Hindernis in den Weg gelegt wird.

Aber wie nennt man es, wenn zwei sich im Wettstreit miteinander immer weiter lächerlich machen – so wie Marco Dettweiler und Peter Glaser? “Zickenkrieg 2.0.” schreibt Peter Turi, was angesichts des völligen Fehlens weiblicher Streit-Teilnehmer keine gute Lösung ist. Da gefällt mir der Vorschlag von Mike Schnoor schon wesentlich besser: “Selbst wenn sich Marco Dettweiler und Peter Glaser mittlerweile öffentlich gegeneinander aufstraucheln”, schreibt er – und “gegeneinander aufstraucheln” ist in sich so paradox, dass es geradezu genial ist. Danke dafür. Und danke allen Beteiligten an der Diskussion für das mittlerweile schon zweite Neuwort.

12.08.2008 von Detlef Guertler
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minderbepimmelt

von Detlef Guertler

Im Newsletter von turi2 dem Verweis auf einen wunderbaren Streit zwischen Marco Dettweiler (FAZ) und Peter Glaser (Guru oder so) über die Urheberrechte am Satz “Die Welt ist eine Google” gefolgt. Für den dann Leser EvilFuManchu das Fazit findet: “Für mich halten hier zwei “Minderbepimmelte” einfach nur ihre kleinen Dinger aneinander um zu sehen wer letztendlich den kürzeren hat.”

Nun sind wir hier zwar keine Freunde von Schwanzvergleichen, aber dafür umso mehr von Neuwörtern. Und zumindest laut Google gibt es Schwanzvergleiche vieltausendfach, aber in keinem einzigen Fall wurde bisher das Wort minderbepimmelt verwendet. Das darf sich ab jetzt gerne ändern.

11.08.2008 von Detlef Guertler
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media watch dog

von Detlef Guertler

“Kurt Tucholsky ist ein media watch dog der ersten Stunde”, schrieb gestern die taz, was wiederum A. St. Reyntjes auffiel, den wiederum wunderte, für diesen “denglischen Presse-Wachhund” schon 7.550 Google-Treffer im deutsch- und dutchsprachigen Netz gefunden zu haben.

Wobei mir die Übersetzung “Presse-Wachhund” nicht gefallen will, weil das ja eher jemand wäre, der die Presse vor Angreifern von außen schützt (und nicht vor eigenen Fehlern), wohingegen der “Presse-Kritiker” wieder etwas zu grob wäre (weil hier der Kritiker wohl so negativ wie in Regime-Kritiker rüberkommt und nicht so neutral wie in Theaterkritiker), der Pressebeobachter allerdings wieder zu neutral wäre. Um jemanden zu beschreiben, der seinen Beobachtungsgegenstand kritisch-distanziert bearbeitet, wäre es ja schön, wenn man da einfach -journalist anhängen könnte, aber dafür fehlt ganzen Teilbranchen wie den Reise-, den Auto- oder den Börsenjournalisten zu sehr die kritische Distanz – ganz abgesehen davon, dass man Tucholsky auch nicht gerecht… weiter lesen

10.08.2008 von Detlef Guertler
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Geizgrenze

von Detlef Guertler

“Ganz schön sparsam, dieser Xy”, sage ich zu meiner Frau. “Sparsam?”, antwortet sie, “das ist hart an der Geizgrenze!” Nun soll hier nicht über Xy geredet werden, aber eben über die Geizgrenze. Von der hatte ich nämlich vorher noch nie etwas gehört, und auch Google warf nur sechs Treffer dafür aus, obwohl “hart an der Geizgrenze” doch eine hübsche, sofort verständliche Bezeichnung für jemanden ist, der es mit der Sparsamkeit etwas übertreibt.

Außerdem erfüllt die Geizgrenze auch noch eine wichtige Bedingung, die im Deutschen für die Aufnahme von -grenzen in den Wortschatz zu bestehen scheint: Sie müssen nämlich die Grenze zu etwas Negativem markieren. Jedenfalls werden Wörter, die den Übergang vom Normal- zum Negativzustand markieren, wesentlich häufiger verwendet als vergleichbare Wörter am Übergang von Normal nach Positiv:

Altersgrenze: 816.000 Treffer
aber: Jugendgrenze: 22 Treffer, Kindergrenze: 27 Treffer, Kindheitsgrenze: 0 Treffer

Armutsgrenze: 326.000 Treffer
aber: Reichtumsgrenze: 509 Treffer

Schmerzgrenze:… weiter lesen

08.08.2008 von Detlef Guertler
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damoklesisch

von Detlef Guertler

“Damoclean Days” meldet der Economist, und zieht damit für einen Text über die Kreditderivate-Märkte George Soros’ Sorge in die Überschrift,

the prospect of widespread counterparty woes “overhangs the market like a Damocles sword that is bound to fall”,

was schlicht bedeutet, dass der plötzliche Ausfall eines der großen Akteure im Spiel mit diesen börsenfernen, intransparenten Papieren erst den Markt und dann das ganze Finanzsystem sprengen könnte. Was, so der Economist, auch der eigentliche Grund gewesen sei, warum Bear Stearns im März nicht pleite gehen durfte.

Im Englischen ist Damoclean sehr gebräuchlich, nicht zuletzt, weil unser zusammengesetztes Damoklesschwert dort Damoclean Sword heißt. Für damoklesisch hingegen gibt es nur acht Google-Treffer, und wir sollten ja wohl auch nicht anfangen, vom damoklesischen Schwert zu reden. Aber seit nunmehr einem Jahr gibt es doch eine ganze Reihe von Teilmärkten, Unternehmen, Situationen etc. an den Finanzmärkten, die ein solches Eigenschaftswort ganz… weiter lesen

07.08.2008 von Detlef Guertler
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Urkundenspiegel

von Detlef Guertler

Morgen ist es wieder so weit. Schluss mit den Zensur-Nachrichten und Nichtzensur-Nichtnachrichten, mit Fackeln und Freiheitskämpfern, die Olympischen Spiele beginnen, der Sport hat das Wort, und die Menschen in aller Welt schauen auf die Wettkämpfe und messen den Erfolg ihres Landes am Abschneiden im Medaillenspiegel.

Nur die Spanier nicht. Die messen sich am Urkundenspiegel. Alejandro Blanco, Präsident des Spanischen Olympischen Komitees, gibt jedenfalls als zu erreichende Messlatte keine Medaillenzahl an, sondern die Summe der Zahl der Medaillen und der Urkunden: “In Athen hatten wir 72 (19 Medaillen und 53 Urkunden), diesmal rechnen wir damit, die 80 zu überschreiten.”

Urkunden? Ja, Urkunden. Die bekommen nämlich, wenn wir Herrn Blanco glauben können, all diejenigen Teilnehmer, die in ihrem Wettbewerb unter den ersten Acht landen. Und für ein Land, das es selbst bei Heimspiel-Olympia (1992 in Barcelona) nur auf 22 Medaillen gebracht hat, sind ja auch Plätze zwischen Vier und Acht schon ein… weiter lesen

06.08.2008 von Detlef Guertler
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Atomkraftmeier

von Detlef Guertler

Ich muss jetzt ganz tapfer sein.

Da schaue ich routinemäßig bei Deutschlands Überschriften-Lehrredaktion, der FTD, vorbei, und finde Polens Atomkraftmeier über einem Text von Sebastian Becker aus der morgigen Ausgabe über das stramme polnische Atomenergieprogramm. Atomkraftmeier, das ist gut, das kennzeichnet wunderbar sowohl Form als auch Inhalt der polnischen Energiepolitik, das soll mein Neuwort für heute sein.

Ebenfalls routinemäßig schaue ich vorher noch bei Google vorbei, um zu prüfen, ob schon mal jemand dieses Wort verwendet hat. Tatsächlich, einer hat: eine zwei Jahre alte Satire aus dem Tagesspiegel, in der Richterin Barbara Salesch den Konflikt zwischen den USA und Irans Atomkraftmeier Ahmadinedschad schlichten durfte.

Aber was muss ich da sehen? Der Autor von damals ist Giovanni di Lorenzo! Meine Lieblingsknallcharge als Neuwortschöpfer! Da können mich nicht mal die multiplen Rechtschreibfehler in seinem Text trösten. Wie gesagt: Ich muss heute sehr tapfer sein.

05.08.2008 von Detlef Guertler
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fackellaufen

von Detlef Guertler

Fackellauf: 249.000 Google-Treffer

Fackelläufer: 15.400 Google-Treffer

Fackelläuferin: 1440 Google-Treffer

fackellaufen: 94 Google-Treffer

Und wenn wir dabei alle die Treffer abziehen, die zwischen Fackel und laufen noch ein Leerzeichen haben, bleiben ganze 36 Treffer übrig. Und zieht man davon alle die Treffer ab, bei denen es sich nicht um ein Verb, sondern um ein Substantiv handelt (Da wird aus Fackellaufen Fackelverstecken , Das Fackellaufen war übrigens eine deutsche Erfindung oder so ähnlich), bleiben drei Treffer übrig, die alle auf ein und den selben Satz weisen: Hennig wird nun als Privatmann fackellaufen,  im Blog VIP-Raum des Nürnberger-Zeitungs-Journalisten  Peter Viebig.

So intensiv auch Jens Weinreich und Stefan Niggemeier über die journalistischen Peking-Enten des sid-Redaktionsleiters Dieter Hennig berichtet haben, auf dieses Verb sind sie genau so wenig gekommen wie alle anderen Schreiber, die sich in den vergangenen Monaten mit dem olympischen Fackellauf… weiter lesen