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vonDetlef Guertler 08.09.2008

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Anatol Stefanowitsch (dessen Vorschlag „Aktioneur“ für die vier Herren der Aktion Lebendiges Deutsch ich gerne übernehme) weist heute darauf hin, dass im vergangenen Monat die Monatsaufgabe dieser Aktion falsch gestellt war:

„Das Wort, das sie „vorschlagen“, <aktualisieren statt updaten, D.G.> ist auf allen großen Betriebssystemen der allgemein akzeptierte und unstrittige Begriff für den betreffenden Vorgang. Aus sprachpuristischer Sicht ist es also nicht das Verb, das Schwierigkeiten macht, sondern das Substantiv Update, denn hier fehlt ein griffiges deutsches Wort.“

Das wiederum muss den Wortisten auf den Plan rufen. In der Tat bietet leo.org für das Substantiv update nur folgende Übersetzungen an: Aktualisierung, Durchbuchung, Fortschreibung, Nachfolgemodell, Verbesserung, Verbuchung, und eben Update. Früher muss es einmal auch die Übersetzung Neuaufwurf gegeben haben, nach intensiver Diskussion wurde sie aber als falsch eliminiert.

Dass ein Update immer eine Verbesserung wäre, halte ich für ein Gerücht. Aber neu ist es definitionsgemäß. Also könnte sich etwas mit Neu- basteln lassen – so wie ich ein Manuskript, das ich noch einmal überarbeiten musste, als Neufassung an Redaktor oder Lektor schicke, und nicht als Update. Zumindest für einen Teil der bisherigen Verwendungsfelder von Update könnte man es einmal mit dem Neustand versuchen, etwa wenn es um ein Update einer Gästeliste oder einer Hochrechnung am Wahlabend geht. Erstaunlicherweise gibt es für das naheliegende Wörtchen Neustand nämlich noch überhaupt keine Bedeutung: Wenn es Google findet, dann meistens als Schreibfehler von Neustadt oder Neuzustand.

Sollte es noch andere Vorschläge zur Eindeutschung des Updates geben, werde ich diesen Eintrag natürlich sofort auf Neustand bringen.

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kommentare

  • Das Update hat meinem Empfinden nach zwei Bedeutungen:

    erstens im Sinne von „der Diff“ / „die Änderung“ und zweitens im Sinne „die Version“ / „die Revision“.

    Und „Neustand“ deckt meinem Empfinden nach nur letztere Bedeutung ab. Das ist soweit auch damit konsistent, dass diese Bedeutung keines Verbes bedarf und sich passender Weise für „Neustand“ auch kein einfaches Verb bilden lässt.

    Update im Sinne einer Änderung dagegen würde man dagegen oft in Verbform anwenden wollen, weshalb hier eventuell ein getrenntes Wort angebracht wäre.

    Es würde sich hier dann natürlich anbieten, mit „Stand“ bedeutungsverwandte Worte oder Wurzeln heranzuziehen, und z.B. Neustellung, Neustehung, Neus{e,a}tz, Neusetzung, Neustillung, …

    Persönlich gefällt mir der Neusatz aufgrund des Anklangs an das Patchset, da in meiner Erfahrungswelt ein Update meist ein Satz von Patches ist. Das Verb „updaten“ würde damit zum neusetzen.

  • „Neustand“ finde ich als Ersatz für das englische Lehnwort doppelplusgut.

    (Wollte aber eigentlich nur mal das „Meinungsabgabeangebot“ meiner Lieblings-Netzzeitung ausprobieren, Verzeihung)

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